Zencounter

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Eine Therapie für Normale
Manfred S. Faisst befasst sich seit über 35 Jahren schwerpunktmäßig mit der Encountermethode und gehört zu seinen erfahrensten Pionieren, Weiterentwicklern und Kritikern. Nachdem er Deutschlands einziges Encounter-Institut begründet hatte, begann er in den 80er Jahren als Resultat der kritischen Überprüfung der verschiedenen Stile des Encounters, diese äußerst wirksame Methodik ständig weiterzuentwickeln, zu verfeinern und zu vertiefen. Im Laufe der Jahre entstand so eine gereifte Form, das Zencounter, in dem die Weisheit und Tiefe östlicher Lehren mit der Effizienz westlicher wissenschaftlich erprobter Methoden verknüpft sind.
Das Leben lieben lernen
Die Verknüpfung von Ausdrücken (westliche Therapiemethoden) und Beobachten (östliche Meditationsmethoden), das gemeinsam akzeptierte Nebeneinander der Weisheit von beidem, ergibt im Zencounter eine Synthese der Therapie des Westens und der Mystik des Ostens. Sie zielt auf den ganzen Menschen, einen Menschen, der die Essenz von Ost und West verbindet, einen Menschen, der geistig wie körperlich unermesslich reich ist, einen Menschen, der sowohl fähig ist, in vollen Zügen ein physisches Leben zu führen, als auch in stiller Meditation zu sitzen.
Sigmund Freud und sein Schüler C. G. Jung waren die ersten, die die Existenz des Unbewussten auf wissenschaftlich analytischem Wege entdeckten. Sie fanden heraus, dass immer, wenn ein Aspekt menschlichen Verhaltens verdrängt wird, er dabei nur unter die Schwelle des Normalbewusstseins sinkt und zur Ursache von Neurosen, Lebensunlustgefühlen, psychosomatischen Erkrankungen und anderen psychischen Störungen wird. Anders gesagt, wenn sich eine Person nicht in ihrer Gesamtheit akzeptieren lernt, wird sie gespalten, »neurotisch«. Verdrängung ist nie ein gangbarer Weg, kein Aspekt menschlichen Verhaltens sollte verleugnet werden. Eine radikale Verwandlung geschieht nur durch Verstehen und Verstehen ist nur über Erfahrung möglich - Erfahrung mit der Bedingung dabei aufmerksam, ehrlich, wach und bewusst zu ein.
In den 60er Jahren ging die zweite Generation westlicher Psychologen einen Schritt über Freud und Jung hinaus. Leute wie Fritz Perls, Abraham Maslow und Carl Rogers entdeckten, dass auch die sogenannten »Gesunden« oder »Normalen« unter Neurosen und Stress leiden, weil sie verdrängen und deshalb ihr Potential nicht ausschöpfen können. Aus dieser Entdeckung entstand das »Growth Movement«, eine Bewegung, die sich der holistischen Psychologie widmete - der Erforschung der vollen Möglichkeiten des Menschen als einem gesunden, integrierten Wesen. Das wichtigste Werkzeug auf dieser Entdeckungsreise war die Therapiegruppe. Diese ging jetzt über die herkömmliche Arzt-Patient-Beziehung hinaus, da die Teilnehmer nun keine »psychisch Gestörten« mehr waren, die »gesund« werden wollten. Vielmehr waren es »gesunde« Menschen, die versuchten, mehr über sich selbst und ihre Verdrängungen zu erfahren, die versuchten ein Stück über das sog. »normale« Unglücklichsein hinauszuwachsen.
Therapie für Gesunde
Gefühle dürfen nicht verdrängt und unterdrückt werden, aber sie sollten auch einen realitätsgerechten und sozial verantwortlichen Ausdruck finden können.
Überall auf der Welt gingen nun die Therapeuten mehr und mehr von dem alten analytischen Modell zu einem neuen Erfahrungsmodell über. Anstatt den Menschen als Problem zu erfassen, das es psychologisch zu klassifizieren und »therapieren« gilt, griff die Vorstellung vom Menschen als Keim, als Same und Potential mehr und mehr um sich. Der Gestalttherapie Perls, der Logotherapie Frankls, sowie der Gesprächspsychotherapie Rogers, die eine der Hauptwurzeln des Encounter war, ist gemeinsam, dass sie den Menschen als ein Wesen auf der Suche nach Sinn begreifen und schöpferische, auf Selbstheilung zielende Kräfte innerhalb des Menschen postulieren. Psychotherapie ist aus dieser Sicht nicht mehr ein von außen gesteuerter Lernprozess, sondern eine Unterstützung des eigenverantwortlichen Bemühens nach Selbstverwirklichung und -entwicklung. Therapie war nicht mehr nur für »Kranke«, sondern stellte nun auch für »Gesunde«, und solche die darüber hinauswachsen wollten, eine Begleitung auf deren Weg dar.
Encounter
Als therapeutische Alternative zur ruhigen und sehr langen Psychoanalyse trat nun eine neue Bewegung auf: Encountergruppen. Sie erregten damals großes Aufsehen, erfuhren vor allem in den USA eine Periode ungeheuren Wachstums, wurden gefördert und wissenschaftlich untersucht, angegriffen und verteidigt. Carl Rogers schrieb: »Die Encountergruppe ist wohl die bedeutendste Erfindung dieses Jahrhunderts.« Heute sind in der westlichen Welt Encountertechniken und Gruppentherapiemethoden weit verbreitet, in pädagogischen Institutionen und in Kliniken, in der wachstumsorientierten und in der spirituellen Psychologie, in der interaktionellen Gruppentherapie und in der Sozialarbeit, in experimentellen Wohngruppen und Wohngemeinschaften, in der Personalausbildung der Geschäftswelt und in therapeutischen Gemeinschaften, in psychologischen Praxen und in Selbsterfahrungsgruppen... in immer mehr Organisationen, in denen der Mensch anderen helfen und dadurch sich selbst besser verstehen lernen muss.
Therapie und Meditation
In den frühen 70er Jahren begannen viele Pioniere des »Growth Movement« die Begrenztheit ihrer Experimente einzusehen. Die Gruppen gaben ihnen das Gefühl, entspannter, gesünder und liebesfähiger zu sein, aber irgendetwas fehlte. Das Ideal des integrierten Menschen entzog sich ihnen noch immer. Meditation versprach eine Antwort darauf zu sein, und schnell verbreitete sich damals im Westen eine Vielzahl verschiedener Meditationstechniken. Die wagemutigeren unter den Suchern gingen in den Osten, nach Indien, dem Geburtsort der Meditation. Einige trafen dabei auf Osho und waren auf der Stelle von seinen dynamischen Meditationstechniken beeindruckt, die, speziell für den heutigen westlichen Menschen konzipiert, zunächst auf eine Entladung verdrängter Gefühle abzielten und erst dann den Menschen zu innerer Stille führten. Die Dynamische Meditation wie auch ihre »Schwester« Kundalini wurde bald eine Standardtechnik in westlichen Gruppen und therapeutischen Institutionen - und begleitet zusammen mit anderen modernen Meditationstechniken auch unsere Gruppenarbeit seit der Begründung dieses Zentrums. Wir erkannten, dass der heutige moderne Mensch zunächst durch einen tiefen Reinigungsprozess gehen muss, bevor er anfangen kann den Zustand der Meditation zu entdecken.

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Nur im Standhalten vollzieht sich das Wunder des Wandels
Dieser Reinigungsprozess vollzieht sich im Zencounter durch eine bewusste Abkehr vor der ständigen Flucht vor der Realität. Es erfolgt eine bewusste Hinwendung, ein Standhalten vor den Problemen des Lebens - denn nur im Standhalten, im ehrlichen Hinschauen vollzieht sich das Wunder des Wandels. Flucht ist und war noch nie eine Lösung, denn, etwas poetisch ausgedrückt, das Glück versteckt sich hinter den Sorgen. Man muss sich also zunächst z.B. der eigenen Unruhe öffnen und diesem beängstigenden Gefühl keine Abwehr entgegensetzen. Man muss dem Unbehagen ins Gesicht sehen und sich nicht in unzähligen Fluchtwegen verlieren - Pillen, Rauschmittel, aber auch Beziehungen, Essen, Religion, Esoterik, Fernsehen, Karrierestreben, Krankheit etc. können diese Funktion haben. Nur dann und nur so folgt Stille und Klarsicht, nur dann verscheucht die Freude die alte Angst, nur dann kehrt der Mut und die Kraft zurück, in der eigenen Mitte Harmonie und Glück zu finden. Eine neu entwickelte Selbstsicherheit, ein gehobenes Selbstwertgefühl, tritt an die Stelle falscher Vorspiegelungen und äußerer Sicherheitsillusionen. Zencounter ist dabei kein abgelöster Gruppenprozess, sondern eher Hilfe zur Selbsthilfe, ein Weg, der gelebt und angewandt werden will: Heile einen Menschen und er wird für einen Tag gesund sein. Lehre ihn sich selbst zu heilen und er wird sein Leben lang gesund sein.
Das eigene Leben leben
Im Zencounter geht es darum das Leben wieder lieben zu lernen, alte, lebensbeschränkende Konditionierungen aufgrund emotionaler Arbeit und eigener Einsicht fallen zulassen, das eigene, individuelle Potential zu aktualisieren, die Kunst befriedigender zwischenmenschlicher Begegnung und Beziehung zu erlernen. Wer sich entschlossen hat, den eigenen Wahrnehmungs- und Erfahrungsspielraum dementsprechend zu bereichern, findet im Encounter eine der effektivsten Kommunikationsmethoden, die in den letzten Jahrzehnten entwickelt wurden.
Ost trifft West
Alles Positive, das du nicht ausdrückst, lähmt die Atmosphäre, alles unausgedrückte Negative vergiftet sie
Im Zentrum ZenMitte befasst sich seit nunmehr 25 Jahren vor allem mit der Encountermethode. M. Faisst befasst sich seit Jahrzehnten, zunächst im Rahmen einer Universität, später mit eigenem Institut schwerpunktmäßig mit Encounter, dem Hauptverfahren humanistischer Psychologie und gehört zu seinen erfahrensten Pionieren, Weiterentwicklern und Kritikern. Anfang der 80er Jahre entwickelte sich als Resultat der kritischen Überprüfung der verschiedenen Stile des Encounter und auf Anregung Oshos, der damals im Rahmen der Rajneesh International University Manfred S. Faisst zum Director des Osho Encounter Instituts ernannte und ihn dabei unterstützte statt immer nur neuen "modischen" Richtungen zu folgen, lieber die sehr wirksame Encountermethodik ständig zu verbessern und in die Tiefe zu entwickeln, das Zencounter. Das, was die Selbsterforschung und -entwicklung so spannend gemacht hatte, blieb größtenteils erhalten, ebenso das ehrliche Sich-Aufeinander-Beziehen als der grundlegenden therapeutischen Technik im Zencounter. Aber die Gruppen selbst sind im Vergleich insgesamt realistischer geworden, haben mehr mit dem wirklichen Leben zu tun, reichen tiefer und sind eher sehr liebevoll als hart - als hart galt z.B. der berühmt-berüchtigte Synanon-Stil, in Wohngruppen Ex-Drogenabhängiger entwickelt, in dem der (unsinnige) Mythos vom Encounter als Aggressionsgruppe seinen Ursprung hat. Zencountergruppen im ZenMitte verknüpfen die Weisheit und Tiefe östlicher Lehren mit der Effizienz westlicher wissenschaftlich erprobter Methoden.
Zencounter-Philosophie
Die dem Zencounter zugrundeliegende Philosophie lässt sich kurz und vereinfacht
in Form einiger einfacher Regeln und Prinzipien verdeutlichen, die den Teilnehmern
als Richtlinien dienen, an Hand derer sie ihr alltägliches Interaktionsmuster
überprüfen und verändern können (zur Vertiefung empfehlen
wir das Buchskript von M. Faisst: »Die heilende Kraft der menschlichen
Begegnung - Prinzipien für inneres Wachstum«).
Als Beispiel hier eine kleine Auswahl:
- Sei ehrlich und teil mit, sei aufrichtig dir selbst und allen anderen gegenüber
- Achte auf deine Gefühle
- Lebe jetzt und lebe hier
- Übernimm die volle Verantwortung für deine Handlungen, Gefühle, Gedanken
- Sprich für dich. Sag ich statt man oder wir
- Sprich direkt zu der Person, die du meinst und rede nicht über sie…
- Sei achtsam, lenke deine Aufmerksamkeit bewusst und mit Absicht auf dein aktuelles Erleben - und bewerte nicht
Will man Zencounter im Spiegel dieser Regeln definieren, so erweist es sich
als eine Methode, persönliche Beziehungen herzustellen, sich selbst zu
erkennen und zu verändern auf der Grundlage von Offenheit und Ehrlichkeit,
Selbstwahrnehmung und Selbstverantwortung, Körperbewusstsein, Beachtung
der Gefühle und Betonung des Hier und Jetzt. Zencounter steht der Therapie
nahe, wenn es darum geht unsere inneren Fesseln zu lösen, nähert sich
der Pädagogik und Spiritualität, wenn es eine weitgehende Entfaltung
unserer persönlichen Fähigkeiten und unseres Potentials anstrebt und
vermittelt im täglichen Leben eine Haltung in zwischenmenschlichen Beziehungen,
die als Königsweg bei der Lösung interpersonaler Konflikte, sowie
bei der Entwicklung von echter Freundschaft und Intimität gilt.
Individuelle Veränderung
In über zwei Jahrzehnten der Arbeit mit dem neuen Encounter habe ich immer wieder erleben dürfen, wie Menschen sich im Verlauf der Gruppenprozesse öffneten, ihr inneres Potential entdeckten und sich veränderten. Ich war oft erstaunt über die Effektivität und den nachhaltigen Wandel, den diese Gruppen im Leben Einzelner auslösen. Ich persönlich bin mit Schutz, einem der Begründer des Encounter, der Meinung, dass eine einzige intensive Woche oft mehr Veränderung bringt als zwei, drei Jahre periodische Abendtherapiesitzungen und dass Zencountergruppen weit wirksamer sind als Einzelsitzungen. Ich habe oft in einer einzigen Gruppe mehr über den Menschen und natürlich mich selbst gelernt, als in den langen Jahren meiner Studienzeit und Therapie.
Wie konnte man früher nur...
Zencounter heißt Begegnung, eine Begegnung, die einfachen Grundregeln folgt. Der individuelle Veränderungsprozess im Zencounter beginnt meist mit dem zunehmenden Bewusstsein des Teilnehmers, welche seiner gedanklichen, verhaltensmäßigen und emotionalen Reaktionen unangenehm oder ineffektiv sind. Erreicht wird dies durch die umfangreiche und ehrliche Interaktion in der Gruppe, oder auch durch Konfrontation und Rückmeldung. Danach ist dann die Zeit gekommen, alternative Verhaltensmöglichkeiten auszuprobieren und zu festigen, mit Unterstützung der Gruppe Neues zu erlernen. Es ist die Zeit, sich selbst neu zu betrachten, das Bild, das man von sich gemacht hat, zu überprüfen, die Regeln, die man für sich aufgestellt hat, neu zu überdenken - um somit verzerrte Aspekte der eigenen Identität wieder rund werden zu lassen.
Diese Veränderungen gehen im Zencounter oft mit einer emotionalen Katharsis einher und der Gruppenteilnehmer behauptet im Verhältnis zu wichtigen Personen aus der Vergangenheit sein Recht, er selbst zu sein, er erfährt und erlebt: »Ich bin liebenswert und ich bin der Meister meines eigenen Lebens!" Durch die ständige Entwicklung der inneren Achtsamkeit, sowie durch das immer tiefere Kennenlernen der eigenen Gefühle entsteht eine Art feinere Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse: Wie geht es mir? Was tut mir gut? Was behindert mich? Die Eigenverantwortung wird nicht mehr auf die Umwelt abgeschoben. Das Leben wird ehrlicher, sensibler, einfacher; es wird sinnlicher, intelligenter und abenteuerlicher - bis man dann immer öfters amüsiert auf sich selbst zurückblickt: »wie konnte man früher nur...«
Manfred Faisst






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