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2012

Artikel - Spiritualität/Mystik

2012 - Ein neues Zeitalter, eine neue Erde, ein neuer Mensch?
© leapfrog-design

Ein neues Zeitalter, eine neue Erde, ein neuer Mensch

Auf dem Buchmarkt wie im Internet häufen sich Publikationen zur 2012 anstehenden Zeitenwende, wie sie der komplexe Maya-Kalender für die Wintersonnenwende im Jahr 2012 vorausberechnet hat. Ida Tschichoflos geht es um die ganzheitliche Einbettung des Themas, die von der naturwissenschaftlich-quantentheoretischen über eine gesellschaftskritisch tiefenpsychologisch-philosophische bis hin zur aktuellen spirituell-esoterischen Herangehensweise reicht

Einer der bekanntesten westlichen Maya-Forscher, John Major Jenkins, der im Internet in zahlreichen Variationen mehr oder weniger präzise zitiert wird, analysiert das Datum des 21. Dezember 2012 dabei als Zeitpunkt einer Sonnen-Konjunktion mit dem Äquator der Milchstraße. Oder anders ausgedrückt: Die Sonne tritt demnach ein in die aus interstellaren Staubwolken gebildete »dunkle Spalte« im Zentrum der Milchstraße, wobei sie gleichzeitig in einer exakten Fluchtlinie zur Erde stehen wird. Diese astronomische Konstellation ereignet sich nur sehr selten, erfordert doch allein die Präzession der Erdachse, bei der die Erde wie ein schwerer Kreisel eine runde Umlaufbahn beschreibt, knapp 26.000 Jahre, um wieder an denselben Punkt zu gelangen. Man kennt diesen Zyklus auch als »platonisches Jahr« oder »Sternenjahr«.

Unterschiedliche Wahrnehmungsweisen

Während die Präzession der Erdachse einen astronomisch anerkannten Tatbestand darstellt, finden sich von Astronomen bis hin zu NASA-Kommentaren zu 2012 eher rabiate Verwerfungen der astrologisch-esoterischen Konstellationsinterpretationen. Die beiden Annäherungswege an den Kosmos stellen wieder einmal zwei so unterschiedliche Wahrnehmungsweisen dar, dass die verschiedenen Begrifflichkeiten kaum noch neutral ineinander übersetzbar erscheinen. Hinzu kommt, dass gerade den westlichen Maya-Forschern auch nicht alle indigenen Quellen zugänglich sind. In den schamanisch orientierten Stammestraditionen der Maya-Nachfahren wurden diese oft eher im Verborgenen weiter übermittelt, so dass es hier leicht zu verzerrten Ausdeutungen kommen kann.

Gechannelte Botschaften

Es gibt innerhalb der spirituellen »Community«, die Globalisierung als weltweite Vernetztheit und respektvollen Austausch zugunsten eines harmonischen »Mutter Erde“-Bewusstseins versteht, allerdings auch leisere Stimmen, die undramatischere Entwicklungssprünge in ein neues Zeitalter für das Jahr 2012 voraussehen. Bezeichnenderweise handelt es sich hier oft um gechannelte Botschaften, bei denen die als Medium agierenden Personen ja davon ausgehen, nur das Instrument der sprachlich-energetischen Übermittlung für feinstoffliche Wesenheiten aus höheren Sphären zu sein. So auch im Falle Diana Coopers, eines bekannten Engelmediums aus England, die für das Jahr 2012 schlicht von einem enormen Lichtzuwachs für die Erde spricht:

»Die Engel sehen keine plötzlichen oder dramatischen Veränderungen voraus. Der kosmische Augenblick und die einströmenden Energien bieten einfach eine einmalige Chance, erleuchtet zu werden.« 1

In die gleiche Richtung geht die von Lee Carroll gechannelte Botschaft der global bekannten Wesenheit Kryon:

»Setzt nicht zu viel Energie auf dieses Jahr. In der Tat steht es für Veränderung, und das behagt vielen Menschen nicht. Aber mehr noch als das ist es ein Wegweiser, an dem Ihr auf Eurer sich ständig bewegenden 3D-Zeitspur vorbeikommt. Und auf diesem Schild steht ganz einfach: Willkommen im Jahr 2012 – dem Jahr, in dem die Veränderung des Planeten Erde beginnt.«2

Astrologische Konstellation der Superlative

Demgegenüber erweist sich die dem menschlichen Sinn für Dramatik entgegenkommende 2012-Deutung als astronomisch-astrologische Konstellation der Superlative natürlich als erheblich medienwirksamer. Denn die besondere Platzierung der Sonne in jener magischen dunklen Milchstraßen-Spalte bedeutet bildlich gesprochen nichts anderes als dass die Milchstraße quasi auf der Erde sitzt und den Horizont an allen Punkten ringsum umfasst. In der esoterischen Interpretation ist diese Konjunktion der galaktischen und der solaren Ebene daher gleichbedeutend mit der Öffnung eines kosmischen Tors, eines Himmelstors, womit der allseits erwartete qualitative Evolutionssprung angezeigt wird. Ein neues goldenes Zeitalter jenseits von Krieg, Gewalt und negativen Verhaftungen rückt damit in nächste Nähe. Daniel Pinchbeck, ein international viel beachteter 2012-Bestsellerautor, der auch für wissenschaftlich orientierte Menschen zumindest streckenweise interessant ist, beschreibt diesen Übergang in seinem Buch »2012: Die Rückkehr der gefiederten Schlange«3 folgendermaßen:

»Das menschliche Bewusstsein, das Sinnessystem der Erde, ist im Begriff, sich (…) hin zu einem intensivierten Seins- und Erkenntniszustand zu entwickeln – das, was der kaukasische Mystiker G. I. Gurdjieff eine höhere Oktavenannte. Wenn die Hopi von einer Fünften Welt oder die Azteken von einer Sechsten Sonne sprechen, wenn der heilige Johannes die Niederkunft der Himmlischen Stadt oder das Neue Jerusalem prophezeit, beschreiben sie alle die gleiche Sache: eine Veränderung in der Natur des Bewusstseins.«

In der »New Age«-Literatur kommt mit Blickrichtung 2012 folgerichtig vornehmlich Freude und Erleichterung über den endlich anstehenden Wechsel in ein neues, besseres Zeitalter, eine licht- und friedvolle Ära, zum Ausdruck.

2012 - Ein neues Zeitalter, eine neue Erde, ein neuer Mensch?
© augustin E.

Apokalyptische Szenarien

Im Vergleich dazu widmen sich die traditionell orientierten Mainstream-Rezeptionen der Maya-Prophezeiung zentral einer angstbestimmten Betonung deren Endzeitcharakters. Ob in Hollywood-Filmen wie Roland Emmerichs »2012« oder auch in diversen audiovisuellen Privatpublikationen, wie sie sich beispielsweise auf Youtube im Internet finden: Überall wird akribisch ein bedrohliches, apokalyptisches Weltuntergangsszenarium vorgezeichnet.

Diese Einstellung spiegelt nicht zuletzt das kollektive Dekadenz-Empfinden wider, das sich seit dem Wechsel ins neue Millennium rapide ausgebreitet hat. Äußerste Raffgier im Sinne eines »Noch mal alles mitnehmen, was geht und bevor es zu spät ist«, stellt das Motto dieser den Systemkollaps vorwegnehmenden Haltung dar. Die alten Muster werden so auch nicht nur auf wirtschaftlicher Ebene von Grund auf erschüttert. Doch im Moment verbleiben sie noch mehr oder weniger ausgehöhlt an der Oberfläche und täuschen in ihrer Fassade Funktionsfähigkeit und Normalität vor, derweil es unter dem abgenutzten Topfdeckel emsig kocht, dampft und zischt.

Im Grunde betrifft das spätkapitalistische Ausverkaufs-Bewusstsein unsere gesamte Wahrnehmung der Welt, unser gängiges Weltbild ebenso wie unsere psychologisch-philosophische Herangehensweise an die Welt. Traditionell an der »Widerständigkeit des Objekts« geschult, ausgerichtet auf Dichotomien, emotional in Freund- und Feindbildern verhaftet, folgen wir noch ein Jahrhundert seit den bahnbrechenden Entwicklungen der Quantenphysik und der Relativitätstheorie einem veralteten mechanistischen Weltbild, ob im Alltag, in Politik und Wirtschaft oder auch im mittlerweile gesamtgesellschaftlich als Problemfeld wahrgenommenen Bereich der Medizin.

Von den Symptomen zu den Ressourcen

Dass jenes alte Welt- und Menschen-Verständnis sachlich längst schon obsolet geworden ist, lässt sich nämlich geradezu exemplarisch an den zunehmenden Schwierigkeiten einer mechanistisch orientierten Schulmedizin ersehen, die in weiten Teilen zu einer Apparatemedizin verkommen ist und dadurch absurde Geldmengen verschlingt. Wie Dr. Ellis Huber, Mediziner und Vorstandsmitglied des Paritätischen Landesverbandes Berlin, im Rahmen des dritten Welt-Qigong-Kongresses 2007 in Basel betonte4, geht es bei einer ernsthaften Förderung von Gesundheit eben nicht um »Symptomorientiertheit«, sondern vielmehr um eine Ausrichtung am gesundheitsfördernden Potential, also um eine »Ressourcenorientiertheit“. Und wie die so genannte »Resilienzforschung« zeigt, zählen zu den zentralen menschlichen Ressourcen im Heilungs- wie Gesunderhaltungsprozess stützende Freundschaften, die Entfaltung sozialer und kommunikativer Kompetenzen ebenso wie der Glaube an sich selbst beziehungsweise ein übergeordnetes Gefühl der Sinnhaftigkeit. Das Prinzip »Mit-Menschlichkeit“ ist Huber zufolge entscheidend für eine Humanmedizin, die diesen Namen auch inhaltlich verdient. In der Ottawa Charta der Weltgesundheitsorganisation wurde bereits 1986 ein psychosozialer Gesundheitsbegriff zugrunde gelegt, ohne dass sich dies auf die Gesundheitsindustrie und ihr Selbstverständnis bislang ausgewirkt hätte.

Auch ökonomisch ist noch immer der gut geölte, wohlfunktionierende Maschinenmensch, der nicht nur seine Arbeitskraft verkauft, sondern ebenso seine Identität je nach Marktvorgabe präsentiert, das gängige Modell und ein klassisches Produkt des mechanistischen Weltverständnisses, wie es sich historisch aus der Newtonschen Naturwissenschaft entwickelt hat. Nicht nur wird Materie hierdurch als unbelebt gewertet, nein, sie wird so auch zur moralisch unbedenklichen Ausbeutung freigegeben. Der Mensch findet sich im Zentrum einer Welt der toten Dinge wieder. Während er sich an den gesellschaftlichen Leitlinien von Profit und Konsum orientiert, verliert er immer mehr an eigener Lebendigkeit.

Die Entfremdung des modernen Menschen

Schon 1964 führte Hannah Arendt, die große alte Dame der philosophisch-politischen Theoriebildung, in einem ZDF-Interview5 die moderne Arbeit und das Konsumieren als Gründe dafür an, dass ein Verlust von Weltbezug entstehen kann, der wiederum in eine »Verlassenheit des Massenmenschen« mündet. Erich Fromm als humanistischer Wissenschaftler par excellence, der interdisziplinär Sozialwissenschaft, Philosophie und Tiefenpsychologie miteinander verband, hat dieser Entfremdung des modernen Menschen mehrere tief schürfende Essays gewidmet. So schreibt er beispielsweise zeitgleich zu Hannah Arendts Aussage in dem Aufsatz »Die psychischen Folgen des Industrialismus“ :6

»Dem modernen Industrialismus ist es gelungen, einen solchen Menschen hervorzubringen: den automatenhaften, entfremdeten Menschen. Er ist in dem Sinne entfremdet, dass ihm seine Handlungen und seine Eigenkräfte selbst fremd geworden sind. Sie stehen ihm gegenüber und sind gegen ihn gerichtet; sie beherrschen, statt dass er sie beherrscht. Seine Lebenskräfte haben sich in Dinge und Institutionen verwandelt (…).«

Entfremdung und Isolierung erzeugen jedoch Angst, denn der Verlust des Selbstwertgefühls ob des dinglichen Umgangs mit sich selbst macht umso mehr abhängig von der Außenwelt, auf deren positive oder negative Reaktionen sich das eigene Empfinden nunmehr konzentriert. Der Subjektcharakter tritt zurück in dem Bemühen, zu gefallen und Anerkennung zu erfahren. Damit macht sich der mechanistisch agierende Mensch selbst zum Spielball seiner Außenwelt, er kreiert sich künstlich als fremdbestimmtes Objekt und lebt in einem latenten Modus der Abspaltung.

Quantenphysik

Demgegenüber hat uns die Quantenphysik bzw. Quantentheorie von Anfang an genau jene unentbehrliche Brücke oder Metaebene geliefert, die der im Menschen seit Urzeiten angelegten sinnstiftenden Komponente auch philosophisch, ja humanistisch Rechnung trägt: Über die Quantenebene ist alles mit allem verbunden. Nicht die Auftrennung in klare Fronten, in ein »Entweder oder« zählt, ebenso wie die Aufspaltung des Lebens und der Welt in belebt und unbelebt auf dieser grundlegenden Seinsebene schlicht obsolet wird. Fachübergreifend von der Systemtheorie bis hin zur Psychologie beziehen immer mehr Wissenschaftler/innen quantentheoretisch fundierte Informations- und Energiefelder in ihre Forschungs- und Erkenntnisprozesse ein.

Ob Prof. Ervin László, international vernetzter Denker auf dem Feld der Systemtheorie und Wissenschaftsphilosophie, Prof. Harald Walach im Bereich der psychologischen Grenzgebiete, die z. B. Telepathie und Fernheilung umfassen oder Prof. Fritz Popp als Biophotonen-Forscher am renommierten Internationalen Institut für Biophysik in Neuss, sie alle entwickeln innovative Theorien, bei denen auf der Quantentheorie beruhende (Informations-)Felder mit ihren nicht-kausalen und nicht-lokalen Effekten eine wichtige Rolle spielen.

Bei allen diesen durch die Quantenphysik neu vorgegebenen Forschungsrichtungen sind die entscheidenden Begriffe heute Information, Energie und Materie beziehungsweise ihre auf Feldern beruhende Verzahnung ineinander. Fritz Popp spricht hier auch von einer »Verheiratung von Feld und Materie«7 . Aus dieser Sicht stellt das in den letzten Jahrhunderten gepflegte mechanistisch-wissenschaftliche Bewusstsein eine, wie Ervin László es formuliert, »sterilisierte Bewusstseinsform“8 dar.

Das kosmische Internet

Was für spirituell interessierte Menschen längst fester Bestandteil ihrer Lebenserfahrung ist, wird so auch zu einer allgemeinen, ja globalen Zukunfts-Aufgabe: Es geht ganz allgemein darum, unser Bewusstsein zu öffnen für ein breiteres Informationsfeld, das »kosmische Internet«9 , und dadurch auch unsere Wahrnehmung zu schärfen für Prozesse subtiler Verbundenheit, die aus Energiefeldern resultieren.

Systemisch-ganzheitliche Denkansätze

Momentan leben wir jedoch in einer eher wirren Übergangsphase. Sachlich einander widersprechende Einstellungen finden sich individuell wie gesellschaftlich bunt durcheinander geschichtet, und der rote Faden scheint oftmals zu fehlen. Es fällt allerdings auf, dass kollektiv – seien es nun politische Wahlergebnisse, ökonomische Zuspitzungen oder ökologische Bedrohungen - immer wieder Patt-Situationen entstehen, die nur durch viel Kooperationsbereitschaft zu lösen sind. Entfällt diese Gutwilligkeit zugunsten des altbekannten Konkurrenzprinzips mit seinen verhärteten Feindbildern, so kommen auch keine tragfähigen Kompromisse mehr zustande. Die Gleichsetzung von altbekannt mit altbewährt hat hier an der Schwelle zu einer neuen Bewusstseinsebene der Menschheit ausgedient. Eine kleine Vulkanwolke hat im Frühjahr 2010 quasi durch den Hinterkopf immer mehr Menschen plastischer denn je klargemacht, wie abhängig und vernetzt wir alle auf unserem Planeten sind, wie sehr alle natürlichen Lebensformen in Feedback-Mechanismen ineinander greifen und wie sehr damit eine positive Orientierung und Beeinflussung Not tut, um ein harmonisches Gleichgewicht aufzubauen: in unserer Biosphäre ebenso wie in der individuellen Trias von Körper, Seele und Geist. Eine Einsicht, die sich in den ganzheitlich ausgerichteten asiatischen Traditionen niemals verloren hat.

So sagte der Begründer und Rektor der ersten internationalen Qi Gong-Universität in China, Großmeister Wei Ling Yi, in seiner Eröffnungsrede zum ersten Welt-Qigong-Kongress10 1999 in Hamburg :

»Der Mensch ist ein kleiner Kosmos. Der Körper ist ein geschlossenes Ganzes. Er ist das Element, das den Atem und die Energie der großen Mutter Natur verkörpert. Der Kosmos ist ein offenes, gewaltiges System. Offen bedeutet Information, Energie, Materie und ihre wechselseitige Beeinflussung. Das Wichtigste ist dabei die Verbundenheit mit dem Informationsimpuls.«

Passend zu diesem systemisch-ganzheitlichen Denkansatz gelangten die Mikrobiologin Lynn Margulis und der Chemiker sowie Biophysiker James Lovelock noch Mitte der 1960er Jahre zu der wohlbekannten »Gaia-Hypothese“. Auf der Basis ihrer interdisziplinären Zusammenarbeit und eines systemtheoretischen Verständnisses von Leben erkannten sie den Planeten Erde folgerichtig als ein sich selbst regulierendes beziehungsweise sich selbst organisierendes Lebewesen. Damit ist uns die Erde plötzlich wieder näher gerückt. In philosophischer Konsequenz nähern wir uns sogar wieder antiken Konzeptionen eines einheitlichen und organischen Weltverständnisses an.

Carolyn Merchant belegt in ihrer beeindruckenden wissenschaftshistorischen Studie mit dem Titel »Der Tod der Natur: Ökologie, Frauen und neuzeitliche Naturwissenschaft«11 detailreich und anschaulich, wie sich »durch die alte Gleichsetzung der Natur mit einer Nahrung spendenden Mutter (…) die Geschichte der Frauen mit der Geschichte der Umwelt und des ökologischen Wandels« über die Jahrhunderte hinweg intensiv berührt. Erst im frühneuzeitlichen Europa verlor sich das Weltbild einer organischen Kosmologie mit der Erde als Mittelpunkt und wurde zunehmend ersetzt durch die Herausbildung der modernen Naturwissenschaften und einer marktorientierten Kultur. Merchant schreibt:

»Wenn wir den Wurzeln des gegenwärtigen Umweltdilemmas und seinen wissenschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Hintergründen nachgehen, müssen wir die Herausbildung einer Weltanschauung und Wissenschaft prüfen, die die Wirklichkeit nicht mehr als lebendigen Organismus, sondern als Maschine auffasste und dadurch die Herrschaft über die Natur wie über die Frauen legitimierte.«12

Profitorientierung als Sackgasse

Dieser Doppelaspekt der Ausbeutung von scheinbar unbelebter Materie und scheinbar unterlegenen Frauen erlaubte es, eine raffgierige Ausbeutung an Bodenschätzen und weiblicher Liebes- wie Arbeitskraft gewaltvoll in der Gesellschaft zu verankern. Die aktuell kritisierte und von einer männlichen Vorherrschaft nicht abtrennbare Marktegozentrik muss in ihrer Abzockhaltung per definitionem ein respektvolles Umweltbewusstsein immer hintanstellen. Denn nur so ist ihre maximale Profitorientierung aufrechtzuerhalten. Dieser Weg wird im kollektiven Bewusstsein nicht nur durch die wirtschaftliche Krise seit 2008, sondern ebenso durch zunehmend spektakuläre Umweltkatastrophen als Irrweg und Sackgasse erkannt. Aufgrund der über lange Jahre etablierten Machtstrukturen fällt eine substanziell orientierte Kehrwende jedoch immer noch schwer.

Wir befinden uns aktuell inmitten eines Paradigmenwechsels, der auch die östlichen Erfahrungswissenschaften und die westlich-empirischen Wissenschaften einander annähert, ja miteinander verbindet und uns dabei auf neue Weise wieder zurück zur uralten kosmischen Einheits-Vorstellung führt. Die östlich-asiatischen Wissenstraditionen verfügen auf der Basis ihrer variationsreichen Energiearbeits-Systeme wie z. B. Yoga oder Qi Gong über ein Jahrtausende altes, ungebrochenes Erfahrungswissen, einen reichhaltigen Erfahrungsschatz im Umgang damit, sich für ein breiteres, kosmisches Informationsfeld zu öffnen. Es geht dabei darum, sich einzuklinken in die kosmischen Informationen, die sozusagen von Quanten bis hin zu ganzen Galaxien in Wellenform ausstrahlen und dadurch Wissen auch fühlend zu erfahren. Erkenntnisse zu gewinnen, die über ein rein mentales Wissen weit hinausgehen, indem sie sich zu einem ganzheitlichen Bewusstsein verweben, beeinflusst daher auch die ethische Verhaltensweise des Menschen und aktiviert das solidarisch-mitmenschliche Potential.

Denn wenn ich mir zutiefst dessen bewusst bin, dass ich auf ineinander greifenden Quantenfeldebenen mit allen anderen Formen des Lebens, des Seienden verbunden bin, so wird es mir maß-geblich erschwert, respektlos und gewalttätig in das Leben anderer Seinsformen einzugreifen, spüre ich doch leibhaftig, dass ich in meiner Vernetztheit auch mir selbst – zumindest subkutan – Schaden zufügen würde. Wenn ich mich selbst ehrlich erkenne, wird es außerdem immer weniger möglich sein, mich zu manipulieren, irre zu führen oder gar zu belügen.

Diese Art von erfahrenem und gelebtem Wissen, einer Selbstreflexion, die mit psychologischer Selbsterkenntnis einhergeht, ist allen auf Erleuchtung und Selbstvervollkommnung ausgerichteten spirituellen Systemen wohlbekannt. Sie ist substanziell verwoben mit einem Bewusstseinssprung, wie er im Kontext der Maya-Prophezeiung angekündigt wurde als Wechsel in ein neues friedliches und lichtvolles Zeitalter.

Qi Gong-Großmeister Wei Ling Yi betonte bereits 1999 in seiner Eröffnungsrede zum ersten Welt-Qigong-Kongress:13 »Es beginnt ein neues Millennium, in dem uns das Selbst und der Kosmos bewusst werden.«

2012 als Chiffre für ganzheitliche Transformation

Damit verschieben sich auch die Koordinaten von Raum und Zeit in unserem Leben. Unser Binnenraum weitet sich aus, mitten hinein in den Kosmos, über die Dreidimensionalität hinaus, wie im selben Atemzug das bislang Andere und Ferne zeitlich auch sehr viel näher rückt, als wir es aus unseren lang gewohnten und altgedienten Denkstrukturen heraus erwarten würden. 2012, begriffen als Chiffre für einen kollektiven, ja global anstehenden Prozess, kennzeichnet eine umfassende, ganzheitliche Transformation, die die Psychologie des Menschen, seine Intelligenzentwicklung und das Potential seiner bislang noch wenig ausgeloteten Fähigkeiten ebenso erfasst wie die Lebensqualität auf der Erde, die planetare Gestalt und Harmonie aller Lebensformen.

Was uns damit nahe rückt, ist sinnbildlich gesprochen der »Morgen“. Oder, um mit einer auf Youtube ausgestrahlten »Mayan Elders message to Humanity« zu schließen, mit der ein Maya-Ältester aus Guatemala gelassen mit »den Worten seiner Vorfahren“ alle Zuschauenden beruhigt: »Lasst den Morgen kommen. (….) Habt keine Angst!«14

Ida Tschichoflos

Zitate / Quellennachweis

Ida Tschichoflos ist Diplom-Bibliothekarin und arbeitet an der Universität Tübingen im Deutschen Seminar

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Kommentare  

 
0 # Matthias Mala 2010-08-03 02:39
Nach meinen Kenntnisstand haben 5 Magier den Weltuntergang 2012 letztes Jahr in Wiesbaden abgewendet. Der Maya-Kalender beginnt also am Ende nächsten Jahres wieder von vorne.
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