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Wer bin ich?

Artikel - Spiritualität/Mystik

Wer bin ich?
© Gerd Altmann pixelio.de

Erleuchtung taugt nicht für den Alltag

Der Berliner Heilpraktiker Oliver Peter Lohse hatte 1998 ein einschneidendes spirituelles Erleuchtungserlebnis. Dabei kommt er zu der paradoxen Erkenntnis: Erleuchtung taugt nicht zum Lösen alltäglicher Probleme. Darum löst sie unsere Probleme...

Bei der Suche nach der Antwort auf die Frage »Wer bin ich?«, bekommt man niemals eine Formel, die in Worte gefasst werden könnte. Nicht einmal eine Antwort ist möglich. Denn jede Antwort müsste mit Begriffen und Objekten arbeiten. Begriffe und Objekte, sind begrenzt und endlich und kommen deswegen als Lösung nicht in Frage. Statt dessen findet irgendwann, früher oder später, die Loslösen von diesen begrenzten und endlichen Begriffen, Objekten und Konstruktionen statt. Das führt in eine Art Schwebezustand, wo die Frage nach dem »Wer bin ich?« noch existiert, aber auf eine gedankliche Antwort verzichtet wird.

Dann führt der Weg irgendwann weiter in die Untersuchung der Frage »Wer bin ich?«. »Wer bin ich?«, besteht aus drei endlichen, geistigen Konstruktionen. »Wer«, das ist die Vorstellung einer Person die unbekannt ist. »Bin«, das ist die Vorstellung dass da etwas, ein Objekt, existiert. »Ich«, das ist die Vorstellung eines Beobachters, einer Person, die bekannt ist. Diese Dreierkombination lässt sich unendlich lange in verschiedenen Blickwinkeln zueinander betrachten (z.B. »ich bin wer.«, »bin wer ich?«). Leicht kann ein ganzes Leben damit verbracht werden mit diesen Dreien immer wieder neu zu würfeln. Zu einer Lösung führt das nicht.

Die Frage »Wer bin ich?« ist nicht nur nicht beantwortbar, sie existiert überhaupt nicht

Leere

Dann irgendwann, bildet sich das Bewusstsein dafür, dass das »Wer bin ich?« an sich leer ist. Auf einmal wird klar, dass weder »wer«, noch »bin«, noch »ich« zu ihrem Ursprung zurückverfolgt werden können. Alle drei sind blanke Theorie, Abstraktion. Sie sind eine Mutmaßung, dass da etwas ist, wo tatsächlich nie etwas sein kann. Die Frage »Wer bin ich?« ist nicht nur nicht beantwortbar, sie existiert überhaupt nicht. Das, was da als Folge der Identifikation mit »Wer bin ich« irrtümlicherweise für existierend gehalten wird, nenne ich später in diesem Text: »Ego«. Der Geist bildet innerhalb des Bewusstseins so etwas wie ein verzerrtes Spiegelbild, indem er, ähnlich wie in einem Kaleidoskop, Fragmente der sinnlichen Wahrnehmungen willkürlich neu miteinander in Beziehung setzt. Eine der unendlich vielen, willkürlichen Kombinationen dieser Verzerrungen ist, »Wer bin ich?«.

Wenn »Wer bin ich?« als Täuschung entlarvt wird, trifft das Bewusstsein auf einen von sich selbst befreiten Geist. Da, wo früher »wer«, »ich« und »bin« waren und Form, Raum und Begrenzung erschufen, findet jetzt die Erfahrung von Leere statt. Wenn »wer«, »ich« und »bin«, sich nicht mehr in die sinnlichen Wahrnehmungen einmischen, verändert sich der Blick auf die Welt. Nun, da die Welt von einer Person die sie erlebt befreit ist, wird deutlich wie die selbe, unendliche Leere in jeder sinnlichen Erfahrung steckt.

Wer bin ich
© Aka pixelio.de

Ego, Geist und Welt

Ego, Geist und Welt sind alle ihrer inneren Essenz nach leer. Auch mit diesen Dreien lassen sich unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten bilden. Da es aus der ursprünglichen Leere heraus keine Ursache für etwas anderes gibt, geschehen diese unendlichen Kombinationen spontan, grundlos und ewig. Leere ist sich selbst genug. Sie kennt keine Begrenzung und kein Anfang oder Ende. Das ist die Natur der Realität.

Ego, Geist und Welt können niemals enden. Sie sind Erscheinungen in Leere. Sie existieren gar nicht. Sie sind der Leere natürlich innewohnende Qualitäten. Sie sind unendlich, ewig und leer. Weil Ego, Geist und Welt als Ausdrucksformen der Leere unendlich und ewig sind gibt es auch keinen Zustand der frei davon ist. Ego, Geist und Welt können nicht überwunden werden, sie können nicht geleert werden, weil sie bereits vollkommen leer sind. Der erleuchtete und erlöste Zustand besteht darin, sich dieser leeren Qualität der Erscheinungen bewusst zu sein. Dann ist keine Veränderung und kein Widerstand mehr nötig.

Das Ende des Widerstands

Mit dem Ende des Widerstandes gegen die Erscheinungen der Welt treten deren dualistische Eigenschaften weiterhin auf. Im Gegenteil, sie werden jetzt scheinbar noch intensiver erlebt. Bäume bleiben Bäume, Gedanken bleiben Gedanken, ein Arm bleibt ein Arm (er bleibt sogar mein Arm) und dürfen nun erst sein was sie sind. Das geschieht, weil die Motivation die Welt zu überwinden gemeinsam mit dem Glauben an »Wer bin ich?« verschwunden ist. Denn alle Objekte der Welt, wozu auch Gedanken und Gefühle zählen, sind ja ihrer wahren Natur nach leer.

Das führt zum Paradox, dass der erleuchtete Mensch, obwohl er frei von der Welt ist, jetzt sogar ganz besonders von ihr betroffen wird, da er den Widerstand gegen begrenzt sein aufgegeben hat. Glück und Leid, Schmerz und Befriedigung, Freude und Hass, Angst und Liebe treten jetzt immer klarer und ungefilterter ins Bewusstsein. Gleichzeitig können sich die dualistischen, begrenzten Sichtweisen jetzt verwandeln. Jetzt, wo sie nicht mehr gesucht wird, tritt die langersehnte Verwandlung der negativen (so definiert, weil lebensverneinend) Gefühle und Verhaltensweisen in positive (weil lebensbejahend) ein. Anders ausgedrückt, werden die begrenzten und begrenzenden Reflektionen des Geistes auf die Welt durch die Anwesenheit der Leere verwandelt in solche, die sich an der unendlichen Natur der Welt ausrichten.

Wandlung

Indem beispielsweise Angst widerstandslos auftreten kann, löst sie sich auf und wird dabei spontan abgelöst von Freude und Dankbarkeit. Weil da niemand versucht Verlangen aus dem Wege zu gehen (in dem Verlangen entweder gestillt oder unterdrückt wird), wird es erst quälend stark und verwandelt sich spontan in Heiterkeit, Entspannung und Freundlichkeit. Widerstandslos erlebter Zorn führt zu Freude. Vorausgesetzt dabei, der Zorn wird nicht gegen andere Lebewesen gerichtet (und somit zu Hass), da unser Gewissen (Ge-wissen, ebenfalls eine Qualität von Leere) aus dieser Handlung Schuld erschafft. Schuld wiederum, die widerstandslos erlebt wird, verwandelt sich in Gnade, da das nun wieder durchbrechende Wissen um die Leerheit von Täter, Tat und Opfer alle wieder erlöst.

Erleuchtung ist nicht das Endziel

Es entsteht also jetzt tatsächlich ein besserer, geläuterter Mensch. Rechtes Handeln hat nichts mehr mit Moral zu tun, sondern mit Weisheit. Keine Autoritäten quälen mehr mit Gedanken und Vorschriften. Statt dessen entscheidet der Mensch immer mehr wie es seiner Natur entspricht. Erleuchtung taugt nicht zum Lösen alltäglicher Probleme. Darum löst sie unsere Probleme. Erleuchtung macht uns nicht zu besseren Menschen. Deswegen kann sie uns zu besseren Menschen machen. Besser im Sinne von weiser, glücklicher, lebensfähiger. Erleuchtung ist nicht das Endziel. Wenn Erleuchtung zum Selbstzweck wird, ist sie wieder verloren. Erleuchtung ist die Zwischenstation auf dem unendlichen Weg des Bewusstseins zu sich selbst.

Oliver Lohse

Wie kann man Erleuchtungserlebnisse für den Alltag nutzen? Wir laden unsere Leser zur Diskussion ein...



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Kommentare  

 
0 # Marianne 2011-05-21 10:08
Hallo Oliver und Mit-Lesende!

Nachdem uns die Connection-Online-Redaktion so freundlich zur Diskussion einlädt, mache ich mal den Anfang.

Für mich ist "Erleuchtung" erst mal ein Konzept, über dessen Nutzen ich mir nicht besonders schlüssig bin. Mir scheint damit mehr Missbrauch getrieben zu werden, als dass dabei Gutes entsteht. Außerdem scheint mir jeder "Erleuchtete" darunter etwas anderes - Subjektives - zu verstehen.

Nachdem ich im christlichen Abendland aufgewachsen bin, spreche ich lieber von "mystischen Erfahrungen", das klingt nicht so absolut und beinhaltet auch den subjektiven Charakter.

Ja, wozu sind sie gut? Man könnte sagen, in bestimmten persönlichen Entwicklungen tauchen sie einfach auf - dann weiß ich, dass ich auf dem Weg bin. Wenn ich sie festschreibe, indem ich mich damit identifiziere, entsteht eine Blockade, die Entwicklung bleibt stehen.

Insofern kann ich dem Paradoxon voll zustimmen: Wer die Erleuchtung hat, hat sie nicht.

Wenn wir solche Erfahrungen als Einladung begreifen, eigene Leid-Kreisläufe zu beenden, dann fügen wir auch anderen und der Welt weniger Leid zu - da denke ich buddhistisch.

Gruß
Marianne
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0 # Oliver 2011-05-26 00:52
Hallo Marianne.
\'Erleuchtung\', ja das ist einfach nur ein Wort. Jeder Mensch versteht darunter etwas anderes und als Archimedes in der Badewanne sein \'Heureka\' rief könnte man das z.B. auch als Erleuchtung bezeichnen.
Erleuchtung als blitzartiges Einschiessen von Erkenntnis ist somit nicht mal als das eingrenzbar was man im spirituellen Sinne darunter verstehen könnte.
Aber die meisten hier werden sich wahrscheinlich einig sein, dass \'Erleuchtung\' eine echte Lösung der Frage \'Wer bin ich\' bieten muss.
Wenn wir davon ausgehen, dann gibt es sie, \'die\' Erleuchtung.
Wenn Identifizierung mit Objekten, Gedanken und Emotionen endet, löst sich die Verwirrung um die Frage \'wer ich bin\'.
Dann ist sie eindeutig, klar beantwort, unmissverständl ich und lächerlich einfach.
\'Erleuchtung\' IST subjektiv. Sie ist unmöglich objektivierbar. Das Wort \'Erleuchtung\' trägt keine Wahrheit in sich, es ist eine Erfindung. Für den, der dafür reif ist, kann dieses Wort aber die Sehnsucht nach dem endgültigen Ende der Verwirrung symbolisieren. Es geht so jemandem nicht um das Wort, nicht um irgendeine Form, sondern um das Ende von Form und Begrenzung. Diese Selbsterkenntni s hat derjenige spätestens dann, wenn klar wird, dass er mit der \'Erleuchtung\' schon wieder ein Phantom gejagt hat.
Wenn vorher alles was wichtig war, hinter der \'Erleuchtung\' zurücktreten musste, kann nun auch die \'Erleuchtung\' als leere Worthülse losgelassen werden.

Problematisch kann sein, dass für niemanden der auf der Suche ist, ersichtlich ist, wann er jemanden vor sich hat, der an seine eigenen Worthülsen glaubt, oder jemandem der Worte spricht und dabei weiss, dass sie keinen tieferen Sinn beinhalten als ihren Klang und ihre Form.
Es kann Klarheit schaffen, mit so jemandem zu tun zu haben. Aber auch nicht zwangsweise.

Es gibt sie also schon, die wahre Erleuchtung. Und man kann sie gewissermassen haben. Sie ist aber weder vermittelbar, beweisbar, noch zu irgendwas zu gebrauchen.
Niemand wird es Dir ansehen wenn Du sie erreicht hast. Niemand wird daran interessiert sein. Niemand wird es verstehen. Niemand wird Dich dafür loben. Die Arbeit die Du verrichtest ist immer noch genauso schwer. Dein Lieblingsessen ist immer noch genauso lecker.

Aber wenn Du Dich dann doch wieder mal für besonders wichtig, besonders bedauerlich, besonders schön gehalten hast und dann wieder in diese bescheiden Stille eintauchst...dann hast Du was zu lachen. Und dieses Lachen, ist wertvoller und besser als alles was es zu besitzen gibt.
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0 # Marianne 2011-05-28 09:20
Im ZEN-Buddhismus wird die Erleuchtungs-Erfahrung \"Satori\" genannt. Ich möchte zur Fortsetzung des Gesprächs mal den japanischen ZEN-Roshi Kodo Sawaki zitieren:

»Satori« ist wie ein Dieb, der in ein leeres Haus einbricht. Er bricht ein, doch da gibt es nichts zu klauen. Kein Grund zu fliehen. Niemand, der ihn jagt. Deshalb ist da auch nichts, was zufrieden stellen würde.

aus: Kodo Sawaki »An Dich«. Angkor; Veränd. Aufl. (3. Juni 2005)

Quelle: antaiji.dogen-zen.de/deu/andich.shtml
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0 # Oliver 2011-10-27 21:26
Lose eingefügt, ein Brief den ich kürzlich an einen Patienten schrieb.



Lieber ....

Jetzt bist Du schon bei so vielen Therapeuten gewesen-und alle erzählen Dir das Gleiche.

Na so ein Zufall aber auch. Ich muss schmunzeln während ich das schreibe.

Gesund und glücklich zu leben, Mario, ist eine Kunst. Künstler sein bedeutet sich stetig weiter zu entwickeln. Man ist niemals fertig. Eine Kunst gemeistert haben, also Meister zu sein, bedeutet, mit den Anforderungen des Weges der sich einem stetig präsentiert immer wieder neu umzugehen, sich immer neu anzupassen, niemals völlig davon überzeugt zu sein schon alles zu wissen. Jede neu gelernte Kleinigkeit mag das bisher gelernte in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Der Meister weiss, dass er jederzeit bereit sein muss zu akzeptieren, dass er die ganze Zeit die Erde für eine Scheibe gehalten hat, wo sie doch die ganze Zeit eine Kugel gewesen ist. Er weiss nie, wann der Weg als nächstes sein Antlitz völlig wandelt. Aber er weiss, dass der Weg sich wandeln wird. Das ist die Natur des Weges. Er weiss, dass das was jetzt scheinbar wahr ist, irgendwann nicht mehr wahr scheinen wird. Er weiss, dass das was heute sein Dasein bestimmt, irgendwann bedeutungslos sein wird.

Das ist das Stetige am Meister sein. Sich dem Weg fügen. Sich vom Leben biegen lassen. Weder das Wort \'Meister\' noch sich selbst ernst nehmend. Aber gerade deswegen liebevoll und freundlich mit sich und der Welt.

Ein Meister wird niemals zu der Überzeugung kommen dass etwas \'so ist\'. Alles was ist, \'scheint\' irgendwie zu sein und das ist alles was darüber mit Sicherheit ausgesagt werden kann. Er sieht seinen eigenen ständigen Irrtum (sieh das Wort: Irren, Irre) und wird bescheiden, freundlich und heiter. Er sieht das Irre in sich und allen anderen und das macht alles sehr liebenswert.

Es geht darum auch keine Zeit damit verloren sich mit etwas zu beschäftigen was scheinbar keinen Nutzen bringt. Nutzen ist ein Konzept das dem Irrtum entspringt, dass es so etwas wie einen Nicht-Irrtum geben könnte. Und es damit auch so etwas wie Nicht-Nutzen gäbe. Ein Weiser kann sein ganzes Leben damit verbringen einen einzelnen Stein zu betrachten und sagt ihm einer er ist irre, dann lacht er herzlich. Das weiss er schon längst. Aber weiss es der andere?

Weder Nützlichkeit noch Nutzlosigkeit sind beständige Werte. Der Geist projeziert diese Qualitäten auf Erscheinungen die er wahr nimmt. Auch ohne diese wertende Projektionen bleiben die Dinge bestehen als das was sie sind.

Aus dieser Geduld heraus, haben weise Menschen Sichtweisen geprägt, die sich nur so durchsetzen konnten, weil sie durchdrungen waren von einem meditativen Geist. Einem Geist, der die Dinge schaut wie sie wirklich sind. Die Dinge sind \'Schein\'. Ohne Hast, ohne Wunsch einzugreifen, aus reiner absichtsloser Achtsamkeit heraus entstanden subtile Kunstwerke, wundersame Heilungen, erleuchtende Schriften und ungewöhnliche Fähigkeiten.

Welchen Nutzen hat es, dass ein Kung Fu Meister sich wieder und wieder die gleichen Bewegungen vergegenwärtigt , ein ganzes Leben lang?

Keinen. Es entspringt einfach der Natur des erleuchteten Geistes sich tief auf etwas einzulassen.

Zweifel, Widerstand, Angst...ein Meister verschwendet seine Kraft nicht darauf sich gegen den Weg zu ehren. Er lässt sich ganz auf seinen Stein ein, lässt sich ganz fahren und nimmt an was immer auch kommen mag. Und der Stein wird neu, in jedem Augenblick ist es ein anderer Stein, in jedem Augenblick ist das was vorher war mit dem was danach kommt überhaupt nicht zu vergleichen. Nur der Irre nimmt diese Veränderungen nicht wahr und fragt was das bringen soll.

Was gibt es in einer scheinbaren Welt zu verlieren, ausser dem, alles nur halb getan zu haben, nur den Zeh ins Wasser gesteckt zu haben statt sich völlig dem Fluss hinzugeben?

..., Du probierst vieles aus und auch das ist völlig in Ordnung. Du könntest zu einem Meister im Herumprobieren werden. Wieso nicht?

Du könntest zu einem Meister des Zweifelns werden. Warum nicht? Vervollkommne das! Zweifle den Zweifel an! Probiere es aus immer nur zu probieren! Du denkst, Du weisst wo irgendwas hinführt und deswegen machst du es nur halb. Nein, höre nicht mehr auf das Denken. Lass Dich ein, auf was auch immer. Sei selbst kurz vor dem Ziel bereit für die völlig neue Einsicht. Sei in jedem Moment und durch jede Begebenheit bereit für die völlige Erleuchtung. Werde eins mit dem was Du tust.

Solange das nicht der Fall ist, wird Dir der eine Therapeut sagen er könne Dich nicht behandeln. Und der andere wird Dir sagen, du musst einfach weitermachen, dranbleiben, voranschreiten. Beides ist richtig.

Es hängt wirklich nur an Dir. Keiner trägt die Verantwortung dafür ob Du mit dem was du tust viel bewegst oder wenig. Nur Deine Bereitschaft Lebensenergie zu investieren und dich hinzugeben spielen eine Rolle.

Die Methode ist zweitrangig, wenn der Fokus fest und stabil ist. Ist er es nicht, ist die Methode und deren Ergebnis genauso wacklig.

Der Therapeut mag ein Schwachkopf sein. Ist der Patient ein Weiser, werden sie erfolgreich sein.

Wenn Du das Risiko eingehst in dem aufzugehen was du gerade tust, kannst Du nicht verlieren. Dinge können sich wandeln, ja. Aber das werden sie so wie so.

Lange Rede, kurzer Sinn:
Ich werde Dir nicht sagen ob Du weiter zu mir kommen sollst oder nicht, lieber ....
Warum sollte ich?
Lieber wünsche ich Dir Zuversicht, Heiterkeit und viel Mut.


Herzlichen Gruss

Oliver
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0 # Elisabeth Marichal 2012-01-01 09:17
zitiere Marianne:
Hallo Oliver und Mit-Lesende!

Nachdem uns die Connection-Online-Redaktion so freundlich zur Diskussion einlädt, mache ich mal den Anfang.

Für mich ist "Erleuchtung" erst mal ein Konzept, über dessen Nutzen ich mir nicht besonders schlüssig bin.

Erleuchtung an sich ist kein Konzept, doch wurde sie zu einem Konzept gemacht in dem sich gewisse Vorstellungen von Erleuchtung gemacht werden. Doch Erleuchtung unterliegt weder Vorstellungen noch Konzepten und lässt sich auch nicht in eine Korsett pressen, denn dann wäre es keine Erleuchtung. Erst wenn Erleuchtung geschehen ist wird erkannt was das überhaupt ist. Erleuchtung ist eine Gnade an sich Selbst im man Barmherzig gegenüber sich Selbst ist. Das kann niemals einem Konzept unterliegen denn diese Barmherzigkeit kann nur individuell für jeden Selbst sein.
zitiere Marianne:
Mir scheint damit mehr Missbrauch getrieben zu werden, als dass dabei Gutes entsteht. Außerdem scheint mir jeder "Erleuchtete" darunter etwas anderes - Subjektives - zu verstehen.

Missbrauch wird da im gewissen Sinne tatsächlich mit getrieben doch in einem gewissen Sinne hat aLles einen Sinn. Wahre Erleuchtung jedoch ist immer gleich. Es wird jedoch vieles als Erleuchtung deeklariert das gar keine ist sondern eine einfache Einsicht bei der keine komplette Tranformation des Alltagsbewussts ein ins allumfassende , göttliche Bewusstsein geschieht. Dabei durch den Tod des Egos die Dualität im Geiste verlassen.
zitiere Marianne:
Nachdem ich im christlichen Abendland aufgewachsen bin, spreche ich lieber von "mystischen Erfahrungen", das klingt nicht so absolut und beinhaltet auch den subjektiven Charakter.

Es gibt viele mystische Erfahrungen die gewisse Einsichten gewähren, doch sie sind nicht durchgreifend im Bewusstsein und werden dan oft überbwertet. Die Erleuchtung als mystische Erfahrung ist nicht mehr rückgängig zu machen auch wenn man wollte, doch da ist kein Wille mehr etwas zu wollen. Es wird sich komplett der geistigen Führung durch sich Selbst überlassen.
zitiere Marianne:
Ja, wozu sind sie gut? Man könnte sagen, in bestimmten persönlichen Entwicklungen tauchen sie einfach auf - dann weiß ich, dass ich auf dem Weg bin. Wenn ich sie festschreibe, indem ich mich damit identifiziere, entsteht eine Blockade, die Entwicklung bleibt stehen.

Bei Erleuchtung hört jede Identifikation auf, selbst mit diesem Erlebnis der Erleuchtung da erkannt wird das das was da in Erscheinung tritt schon immer ist. Das alles ist ganz schwer in Worte zu fassen, da es unbeschreibbar ist.
zitiere Marianne:
Insofern kann ich dem Paradoxon voll zustimmen: Wer die Erleuchtung hat, hat sie nicht.

Das kann nur das Ego sagen das sie gerne hätte jedoch nicht erreichen kann. Jeder Wunsch Erleuchtet zu werden ist eine Blockade die genau das dann verhindert. Erleuchtung ist völlige Hingabe an sich Selbst und ist die Loslösung von äuseren Dingen die einen von sich Selbst wegziehen.
zitiere Marianne:
Wenn wir solche Erfahrungen als Einladung begreifen, eigene Leid-Kreisläufe zu beenden, dann fügen wir auch anderen und der Welt weniger Leid zu - da denke ich buddhistisch.

Gruß
Marianne

Das Leiden und die aus dem Leiden entstehenden Ängste werden tatsächlich Komplett beendet und das innere Himmelreich ist da. ist das innere Himmelreich da dann wird erkannt das es schon immer da war doch einfach durch zuviel aufegladenen Ballast einfach nicht wahrgenommen werden konnte.

In Liebe und Frieden Elisabeth
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0 # Marianne 2012-01-07 19:02
zitiere Elisabeth Marichal:
zitiere Marianne:
Insofern kann ich dem Paradoxon voll zustimmen: Wer die Erleuchtung hat, hat sie nicht.


Das kann nur das Ego sagen das sie gerne hätte jedoch nicht erreichen kann. Jeder Wunsch Erleuchtet zu werden ist eine Blockade die genau das dann verhindert.


Nein, da muss ich Dich enttäuschen, Elisabeth: Ich wollte nie erleuchtet werden und will es auch jetzt nicht.

Ich möchte eigentlich nur in größtmöglicher Achtsamkeit und Gegenwärtigkeit und in stimmiger, herzoffener Resonanz mit meinen Mitmenschen und meiner Umwelt leben.

Schön, dass du mit Dir so in Frieden bist!

Mit herzlichem Gruß

Marianne
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