Das Reisetagebuch von Dr. Roland Schutzbach Teil 1
Artikel - Lebenskunst/Weisheit

Yashendu, Swamiji und Ramona
Auf der Suche nach der „nicht-ernsten“ Wahrheit
connection-Autor Dr.
Roland Schutzbach begibt sich ab Oktober auf eine kleine Weltreise über Indien, Bali, Australien und Chile. Den ganzen Sommer ist er aber schon mit seinem Lach-Mobil in der Schweiz unterwegs auf der Suche nach der »nicht-ernsten« Wahrheit. Als Einstieg in sein Reisetagebuch, dass regelmäßig auf connection.de erscheint, wählt der Fachmann für die »unernsten« Dinge des Lebens eine Begegnung mit einem indischen Swami in Innsbruck: »Toller Kerl, wirklich außerordentlich. Er ist mit 25 Jahren für über drei Jahre alleine in eine Höhle gegangen. Als er herauskam, sagte er: Vorher war ich erleuchtet - jetzt nicht mehr.«
Auf einer Messe in Innsbruck begegnen wir Swamiji, seiner Geschäftsführerin Ramona und seinem Bruder Yashendu. Wunderbare Menschen – Liebe auf den ersten Blick! Die drei laden uns in ihren Ashram in Indien ein, und so entsteht das Projekt unserer spirituellen Weltreise.
Für den ersten Abend der Messe »Art of Life« in Innsbruck ist eine Chakra Dance Party angekündigt. Wir sind zuerst skeptisch: Brauchen wir das wirklich? Wir sind auch so schon glücklich! Aber nach unserer Ankunft läuft alles anders, wie so oft. Wir bauen unseren Stand zur Begrüßung des Publikums auf, vernetzen uns mit befreundeten Musikern und Ausstellern und finden uns am Abend auf der Party.
Swamiji, mit glänzenden Augen und Rastas die fast bis zum Boden reichen, tänzelt durchs Publikum, dreht Kreise zur suggestiven, kraftvollen Musik, und gibt zwischendurch Erläuterungen zu den Chakras. Der Saal kommt allmählich in Schwung, man tanzt miteinander, lacht sich an - beim Feuer-Chakra wird es so richtig wild. Der Abend klingt im Sitzen aus zu den letzten beiden Chakras, meditativ und friedlich.

Messe-Interview mit dem Swami
»Absolut unernste Spiritualität« nennt der Swami seinen Ansatz. Wie schön, ich fühle mich als Lachkönig zuhause! Kein Konzept, sondern Erfahrung! Kein dorniger Weg, sondern Erfüllung!
Am nächsten Morgen erfahren wir in persönlichen Gesprächen mehr – vor allem beim gemeinsamen Abendessen vor unserem Mobilhome. Die drei bringen ihr Essen mit, wir wärmen es auf und genießen mit den Fingern ein friedliches Mahl mit Chapati und Dal. Yashendu ist Kochlehrer für Ayurveda-Gerichte.
»Im Alter von 25 Jahren haben wir auf dem Gelände unseres Ashram eine unterirdische Höhle gebaut«, berichtet der Swami. »Ich war damals ein bekannter Guru und habe überall Vorträge gehalten. Aber ich wollte meine Beziehung zu Gott noch intensivieren, indem ich mich in diese Höhle begab. Der Eingang wurde für drei Jahre und 108 Tage hinter mir zugemauert. Ich ernährte mich von Früchten und Gemüse – in der zweiten Hälfte der Zeit dann von Milch und Buttermilch. Als ich am 24. Dezember 2000 aus der Höhle kam, erwartete mich eine Menschenmenge von 30.000 Leuten.«
»Vorher war ich ein Guru - nachher nicht mehr"
»Und wie war die Erfahrung?« frage ich. „Hat sich etwas verändert?«
»O ja!«lächelt er. »Vorher war ich erleuchtet, nachher nicht mehr. Vorher war ich ein Guru, nachher nicht mehr.«
»Und was hast du dann gemacht?«
»Ich ging nach Europa. Seither reise ich in der Welt umher mit meinen Angeboten und unterstütze mit den Einnahmen den Ashram.«
»Und der Ashram funktioniert ohne dich?«
»Ja klar, ich bin ja kein Guru mehr«, lacht er. »Außerdem ist dort meine ganze Familie, wie mein mittlerer Bruder. Mein Hauptprojekt dort ist die Unterstützung von Kindern. Wir haben einen Kindergarten und eine Schule eröffnet. Dort können die Kinder aus der Umgebung gratis zur Schule gehen. Wir geben ihnen die Schulkleidung, das Essen und den Unterricht. Das macht mir sehr große Freude, denn ich liebe Kinder. Meine ganze Arbeit ist für sie.«
Wir haben es so schön miteinander an diesem frühen Abend mit der untergehenden Sonne über den Bergen von Innsbruck! Wir spüren die Freundschaft. Ja, das ist es, was sie jetzt wollen (und auch wir): Freundschaft, nicht Guruschaft!
»Ich lade euch ein zu uns nach Indien!« sagt er plötzlich. »Kommt in unser Paradies, es ist wunderschön dort!«
Das lassen wir uns nicht zweimal sagen!
Die drei betreiben zahlreiche professionelle Webseiten, sind auf Facebook präsent, drehen Filme. Wir sehen einen Ausschnitt aus einem Film, der in Kürze als DVD herauskommen wird; den Swami, wie er nach dem Niederreißen der Mauer aus der Höhle kommt, im Triumphzug durch die Menge getragen wird und von neugierigen Reportern interviewt wird.
Bei zahlreichen weiteren Begegnungen in den nächsten Tagen lernen wir die drei näher kennen und immer mehr schätzen. Wir erfahren, dass der Swami hauptsächlich Heilungsarbeit macht, und dass seine prinzipielle Heilmethode die Liebe ist. Wie schön! Sein Bruder bildet Yoga-Lehrer aus und ist Spezialist für das Lesen aus dem Antlitz. Ramona organisiert das Ganze, ist Ansprechperson und betreut die Webseiten. Auch mit ihr schließen wir eine herzliche Freundschaft.
Am Sonntag setzt sich Swamiji zu mir an den Stand. Wir philosophieren, schauen gegenseitig die Webseiten an und haben Spaß miteinander. »Spaß haben ist so wichtig«, sagt er. „Freude und Spaß sind zentrale Faktoren meiner Arbeit«.
Eine schöne Liebe strahlt von den dreien aus! Reich beschenkt verlassen wir Innsbruck und schmieden täglich Pläne für unsere Weltreise, die uns im Oktober als erstes nach Indien in den Ashram führen soll.






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