Schamanismus heute
Artikel - Spiritualität/Mystik

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Schamanisches Arbeiten in der Stadt?
Kann man in der Großstadt Schamanismus leben? Zwischen Betonblocks, Straßenlärm und Hektik? Man kann, sagt die mit schamanischen Techniken arbeitende Heilpraktikerin
Katja Neumann aus Berlin
Wie kann ich mitten in der Stadt leben und in all dem Lärm, alltäglichem Wahnsinn und energetischer Verschmutzung eine der ältesten Heilweisen ausüben? Ist das authentisch?
Ich kann hier nicht ohne weiteres Schwitzhütten aufbauen, Feuerrituale oder Krafttiertänze im Freien ausführen. Die Natur ist alles andere als unberührt und so ausgelaugt, dass sie uns kaum nähren und unterstützen kann. Im Gegenteil, sie braucht unsere Kraft, unsere Verteidigung jedes Baumes, jeder unverbauten Lücke. Man sieht den Himmel vor lauter Häusern nicht, weiß nicht mehr, ob der Mond zu- oder abnimmt. Und der Alltag lässt es nicht zu, nach natürlichen Zyklen zu leben. Aber genau da, zwischen Stress und Ellenbogen-Überlebens-Strategie wohnt die Sehnsucht!
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Nirgendwo erreicht man so viele Menschen, die leben, heil werden und glücklich sein wollen – und nirgendwo sind sie gleichzeitig so »austherapiert« und desillusioniert und damit schon wieder so offen für ungewöhnliche Wege. Die Freiheit im Kopf ist entscheidend. Die Kraft, die da frei werden kann – wenn sie darf – ist unglaublich stark.
Hier leben 3–4 Millionen Menschen. Alle in einer Stadt…
Wer – bei aller physischen Enge – die Freiheit des Geistes in der Stadt schätzen gelernt hat, möchte das nicht mehr missen und tut sich schwer mit kleinem, engem Denken. Die meisten kommen von irgendwoher, wo es kleiner und enger war und sind mit der festen Absicht hier, es anders zu machen, besser als ihre Eltern vielleicht.
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Heil werden in der Großstadt
Viele von ihnen kamen zum Studieren und sind nun die Generation, die selbst Eltern sind oder gerade werden, die trotzdem hier geblieben sind – oder eben wegen dieses Wunders des neuen kleinen Lebewesens. Mit der festen Überzeugung, dass man auch in einer Stadt heil werden und sein kann – inklusive der Kinder.
Wenn man aus der Haustür tritt, das Branchenbuch oder die Veranstaltungskalender aufschlägt, tun sich einem eine Fülle an Angeboten zum Heilwerden auf. Jeder hat eine ultimative Methode, manche versprechen das große Glück, die schnelle Erleuchtung, andere sind leise und bescheiden – und fantastischerweise haben wir die Wahl. Wir können sicher sein, in dieser Fülle genau das zu finden, was zu uns passt, uns sozusagen auf den Leib und auf die Seele geschneidert ist. Die wahre Kunst besteht darin, sich vertrauensvoll und zielsicher dorthin führen zu lassen.
Also bin ich auch immer noch hier mitten in der Stadt, im geburtenreichsten Bezirk von ganz Europa, gebe Einzelsitzungen, finde Seelenanteile, Krafttiere, Besetzungen und was es sonst noch so gibt an möglichen und unmöglichen Zuständen – und nebenbei bringe ich den Menschen, die das wollen, auch wieder bei, was sie selbst eigentlich können, aber verlernt und vergessen haben: das schamanische Reisen.
Und ich muss bzw. darf immer wieder feststellen, dass die vielen kleinen Wunder, die einen hier überleben lassen in der Stadt, mir die Überzeugungsarbeit – dass es noch mehr zwischen Himmel und Erde gibt als, als das, was wir sehen – wesentlich erleichtert.
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Schamanisch reisen
Du glaubst mir nicht? Du zweifelst? Das ist gut. Ich mache dir einen Vorschlag:
Nachdem du diesen Absatz gelesen hast, schließ doch bitte einfach mal die Augen. Ich gehe davon aus, du sitzt vor dem Computer in einem Zimmer, vielleicht hörst du die Autos vorbeifahren, vielleicht bist du einer der Glücklichen, die »nur« die Vögel zwitschern hören. Wie dem auch sei – mitten in der Natur wird keiner von euch gerade weilen. Du schließt also gleich die Augen, stellst beide Füße auf dem Boden – ein bisschen Erdung kann nie schaden – atmest mal tief ein und aus und stellst dir vor, du stehst auf und verlässt durch eine Tür das Zimmer. Vielleicht gehst du durch eine Tür, die es real nicht gibt- oder du gehst einfach durch die Wand. Das geht, schließlich nimmst du deinen physischen Körper ja nicht mit. Hinter dieser Tür oder Wand ist nicht der Flur, das Treppenhaus oder was auch immer. Diese Tür führt zu einem wunderschönen Ort in der Natur. Ein Ort, den du möglicherweise kennst, möglicherweise aber noch nie gesehen hast, aber immer mal kennen lernen wolltest.
Oder aber es ist eine Summe aus allem, was du liebst: Meer, Blumen, Bäume, Seen, Berge, Wüste, Urwald… alles zusammen. Schau dich um um, rieche, fühle! Dort ist es wunderbar. Das ist dein persönlicher Kraftplatz. Und in der sogenannten Nichtalltäglichen Wirklichkeit so normal, so real wie der Parkplatz vor deiner Tür. Gegen jeden »gesunden Menschenverstand«, wie man so schön sagt. Der ist nämlich manchmal gar nicht so gesund, gerade wenn er uns vom Träumen abhält, oder vom schamanischen Reisen. Das tust du nämlich gerade. Ach so? – Zumindest ist das der Beginn einer wunderbaren Welt, die du als Kind noch kanntest und deren Bewohner deine Freunde waren.
Weiter gehen wir erst mal nicht, aber ich empfehle, diesen Ort in deinem Herzen zu bewahren und bald dorthin zurückzukehren, um zu schauen, wo man von dort aus hinkommt. Es lohnt sich. Nun gehe aber erstmal zurück, verabschiede dich, gehe durch die Tür oder die Wand in das Zimmer zurück, atme noch einmal tief durch und öffne die Augen. So. Du sitzt wieder vor deinem PC und hast trotzdem ein paar kostbare Momente in der Natur gespürt. Einen heilen und heiligen Zustand vielleicht. Und vielleicht ist es in deinem Herzen ein bisschen heller und leichter?
Warum also sollte eine Großstadt kein geeigneter Ort für Schamanismus sein?
Oasen in Berlin
Es gibt viele kleine Oasen in Berlin, die einem den Glauben an hellere Zeiten und neue Denkweisen und Energien zurückgeben. Die Naturheilpraxen und anderweitig ganzheitlich genutzten Räume im Besonderen.
Städte wie Berlin sind ganz besondere Knotenpunkte – auch aus spiritueller Sicht unendlich wichtig. Umso wertvoller die Abladestellen für karmischen Restmüll, Auflade- und Verjüngungsstationen aller Art. »Schrauber-Hallen« für die Seele. Viele davon basieren auf jahrhundertealtem Wissen wie dem Schamanismus.
Seit ein paar Jahren haben mein Mann und ich unsere gemeinsame Praxis in Prenzlauer Berg, direkt an der Gethsemanekirche in der gleichnamigen Straße und finden bis heute den Garten Gethsemane als angenehmen Ort und gutes Omen. Dort habe ich meine »Höhle«, meine Ruhe-Oase, in der ich trommeln, reisen und schamanisieren darf nach Herzenslust.
— Katja Neumann

Katja Neumann, Jg 1972, nach dem Abitur Fernseh-Praktika, Uni (nicht sehr lang), Frisör-Beruf, Heilpraktiker-Beruf, Craniosacraltherapie-Ausbildung und schamanische Ausbildung durch die Foundation for Shamanic Studies bei
Michael Harner, Paul und Roswitha Uccusic, Tom Cowan (Seminare, Dreijahresprogramm, Ausbildung zur schamanischen Beraterin nach Michael Harner, Fairy Doctoring). Seit ein paar Jahren gemeinsame Praxis mit ihrem Mann in Berlin-Prenzlauer Berg. www.katja-neumann.de
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Kommentare
Weibliche Spiritualität lässt sich in ländlichen Gebieten nach meiner Erfahrung nach kaum ausleben, weil der Mensch dort noch nicht so weit ist, diese zu akzeptieren. Der normale Mensch kann die Toleranz nicht entwickeln, er lebt gegensätzlich und entzieht sich das Licht, das ins spirituelle Erwachen führt. Wenn man mit der eigenen spirituellen Kraft leben will kann man es sich nicht leisten, sich darauf einzulassen, ohne die vitalen Kräfte zu verlieren. Deshalb ist eine Großstadt wie Berlin, in der kaum jemand auffällt, für das Sein, das den Ursprung in der Urreligion der Großen Göttin findet, besonders gut geeignet.
Viele Grüße
Marga
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