Die Transcent-Methode
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© Ilse Dunkel, pixelio.de
Über sichtbare und unsichtbare Folgen der Gewalt
Der bekannte Friedensforscher Johann Galtung untersucht in diesem Essay die sichtbaren und vor allem die unsichtbaren Auswirklungen von Gewalt und Krieg auf die menschliche Psyche und die Gesellschaft. Er unterscheidet zwische direkter Gewalt, die sichtbar ist, und struktureller Gewalt, die unsichtbar ist. Die unsichtbare Gewalt wirkt sich in den sechs Dimensionen Natur, Mensch, Gesellschaft, Welt, Zeit und Kultur aus. Er hofft, dass seine Transcend-Methode zu einem tieferen und besseren Veständnis über die Auswirkungen von Krieg und Gewalt beiträgt und hilft, diese eines Tages zu überwinden.
Gewalt ist ausgeübt worden, und zwar in der kollektiven Form eines Krieges,
an dem eine oder mehrere Regierungen beteiligt waren, oder in der Familie oder
auf der Straße. Sichtbarer Schaden in materieller und somatischer Hinsicht
häuft sich. Die teilnehmenden Parteien und auch die Außenstehenden
beklagen dies. Doch dann lässt die Gewaltanwendung nach: Den Krieg führenden
Parteien sind die materiellen und nichtmateriellen Ressourcen ausgegangen; die
Parteien nähern sich in ihrer Einschätzung des endgültigen Resultates
einander an, man hält weitere Gewaltanwendung für leichtfertig und
sinnlos; oder es intervenieren außenstehende Parteien, um die Gewaltanwendung
zu stoppen, um, aus welchen Gründen auch immer, den Frieden zu erhalten;
vielleicht wollen sie einen Sieg der Partei verhindern, der ihre Sympathie nicht
gehört. Ein Waffenstillstand (armistice, cease-fire, cese al fuego) wird
geschlossen, eine Vereinbarung entworfen und unterzeichnet.
Das Wort »Frieden« wird sowohl von den Naiven in den Mund genommen,
die die Abwesenheit direkter Gewaltanwendung mit Frieden verwechseln und die
nicht verstehen, dass die Arbeit am Auf- und Ausbau des Friedens gerade erst
beginnt, und bei den weniger Naiven, die dies zwar wissen, eine solche Arbeit
jedoch nicht in Angriff nehmen. So wird also das Wort »Frieden«
zu einem sehr wirksamen Friedensverhinderer.
Mit unserer Untersuchung wollen wir zu den weltweiten Bemühungen beitragen,
den Friedensprozess, der über einen Waffenstillstand hinausgeht, in Schwung
zu bringen, so dass »nach der Gewalt« nicht mehr so einfach »vor
der Gewalt« wird. Die erste Aufgabe nach der Gewalt ist, ihre Formation
zu erfassen, um besser zu verstehen, wie der Meta-Konflikt seinen teuflischen
Kurs genommen hat, unter und zwischen den Menschen, Gruppen, Gesellschaften
gewütet und vom Krieg zerrissene Leute und Gesellschaften, ein vom Krieg
zerrissene Welt hervorgebracht hat. Krieg ist eine menschengemachte Katastrophe.






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