Der Erste Internationale Tarot Kongress
Artikel - Spiritualität/Mystik
Ein Blick ins Unterbewusste
Ende November 2009 war es soweit – pünktlich zum 100. Geburtstag des Rider-Waite-Tarots fand der erste Internationale Tarotkongress in Hamburg statt. Da fanden sich die Tarot-Prominenz und Tarot-Fans von nah und fern ein. Etwa 200 Besucher tummelten sich im Logenhaus, hörten sich spannende Vorträge an und staunten über die Vielfalt der Karten.
Freitag um 16 Uhr begann der Kongress mit einer Ehrung des im Februar 2009
verstorbenen
Hajo Banzhaf. Viele namhafte Redner hielten Vorträge, zu viele,
um alle einzeln zu nennen. Susanne Zitzl, die nun mit Kolleginnen die Tarotschule
von Hajo Banzhaf weiterführt, sprach über Tarot und Psychologie. Heute
sei der Sinn des Tarot nicht mehr, das so genannte, unabänderbare Schicksal,
die »Zukunft« zu erfragen, erklärte sie. Es gehe nun vielmehr
um Eigeninitiative, das Ausloten der Möglichkeiten und das Aufdecken unbewusster
Motive. Die Bilder seien Symbole, die Einblicke in die Seele gewähren,
uns Zugang zu unserem Unterbewussten gewähren, kein »Weissagegerät«,
wie man früher glaubte. So war auch bei allen eingeladenen Vortragenden
der Ansatz eher psychologischer als »hellseherischer« Natur.
Sehr spannend war auch Regine von Hillenbrandts Vortrag über Niki de Saint Phalle. Die Künstlerin, die die berühmten Nanas schuf, schuf auch einen Skulpturen-Garten mit ihren eigenen Interpretationen des Tarots. Mit viel Witz und Humor führte Lilo Schwarz durch eine Tarot-Aufstellung, und Ernst Ott ließ Tarot-Karten durch Menschen aus dem Publikum darstellen. Zum besseren Verständnis, meinte er, helfe es, wenn man selber die Haltung der Person(en) auf der gerade gezogenen Karte einnimmt. Und so saß eine Teilnehmerin als Zwei der Schwerter mit verbundenen Augen auf der Bühne, eine andere wehrte als Fünf der Stäbe Angriffe von unterhalb der Bühne ab.

© Christine Höfig
Elfen, Engel, Vampire und anderes
In den Pausen gab es Gelegenheit, am Stand des Wrage-Verlages über die Vielfalt der verschiedenen Decks zu staunen – neben den üblichen Elfen- und Engel-Tarots fanden sich auch ein Vampir-Tarot, ein Manga-Tarot und mehrere Decks mit erotischen Motiven.
Am Samstag Nachmittag hatten die Teilnehmer die Qual der Wahl zwischen 13 parallel
laufenden Workshops.
Gerd Ziegler, Rachel Pollack, Akron, Lilo Schwarz –
auch hier lockten viele bekannte Namen. Ich entschied mich spontan für
Akron, der in seinem Workshop drei neue Karten vorstellte: die schwarze Göttin,
die scharlachrote Anima und das Dunkle Kind nennt er diese Archetypen. Knapp
bemessen war die Zeit, um diesen schweren Inhalt zu verdauen, bevor es zum Buffet
ging.
Im Eintrittpreis inbegriffen war nämlich am Samstag Abend ein leckeres
Dinner. Hierbei zeigte sich eine organisatorische Schwäche des Kongresses,
denn es gab bei weitem nicht genug Stehtische für alle Teilnehmer. Macht
nichts, man kann auch auf dem Boden sitzend essen – und so fand ich mich
zwischen dem Künstler
Voenix (dem Schöpfer des Mythen-Tarot) und der
Tanztherapeutin und Hexenladen-Inhaberin
Monika Cherkaoui auf dem Parkettfußboden
wieder.
Nun folgte ein kurzes Showprogramm: die Gruppe Menara führte Bauchtänze
nach Motiven des Tarot vor, anschließend gab es Biodanza mit der bekannten
Biodanza-Lehrerin
Christina Arrieta und Monika Cherkaoui. In der anschließenden
Disco »Tanz die Trümpfe« schwangen sogar die Organisatoren
Johannes Fiebig und Eveline Burger vom Königsfurt Urania Verlag ausgelassen
das Tanzbein.
Akron: witzig, brillant, chaotisch
Sonntag war leider schon der letzte Tag, und er begann mit einem Vortrag der »Grande Dame« des Tarot, der Amerikanerin Rachel Pollack. Rachel, eine sympathische, 63-jährige Frau im bunten Kleid, wurde synchron übersetzt – leider nicht immer ganz treffend, was schade für ihren großartigen Vortrag war.
Nach ihr war der schillernste all der schrägen Vögel dieses Kongresses an der Reihe, der Schweizer Magier Akron. Geb. 1948, war er einst Rockmusiker und ist heute Autor, Astrologe, Okkultist. Zu seinen wichtigsten Werken gehören das Baphomet-Tarot in Zusammenarbeit mit H.R.Giger und das Akron-Tarot.
Hier auf dem Kongress betrat in schwarzem Anzug, mit schwarzer Sonnenbrille und Hut die Bühne und wurde stets von seinem »Team« begleitet. In witziger und berührender Weise erzählte er zuerst von seiner Freundschaft mit Hajo Banzhaf und bat dann seine Mitarbeiterin Patricia Clooney ein Lied zu Hajos Gedenken zu singen. Sonst arbeitet die erst 22-jährige Frau als Illustratorin für Akron, doch sie ist auch mit einer ausgesprochen schönen Stimme gesegnet. Patricias Gesang erzeugte gewiss nicht nur bei mir eine Gänsehaut.
Dann begann Akrons eigentlicher Vortrag – witzig, brillant, teilweise chaotisch – über ein neues, dreidimensionales Tarot, das er gemeinsam mit seinem Team entwickelt hatte. Ein Teilnehmer fasste ihn so zusammen: »Akron hat echt den Vogel abgeschossen.« Leider muss ich zugeben, dass das, was er zu sagen hatte, in meinem Gedächtnis viel schneller verblasste, als wie er es sagte. Dass er mehr kann, als eine gute Show abzuziehen, davon hatte ich mich allerdings am Vortag in seinem Workshop überzeugen können.
Margarete Peterson, die ihr eigenes Tarot vorstellte, hatte die undankbare Aufgabe, nach Akron zu sprechen. Doch schaffte sie es sogar dann noch, die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu gewinnen. Johannes Fiebig vom Urania-Verlag erklärte nicht nur Samstag und Sonntag morgen die jeweils aus dem Datum errechnete Tageskarte, sondern hielt auch den letzten Vortrag über den heutigen Tarot. Damit war der Kongress leider schon zu Ende, und es hieß Abschied nehmen von all den neuen und alten Bekannten, die man hier getroffen hatte. Für 2011 ist der nächste Internationale Tarot-Kongress geplant.
Christine Höfig







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