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Zur Physik des Glücks

Artikel - Lebenskunst/Weisheit

Borderline
© Rike pixelio.de

Für den Abfluss sorgen

Es gibt eine gewisse Tendenz, die Glücksfrage ähnlich zu behandeln wie andere Themen, also anzunehmen, dass da etwas zu erreichen und dann nach Möglichkeit zu sichern wäre. Schon ein Funke Lebenserfahrung zeigt natürlich, dass dies am Wesen der Sache vorbeigeht. Offenkundig ist ja das Glück kein Produkt, das sich aus bestimmten Komponenten herstellen und fixieren ließe, sondern ist von anderer Natur. Wenn es sich überhaupt als Zustand beschreiben lässt, dann als Strömungszustand.

Das heißt, es lässt sich gerade nicht als abgrenzbares Einzelphänomen fassen, sondern es hat mit Austauschprozessen zu tun; es ist nicht kasernierbar, sondern kann sich nur in irritierender Offenheit verwirklichen. Wobei das Irritierende genau genommen nur die Veränderlichkeit der jeweiligen Außenverhältnisse betrifft, nicht aber die Haltung, mit der wir ihnen begegnen, die kann unerschütterlich sein.

Und es gibt einen zweiten Aspekt: Wenn Glück mit Strömen zu tun hat, dann ist der erste Impuls, für Zufluss zu sorgen. In der Regel allerdings muss man das nicht betonen, das ist ohnehin ein menschlicher Grundreflex. Das Problem liegt eher auf der anderen Seite: Man muss für Abfluss sorgen! Nur dann kann überhaupt ein Strömen in Gang kommen.

Man kann viele Menschen beobachten, die mit einigem Eifer eine Glücksquelle nach der anderen anzapfen und nicht recht verstehen, wo das Hemmnis liegt, und man möchte ihnen zurufen: Wie wärs mit einem Blick zur anderen Seite? Würden sie die Schleusen zu ihrem Nachbarn lösen, könnte es auch durch sie selbst aufs schönste fließen.

Sicherlich muss man an diesem Punkt ein bisschen aufpassen. Es gibt ja auch jene schrecklichen Altruisten, die unentwegt fürs Wohlergehen der anderen arbeiten und dabei im Stillen doch immer auf eine Provision zählen. Um sie pflegt das Glück einen kleinen Bogen zu machen. Das heißt es geht nicht ohne eine gewisse psychologische Intelligenz oder eine gesunde Intuition. Zwischen Berechnung und Glück gibt es eine Art magnetische Abstoßung. Mir scheint, die Welt ist an den entscheidenden Stellen äußerst raffiniert angelegt. Das Zarteste und Kostbarste ist perfekt vor unbefugtem Zugriff geschützt.

Wolfgang Müller


Kommentare  

 
0 # Udo Pochert 2010-01-08 12:59
Wirklich sehr gelungen dieser Einblick in die Physik des Glücks, aber wie kann man verhindern, dass Durchlauferhitz er heiss laufen können?
P.S. angelt euch mal diesen Wolfgang Müller für andere Sachen in der Connection
Udo Pochert
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