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Die Christengemeinschaft

Artikel - Spiritualität/Mystik

Die Christengemeinschaft
Die Christengemeinschaft in Bern

Geschichte einer Wandlung

Heike Mierzwa hatte mit der Kirche nie was am Hut, war aber auf der Suche nach einer spirituellen Heimat. Fündig geworden ist sie in der Christengemeinschaft, einer christlichen Kirche, die sich als von der Anthroposophie inspirierte, aber selbständige Kultusgemeinschaft versteht. Sie wurde 1922 in der Schweiz von einer Gruppe von Theologen meist evangelischer Herkunft unter der Leitung von Friedrich Rittelmeyer und mit Hilfe von Rudolf Steiner gegründet. Eine berührende Schilderung von einer großen Wandlung...

Um eines gleich klar zu stellen, ich hatte nie etwas mit Kirche am Hut. Im Gegenteil, die Lebensfeindlichkeit und Verlogenheit, die dort im großen Stil gelebt wurde und teilweise immer noch wird, schreckte mich schon immer ab. Wenn ich dann doch einmal in einen Gottesdienst ging, zu einer Konfirmation etwa, zu der ich eingeladen war, dann dauerten mich die armen Sündergestalten, die das Abendmahl »feierten«. Allein von einer Feier habe ich ein anderes Bild. Ich stelle mir fröhliche Menschen vor, die sich herzlich zugetan sind und Freude miteinander empfinden. Meinetwegen dürfen sie auch traurig oder ernst sein, das ja. Beim Abendmahl jedoch sah ich sie oft dastehen, wie die begossenen Pudel mit hängenden Schultern und schweren Köpfen, man hätte meinen können, ein schweres Schicksal stünde ihnen unmittelbar bevor. Dann würgen sie das Brot herunter und verschlucken sich fast am Saft und schlurfen zu ihren Bänken zurück.

Ein Vortrag über St. Germain

Mir gestand einmal eine Bekannte, dass sie beim Abendmahl regelmäßig Brechreiz bekäme, und ich glaubte ihr auf's Wort. Auch das uninspirierte Herunterleiern des Vaterunser konnte in mir nie hehre Gefühle erzeugen. Ich verfiel jedes Mal, wenn ich es solcherart dargeboten hörte, in einen dumpfen Widerstand. Im vergangenen Sommer nun geschah es, dass eine Freundin mich mit zu einem Vortrag in die Christengemeinschaft nahm. Ich hatte bis dato noch nie etwas von dieser Christengemeinschaft gehört, jedenfalls war sie noch nicht in meine bewusste Wahrnehmung getreten. Besagter Vortrag handelte von dem Grafen St. Germain, und ich war gespannt darauf, mehr von ihm zu erfahren. Denn bei systemischen Aufstellungen, an denen ich teilgenommen hatte, war St. Germain des öfteren von den beiden leitenden Therapeutinnen um seinen geistigen Beistand gebeten worden. Der Vortrag entsprach dann nicht ganz meinen Vorstellungen, ich hatte mir etwas mehr Ausführungen über das spirituelle Wirken St. Germains gewünscht. Ich kann jedoch nicht sagen, dass der Vortrag mich enttäuschte, im Gegenteil. Der Priester, der ihn hielt, bestach durch solch exzellente Redekunst, dass ich ihm gebannt lauschte. Er verstand es, mehrere Gedankengänge in der Schwebe zu halten und am entscheidenden Punkt zusammenzuführen.

Als er dann Wissen über die Mysterienkulte im Alten Ägypten anklingen ließ und über die sich wandelnden Aufgaben der Engel in der heutigen Zeit sprach, da hatte ich vollends Feuer gefangen. Engel machten auch eine Entwicklung durch? Dieser Gedanke war mir völlig neu und verblüffte mich. Als ich den Priester nach dem Vortrag mit Fragen zu löchern begann, bot er uns Zuhörenden an, man könne sich bei Interesse auch einmal separat treffen, um sich über diese Fragen auszutauschen.

Ein paar Tage später rief ich den Priester dann auch tatsächlich an, weil ich wirklich wissen wollte, wie das mit den Engeln war. Nun war ich voller Vorfreude, denn wir hatten für die kommende Woche ein Treffen vereinbart. Was würde ich nicht alles über die Engel erfahren! Das Gespräch verlief dann wieder völlig anders, als von mir erwartet. Irgendwie hatte der Mann es hinbekommen, dass ich die ganze Zeit von mir erzählte, und nach einer Stunde musste ich feststellen, dass ich fast mein gesamtes Leben im Zeitraffer vor ihm ausgebreitet hatte. Nachdem wir unser Gespräch beendet hatten, gingen wir in die Bibliothek des Gemeindezentrums, denn Herr Pollmann, so hieß der Priester, wollte mir ein Buch mit nach Hause geben. Es war »Urchristentum – Die drei Jahre« von Emil Bock.

Dieses Buch wurde eine Offenbarung für mich. Denn zum ersten Mal legte jemand die Geschehnisse um Jesus Christus aus wahrhaft spiritueller Sicht dar. Plötzlich verstand ich, worum es da ging. Ich bekam einen Zugang. Da war jemand, der übersetzte mir die Sprache der Evangelien, und alles ergab einen Sinn für mich.
Mich hatte immer gestört, dass Jesus, der Mensch angebetet wurde. Mir war schon immer jeglicher Personenkult suspekt und so auch dieser. Sorry, Jesus. In besagtem Buch schildert Emil Bock, wie Jesus im Alter von 30 Jahren von Johannes dem Täufer die Jordantaufe empfängt. Diese Jordantaufe muss man sich als eine Mysterieneinweihung vorstellen, bei der sich die Seele kurzzeitig vom physischen Leib löste und so Erleuchtung erlangte und dann wieder in den Körper zurückkehrte. Bei Jesus Taufe geschah das große Mysterium, dass sich sein persönliches Ich ganz aus seinem Körper löste und die Christuswesenheit in diesem Körper ihre irdische Behausung fand.

Die Christengemeinschaft
Die Christengemeinschaft in Berlin-Wilmersdorf

Menschenweihehandlung

Warum hatte mir das in der evangelischen Kirche niemand so erklären können? Nachdem ich dann wenig später auch noch in der Christengemeinschaft einen Vortrag über das Sakrament des Abendmahls gehört hatte und so allmählich zu ahnen begann, was es damit auf sich hatte, war es nur noch eine Frage der Zeit, bis ich mich eines Tages in der Menschenweihehandlung (so wird der Gottesdienst in der Christengemeinschaft genannt) wiederfand. Da saß ich nun und verstand die Welt nicht mehr. Ich hier? Freiwillig? Dann empfing ich das erste Mal in meinem Leben das Sakrament des Abendmahls, und mir wurde bewusst, es war ein Geschenk. Hier konnte ich mich mit Christus verbinden und seiner Gnade teilhaftig werden, die er durch seine Menschwerdung und Überwindung der Todeskräfte jedem Menschen darbietet. (Vor einem halben Jahr noch wären mir solche Worte aus meinem Mund extrem abartig vorgekommen, jetzt ist es mir immer noch fast ein bisschen peinlich aber da muss ich jetzt durch…)

Beichte als Ich-Stärkung

Ich war schon lange auf der Suche nach einer spirituellen Heimat gewesen, und mir wurde ganz feierlich zumute, als mir bewusst wurde, dass ich sie gefunden hatte. Zu jener Zeit ging es mir psychisch noch ziemlich mies und der Priester bot mir an, mit ihm ein Gespräch zu führen, danach mein Problem der geistigen Welt zu übergeben, um dann eine Antwort auf meine Fragen zu bekommen. Wow, das konnte man tun?! Das war ja fantastisch. Das hörte sich fast zu märchenhaft an, um wahr zu sein. Da öffneten sich völlig neue Türen. Als es dann soweit war, und der Priester und ich im Gemeindezentrum bei unserem Gespräch waren, offenbarte er mir plötzlich, dass man so ein Gespräch auch Beichte nennt. O Gott! Hätte er vorher zu mir gesagt, ich solle zu ihm zur Beichte kommen, ich hätte mich tapfer mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Nie und nimmer würde ich zur Beichte gehen. Und dann war ich mittendrin, und es war wieder ein Geschenk. Der eigentliche Sinn von Beichte oder Be-ichte, wie man es auch nennen könnte, erklärte mir der Priester, war die Ich-Stärkung und Christus könnte dann mit dem »Stoff«, den man ihm da übergab, in der geistigen Welt »arbeiten«.

Antwort aus der geistigen Welt

Ich übergab dann mein Problem, das ich in dem Gespräch dem Priester offenbart hatte, einen Stock tiefer in der Kapelle, Christus und der geistigen Welt, und ich sollte aufmerksam sein, wann die Antwort käme. Das konnte sofort sein oder auch erst in ein paar Stunden oder in ein paar Tagen. Ich war sehr gespannt und auch ziemlich skeptisch, ob da wirklich eine Antwort kommen würde. Wie oft hatte ich mich in meiner Not an Gott und die Engel, die aufgestiegenen Meister oder wer sich da sonst noch so in den lichten Höhen tummelt, gewandt mit der Bitte um dringende Hilfe. Und es war nichts passiert. Oder es waren Antworten gekommen, nur in einer Sprache oder in Zeichen, die ich nicht verstand? Ich hoffte deshalb inständig, wenn jetzt eine Antwort käme, dann doch bitte auf hochdeutsch.

Es dauerte genau fünf Tage, bis die Antwort kam. Es war ein Samstag und ich saß wieder einmal tränenüberströmt in der Menschenweihehandlung, weil ich vor Kummer völlig verzweifelt war. Als der Priester das Vaterunser sprach, genauer gesagt, die Worte »und vergib uns unsere Schuld…«, da passierte etwas mit mir. Etwas löste sich in meinem Inneren, und ich musste wieder weinen. Dieses Mal waren es allerdings Tränen der Erleichterung. Das war die Antwort. Plötzlich wusste ich, dass mein Problem, dass mir mein Leben die letzten zwei Jahre so zur Hölle gemacht hatte, von einer Schuld her rührte. Und diese Schuld hatte nichts mit diesem Leben zu tun, das spürte ich ganz deutlich. Das fühlte sich nach einer sehr alten karmischen Schuld an. Das hatte ich irgendwie zwar schon eine ganze Weile geahnt, aber jetzt hatte ich es »schwarz auf weiß«. Ich bin sehr neugierig, was dieses Abenteuer Christengemeinschaft noch so alles an Entdeckungen für mich bereithält. 

Heike Mierzwa

Info Christengemeinschaft

Inmitten der vielen religiösen und weltanschaulichen Gemeinschaften unserer Zeit tritt die Christengemeinschaft mit einem eigenen christlichen Gemeindeleben auf. Dieses beruht zum einen auf der Erneuerung und Fortbildung des christlichen Gottesdienstes, der Messe, zur Menschen-Weihehandlung. Zum anderen gibt es ein neues christliches Bekenntnis (Credo), in dem die Wahrheit des christlichen Glaubens in einer unserer Zeit gemäßen Form enthalten ist. Gottesdienst und Bekenntnis leben durch die gemeinsame und individuelle religiöse Übung der Gläubigen. Zu dieser gehört auch ein neuer Umgang mit dem Evangelium und dem Gebet. Die Christengemeinschaft ist also Sakramentsgemeinschaft. Taufe, Konfirmation, Beichte, Trauung, Priesterweihe und Letzte Ölung sind mit dem Zentralsakrament, der Menschen-Weihehandlung, verbunden. Ein Kindergottesdienst und altersgerechte religiöse Unterweisung, die Pflege eines vertieften und erweiterten Verständnisses des Neuen Testaments, Beratung und Seelsorge nach den Erwartungen derer, die darum nachsuchen, Vorbereitung der Sakramente und deren Vollzug, Bestattung und Fürbitte sind wesentliche Lebensfunktionen des Gemeindewesens. Wer sich diesem aus freiem Entschluss nach reiflicher Prüfung verbinden will, wird Glied der Gemeinde, Mit-Glied der Christengemeinschaft.

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Kommentare  

 
0 # Astrid Bruns 2010-12-17 17:14
Danke für diese aufrichtige Schilderung.

Das Link funktioniert leider nicht, versucht doch mal http://www.christengemeinschaft.org/
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