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Die Lenkung der Aufmerksamkeit

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Die Freiheit des Geistes
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Die Freiheit des Geistes

Die Welt ist ein Gewebe miteinander verflochtener Bedingtheiten, und inmitten von alledem stehen wir, du und ich  Menschen. Wo ist da noch Freiheit? Das Freieste, was wir haben, ist die Fähigkeit, unsere Aufmerksamkeit zu lenken. Nichts in uns ist schneller und quicklebendiger als das, und die kreativen Möglichkeiten, die sich aus dieser Freiheit ergeben, sind enorm

Sind wir frei? Der Geist ist frei, nur der Körper ist gefangen, so dachten viele Menschen über die Jahrhunderte. Man sieht es doch, in wie vielen Abhängigkeiten wir stehen: in ökonomischen, politischen, familiären, sogar die Ernährung bestimmt uns (»du bist, was du isst«). Was bleibt da noch an Freiheit? Die Gedanken aber sind frei, heißt es in dem alten deutschen Volkslied, das besonders in Zeiten politischer Unterdrückung und des Aufbegehrens tiefer Sehnsucht nach Freiheit bei uns gesungen wurde.
Gedanken aber unterliegen der kulturellen Prägung und der Sprache, in der wir sie formulieren, was beides sehr enge Begrenzungen sein können und meist auch sind. Viel freier als die Gedanken ist etwas noch viel Grundlegenderes als unsere Fähigkeit zu denken, und das ist unsere Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu lenken. Wenn ich meine Augen fest auf einen Punkt im Raum richte, kann ich, ohne die Augen zu bewegen, meine Aufmerksamkeit im Gesichtsfeld sich bewegen lassen, sie auf bestimmte Objekte fixieren und wieder davon lösen. Und nicht nur im Gesichtsfeld! Ich kann sie auch auf Geräusche richten, auf Körperteile, auf Riech- oder Schmeckbares oder auf Wärmeempfindungen. Und ebenso auf meine Innenwelt, die Erinnerungen, Gedanken, Fantasien. Diese Leichtigkeit und Freiheit in der Bewegung erscheint mir wie ein Wunder, über das ich nicht aufhören kann zu staunen; dabei ist es doch eine ganz natürliche Fähigkeit meiner Wahrnehmungsorgane und des Gehirns. Auch Tiere können es, aber wir Menschen können es besonders gut.

»Magische« Veränderungen

Das, was auf Englisch attention, auf deutsch Aufmerksamkeit genannt wird, ist zudem ein magisches Werkzeug, denn das Objekt meiner Aufmerksamkeit ändert sich in vielen Fällen allein schon dadurch, dass ich meine Aufmerksamkeit darauf lenke. Kalte Füße können sich erwärmen, wenn ich »an sie denke« und dort verweile, und mein Atem wird ruhiger, wenn ich in einer Stresssituation meine Aufmerksamkeit dort hinlenke. Auch wenn ich mit jemandem gestritten habe und dann liebevolle Gedanken dort hinlenke, verändert das  nicht diese Person, aber mich, und wenn ich mit der Person in Beziehung stehe, durch mich uns beide.

Die Basis von solchen scheinbar magischen Veränderungen ist die Fähigkeit, überhaupt Aufmerksamkeit lenken zu können. Ohne irgendetwas von außen Sichtbares zu ändern, kann ich meinen Geist wandern lassen  zu allem, was ich von der Außenwelt kenne oder mir vorstelle und zu allem, was ich von meiner Innenwelt wahrnehme. Ich weiß es längst, dass das geht, aber es direkt auszuprobieren, jetzt, während ich dies schreibe, bringt mich erneut zum Staunen. Und zum Üben! Wieder und wieder experimentiere ich damit  lenke meinen Geist etwa zu dem, was ich sehe, dann zu dem, was ich höre  ah, Geräusche! Jetzt! Nichts bleibt gleich, alles ist ständig in Bewegung. Dann zu dem Stuhl, auf dem ich sitze, den taktilen Wahrnehmungen: mein Po, mein Rücken, die Hände an der Tastatur ... Meine Aufmerksamkeit zu lenken und ihre Lenkbarkeit zu untersuchen, finde ich meist viel spannender als Fernsehen oder das Lesen eines Buchs. Wenn ich in der U-Bahn sitze, beobachte ich die Leute und finde das unendlich spannend. Ich kann aber auch die Augen schließen und meinen eigenen Geist beobachten, wie er sich bewegt, das ist ebenso spannend. Ein Universum an Möglichkeiten öffnet sich da.

Die Freiheit des Geistes
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Sinnlichkeit

Meist wird unsere Aufmerksamkeit von äußeren oder von inneren Reizen gelenkt. Wir haben keine Gedanken, sondern die Gedanken »haben uns«. Ebenso die Sinnesreize. Sie steuern uns, aber auch Erinnerungen tun das und all die anderen kleinen Schocks und Ereignisse des täglichen Lebens. Jahrtausende lang wurde Sinnlichkeit religiösen Menschen als etwas Gefährliches präsentiert, das sie von ihrem Weg in die Innerlichkeit, zu Gott oder zur Meditation und Kontemplation würde abhalten können. Es gibt aber keinen Grund, die von außen kommenden Reize für die gefährlicheren, mehr auf Abwege führenden zu halten, das können Innenreize wie Erinnerungen oder Fantasien ebenso. Innere Abwege sind das Grübeln und die tausend Varianten der Depression und des Pessimismus, äußere sind Süchte wie die nach Alkohol, Essen, Sex oder Computerspielen. Schlimm sind in beiden Fällen nicht die Reize  die machen doch »den Reiz« des Lebens aus  sondern die Anhaftung an sie, das heißt die Fälle, wo die Aufmerksamkeit sich vom Objekt nicht mehr lösen kann, wo sie »anhaftet«. Aufmerksamkeit ist jedoch willentlich steuerbar, das ist die Essenz unserer menschlichen, geistigen Freiheit. Wir können sie in unseren Innen- und Außenwelten hinwenden, wo wir wollen, und in dieser Freiheit wurzelt die Kreativität.

Kreativität

Kreativ sein heißt, aus eingefahrenen Mustern ausbrechen und etwas Neues erschaffen. Das geht nur, wenn man den Autopiloten abschaltet und sich selbst ans Steuer setzt, und zwar zuerst ans Steuer der Lenkung der eigenen Aufmerksamkeit. Um wahrzunehmen! Dann erst kann man steuern. Und dann, bei solcher Wachheit, geschieht das Neue fast von selbst. Ein schlafender Geist muss sich anstrengen, um kreativ zu sein. Ein wacher Geist hingegen muss sich anstrengen, um nervtötend stereotyp zu sein  für ihn ist es leichter eigenartig, kreativ, einfallsreich zu sein und jeden Moment neu. Deshalb genügt es, wach zu werden, die Sinne zu öffnen und mit der Lenkung der Aufmerksamkeit zu spielen, um die Kreativität explodieren zu lassen. Wachwerden und Geist und Hände wirbeln zu lassen, das ist er erste Schritt. Sich damit zu zeigen ist der zweite, und der ist ein sozialer Akt. Dieser Schritt braucht Mut, aber auch für diesen Schritt ist Aufmerksamkeit eine gute Grundlage.

Schnelles Gehirn

Viel freier als unsere Gedanken ist unsere Fähigkeit, die Aufmerksamkeit zu lenken

Was passiert eigentlich in unserem Gehirn, wenn wir unsere Aufmerksamkeit lenken? Der materielle Aspekt dieser Bewegung ist, dass sich dabei Synapsen verknüpfen, das sind die Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen. Ähnlich wie bei einem elektronischen Netzwerk ist deren Vernetzung und Verknüpfung in unserem Gehirn entscheidend für die Leistung des ganzen Systems. Immer genauer wird das heute erforscht. Neulich las ich, dass Gehirnforscher am tomografischen Hirnscan erkennen könnten, an was ein Mensch gerade denkt (Quelle: Science, Bd. 320, 2008). Es gibt also ein physisches Korrelat zu dem, was wir geistig oder emotional gerade erleben. Dachte ich mir doch. Trotzdem bleibt mir, dem geistigen Wesen, diesem Ich (dem sicherlich auch ein materielles Substrat entspricht, da werden die Forscher schon noch drauf kommen) die Fähigkeit zu steuern und zu lenken: die Freiheit, meine Aufmerksamkeit in meinem Wahrnehmungsfeld spazieren gehen zu lassen oder auch im Reservoir meiner Erinnerungen oder meines Wissens, und zwar in Sekundenbruchteilen. Schneller als das Licht vom Mond zur Erde rast, erreichen meine Gedanken den Mars  genauer: die Stelle in meinem Gedächtnis, wo das Wissen vom Mars gespeichert ist.

»Die Energie folgt der Aufmerksamkeit«

Ich kann meine Aufmerksamkeit auf die Birke vor meinem Fenster lenken, ohne dass ich zu der Birke einen Gedanken hätte. Nur meine Aufmerksamkeit ist dort, kein Gedanke! Meine »Energie« ist dort würde ein Esoteriker sagen. Genau genommen ist die aber nicht bei der Birke, sondern bei dem Bild von der Birke, das ich in mir habe. Die Unterscheidung zwischen Außen- und Innenwelt ist jedoch nicht gerade die Stärke der Esoterik. Für sie ist »alles eins«. Ja, richtig, alles ist eins, und dennoch gibt es den Unterschied zwischen Außen- und Innenwelt. Wer den verwischt, riskiert, bald von den Leuten mit den weißen Kitteln betreut zu werden. Der Unterschied zwischen einem Neurotiker und einem Psychotiker ist nämlich, dass der Neurotiker noch weiß, dass er spinnt, der Psychotiker hingegen weiß es nicht mehr  er kann zwischen einer Wahnvorstellung und der Wahrnehmung von etwas Realem nicht mehr unterscheiden.

Gefährliche Vermanschung

Die Aufmerksamkeit ist jedenfalls etwas, das uns hilft, diese Unterscheidung zu treffen. Das in der Esoterik so beliebte und weit verbreitete Wort »Energie« hingegen vermanscht sie. Wenn es in der Huna-Lehre (und in vielen anderen spirituellen Philosophien ganz ähnlich) so schön heißt »the energy is where the attention is« (Die Energie folgt der Aufmerksamkeit), dann wird die Wahrnehmung von etwas real Vorhandenem (der Außenwelt) und die von etwas Fiktivem (der Innenwelt) vermanscht. So machen es auch die modernen Wunscherfüllungsberater: »Lenke deine Energie auf die erwünschte Situation!«, sagen sie. »Stelle sie dir vor! Sei dort!«, und wenn »deine Energie« dort ist, dann bist du dort ... ja, im Fantasieland. Wie aber macht man, dass aus dieser Fantasie oder Utopie Realität wird? Das lehren diese Leute nicht, sondern da wird behauptet, wenn du »mit deiner Energie« dort bist, dann ziehe dies »magisch« die erwünschte Realität an. Diese vermeintliche Magie ist aber, wenn sie überhaupt glückt, das Ergebnis der hochselektiven Fähigkeiten unseres Gehirns, wozu auch die Fähigkeit zur Verdrängung und Selbsttäuschung gehört.

Der Kekstest ...

Gerade habe ich mir zu diesem Thema einen Glückskeks genommen  mit der linken Hand, versteht sich (und habe ihn gleich verspeist, hmmm, auch solch ein Selbstversuch hat doch sein Gutes). Auf dem im Keks versteckten Zettelchen lese ich: »Bleib gelassen, auch wenn dir etwas nicht passt!« Das passt ja nun wie die Faust aufs Auge (sorry für diesen Brutalo-Vergleich ... ich sollte wohl eher sagen: wie der gefundene Parkplatz zum Wünscheprofi). Wo ich mich doch immer so aufrege über die Wünscherfüllungsverkäufer und deren Augenwischerei! Der Glückskeks hat meine Aufmerksamkeit auf die Momente in meiner Erinnerung gelenkt, wo ich mich tatsächlich darüber erregt habe. Zu jedem anderen Glückskeks würde mir aber ebenso viel Bestätigendes einfallen, da war ich noch nie verlegen. Hätte dort gestanden: »Bleibe weiterhin so gelassen, wie du es immer bist, auch wenn du von Spinnern umgeben bist«, dann hätte ich dafür ebenso viel Bestätigung gefunden, wie bei diesem Spruch, der doch wie die an einen Hitzkopf gerichtete Ermahnung klingt.

... und andere Orakel

So geht es mir übrigens auch mit Tarotkarten und all den anderen Wahrsage-, Orakel- und Typerkennungsmethoden. Ich finde immer etwas, das stimmt, denn das Orakel lenkt meine Aufmerksamkeit. Und wenn es allgemein genug formuliert ist  und das sind alle klugen Orakel  dann sind sie auf jeden und jede Situation anwendbar. Dort steht ja nicht »Besuche deine Großmutter« (beide Großmütter von mir sind schon tot) oder »Investiere dein Vermögen in amerikanische Immobilien-Aktien« (Ich habe kein Vermögen, das ich in Aktien investieren könnte), sondern dort heißt es: »Du wirst heute jemandem begegnen, der für dich sehr bedeutsam ist« oder »Achte diese Woche besonders auf deine Gesundheit« und Ähnliches, das immer wahr und immer irgendwie gut ist.
»Für den, der sie sehen will, gibt es überall Blumen«, sagte der französische Maler Henri Matisse, denn wenn man sie sehen will, stellt man seine Wahrnehmungsfilter auf sie ein, und die lassen dann eben nur noch Blumen durch. Oder freie Parkplätze. Oder, für schwangere Frauen: andere schwangere Frauen und Frauen mit kleinen Kindern.

Verdrängung

Die selektive Wahrnehmung, die uns »magische Momente« des Erkennens beschert, die hilft uns auch beim Verdrängen.

Die selektive Wahrnehmung, die uns solche »magischen Momente« des Erkennens beschert und solche »Geschenke vom Universum« (Eso-Jargon), die hilft uns übrigens auch beim Verdrängen. Das Verdrängen hat in unseren Kreisen keine gute Lobby, denn wir suchen doch nach der Wahrheit und wollen kein Selbstbild mit allzu vielen blinden Flecken. Das Verdrängen aber kann durchaus auch etwas Positives sein. Viele aus dem Krieg heimkehrende Soldaten verdrängen, was sie erlebt haben, und oft ist das ganz gut so, vor allem dann, wenn sie psychisch dem nicht gewachsen sind. In den USA haben sich mehr Vietnam-Veteranen selbst das Leben genommen als dort im Krieg umgekommen sind. Beim jetzigen Irak-Krieg ist es ebenso  schon jetzt, obwohl noch gar nicht alle heimgekommen sind und viele der schon Heimgekommenen das Schlimmste noch vor sich haben. Ich wünsche ihnen, dass ihnen so lange das Verdrängen gelingt, bis sie sich den Erinnerungen stellen können  und uns allen, dass es keine solchen Kriege mehr gibt, nein besser: überhaupt keine Kriege mehr.

Die Macht des Cutters

Unter Filmemachern heißt es, dass ein Film »im Schnitt gemacht« wird. Das heißt der Cutter macht ihn, die von der Regie geführte Kamera bringt nur das Material. »Eigentlich« wird der Film dann erst bei der Auswahl des Materials gemacht, bei der Selektion des Passenden und dem Aneinanderfügen des Ganzen zu einer sinnvollen Story. Das gilt übrigens für Dokumentarfilme, die doch ein hohes Maß an Wahrhaftigkeit beanspruchen, ebenso wie für Spielfilme, die von vorneherein schon zur Fiction zählen. Wenn man bei einem Dokumentarfilm aus dem Fünf- bis Zehnfachen der beabsichtigten Sendezeit schneiden kann, dann ist das schon ganz gut; da hat man eine Menge Material, um daraus das Beste auszusuchen. Bei den Filtern unserer Wahrnehmung und unseres Gedächtnisses aber ist das Verhältnis vom vorhandenen Material zum Wahrgenommenen und im Gedächtnis Aufbewahrten nicht bloß 5:1 oder 10:1 sondern vielleicht 1.000.000.000 : 1. Es gibt eine Milliarde Mal mehr an Wahrnehmbaren, als tatsächlich wahrgenommen und gespeichert wird. Deshalb wird auch hier »der Film im Schnitt gemacht«, hier noch viel mehr, wegen des so viel höheren Faktors zwischen dem zur Verfügung stehenden Material und dem daraus Selektierten. »Film« heißt hier das, was übrig bleibt: zunächst in unserer gegenwärtigen Wahrnehmung, und dann nach der Filterung durch das Sieb unseres Gedächtnisses im Langzeitgedächtnis. So entstehen unser Weltbild und unser Selbstbild: Es wird im Schnitt gemacht.

Zauberkunst

Als mir vor einiger Zeit klar wurde, wie sehr die Kunst des Zauberns eine Kunst der Lenkung der Aufmerksamkeit des wahrnehmenden Publikums ist, schlug ich der Zeitschrift »Magische Welt« einen Abotausch vor. Der wurde abgelehnt. Warum? connection sei eine esoterische Zeitschrift, und mit Esoterik will man als seriöser Zauberer nichts zu tun haben. Die Meinung dort ist: Esoteriker tun so, als sei das Zaubern etwas Übernatürliches, das heißt, sie tricksen und belügen ihr Publikum, während seriöse Zauberer so ehrlich sind zuzugeben, dass sie neben ein bisschen Fingerfertigkeit nichts anderes tun, als in »bezaubernder« Weise die Wahrnehmung ihres Publikums zu lenken. Das ist ja nicht völlig falsch  leider  aber eben auch nicht ganz richtig, denn auch in der Esoterik gibt es Einsichtige, die wissen, was sie tun. Das war ja einst, über die Jahrhunderte  neben der Gefahr durch die mächtigen Kirchen, die in der Esoterik eine Konkurrenz sahen  der Grund, warum Esoterik zum großen Teil eine Geheimwissenschaft war: Die Enthüllung der Hintergründe der Religionen und der geistigen Kräfte wurde für so schockierend gehalten, dass man glaubte, sie dem gemeinen Volk nicht ungefiltert und unvorbereitet sagen zu können.

Macht über die Innenwelten

Das Magische oder scheinbar Magische an der Aufmerksamkeit ist, dass man sie lenken kann und dass dies gewaltige Wirkungen hat. Wo genau gibt es diese Wirkungen? Nicht in der Außenwelt  das ist die große Täuschung der heutigen Pop-Esoterik und ihrer Vorläufer  sondern in der Innenwelt. Man kann durch die Lenkung der Aufmerksamkeit sich selbst verändern und alles das, was direkt und mächtig von der eigenen Identität beeinflussbar ist, zum Beispiel die eigenen Beziehungen. Dazu gehören also Autosuggestion und Hypnose, sich selbst erfüllende (oder behindernde) Prophezeiungen, ebenso wie Rituale des Commitments, die buddhistische Metta-Meditation, Segenswünsche und Flüche, Liebes- und Schadenszauber  alles das hat mit der Lenkung der Aufmerksamkeit zu tun und ist nichts Übernatürliches, sondern psychologisch und systemisch rational erklärbar.

Achtsamkeit

Mit dem eben Gesagten bewegen wir uns noch in der Welt des Machbaren. Homo faber, der Archetyp des Magiers im Tarot, der Macher oder Agent, der Handelnde gewinnt an Macht, wenn er lernt, seine Aufmerksamkeit zu lenken. Es gibt jedoch auch eine Aufmerksamkeit, hinter der kein absichtsvoller (und damit auch kein enttäuschbarer) Macher mehr steht, und das ist das, was Buddhisten die Achtsamkeit nennen, das reine Gewahrsein ohne Ziel. Dieses Bewusstsein verengt sich nicht, wie im Fall der Konzentration, auf ein Objekt, sondern es weitet sich auf alles Wahrnehmbare und führt so in die mystische Erfahrung, bei der der Beobachter mit dem Beobachteten verschmilzt. Anapanasati nannte es der Buddha, Awareness (Wachheit, Gewahrsamkeit), manchmal auch Mindfulness (so v. a. im Theravada-Buddhismus) nennen wir es heute auf Englisch oder Achtsamkeit auf Deutsch. In der heute in trendsettenden Kreisen sehr populären Methode des MBSR (Mindfulness Based Stress Reduction), die in den 70er Jahren von dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn entwickelt wurde, wird diese Methode auch heilerisch angewandt.

Aufmerksamkeit als knappe Ressource

Aufmerksamkeit ist eine begrenzte Ressource – zu viele Waren, zu viele Angebote an Kontakten stehlen uns die Zeit

Achtsamkeit war schon vor Jahrtausenden in vieler Hinsicht gut: für das physische Überleben, für die Beziehungen, für die Gesundheit, für die spirituelle Entwicklung. Heute jedoch, in unserer infogefluteten Zeit, in der eine kaum überschaubare Menge von Reizen um unsere Aufmerksamkeit wirbt, hat das Thema eine neue Dimension gewonnen: Wir müssen uns schützen vor Reizüberflutung. Zu vieles will unsere Aufmerksamkeit, zu viele Waren, zu viele Angebote an Kontakten versuchen, uns die Zeit zu stehlen.

Früher auf dem Dorf, da war »nichts los«. Es gab keine Zeitung und kein Fernsehen, die wichtigsten Informationen tauschte man beim Wasserholen am Dorfbrunnen aus. Heute bekommen wir unsere Mailboxen mit Spam zugeschüttet, die freien Flächen in den Städten sind voller Werbung, es gibt ununterbrochen laufende TV-Bildschirme mit Werbung, sogar in den U-Bahnstation, und die Trikots der Sportler tragen Werbung. Das Angebot an käuflichen Waren, menschlichen Kontakten, Lektüre und Kultgegenständen aller Art ist überwältigend und fordert eine strenge Selektion des Erwünschten. Angesichts dieser Fülle ist unser Leben sehr kurz  die in dieser Lebenszeit vergebbare Aufmerksamkeit ist eine eng begrenzte Ressource, und wir tun gut daran, sie nur für hochrangig prioritäre Werte zu verprassen. Andernfalls tritt der Info- oder Kontakt-Overkill ein, der überforderte Mensch macht die Schotten dicht, legt sich ein dickes Fell zu, ist emotional nicht mehr berührbar oder schließt sich einfach im Zimmer ein, wie so viele Jugendliche in der japanischen Leistungsgesellschaft es tun. Der Bürger in unserer heutigen Gesellschaft ist mit den viel zu vielen Optionen überfordert, und es gibt noch keine politische Partei oder auch nur trendsettende Gruppe, die versucht, diesem Stress entgegen zu steuern. Doch es ist höchste Zeit dafür.

Die Ebene wechseln können

Faszination ist der Vorgang, mit dem unsere Aufmerksamkeit von einem Objekt gefangen genommen wird. Und wir mögen das sogar, diese Geiselnahme, wenn wir sagen, dass ein Roman oder Film uns »fesselt« oder ein bezaubernder Blick uns gefangen hält. Freiheit bedeutet jedoch, sich davon auch wieder lösen zu können. Faszination kann nämlich zu Fanatismus werden, und auch Bindungen an schlechte Gewohnheiten und Süchte wurzeln in solcher Gefangennahme unserer Aufmerksamkeit. Was daraus befreit, ist eine Betrachtung von außen, ein Wechsel des Standpunkts oder der Ebene der Betrachtung. Geist ist die Fähigkeit, die Ebene der Betrachtung wechseln zu können. Noch tiefer geschürft: das Engagement wechseln zu können, die Identifikation, die Identität. Denn so frei wir sind in der Lenkung der Aufmerksamkeit, so frei sind wir prinzipiell auch in dem, was emotional folgt: dem Engagement  und schließlich, bei noch stärkerer Verschmelzung mit dem Objekt: die Freiheit, uns zu identifizieren mit was wir wollen.

Freiheit ist etwas Relatives

Die Aufmerksamkeit kann sich blitzschnell neu ausrichten, so frei ist der Geist. Wer oder was aber steuert diese blitzschnelle Neuausrichtung? Bin ich das? Ist das Gott? Sind es sinnliche Außenreize, die das steuern, oder emotionale Innenreize? Stephen Hawking kann in seinem doch so sehr begrenzten Körper eine neue astrophysikalische Theorie des Universums entwerfen, aber wer in ihm steuert diesen Entwurf? Sein Genie? Sein Ehrgeiz? Das Ehrfurcht gebietende Ausmaß der Möglichkeiten des menschlichen Geistes beantwortet noch längst nicht die Frage, ob wir Marionetten sind, gesteuert von etwas Größerem, oder ob wir uns selbst steuern können.
Ich meine, dass dies eine Frage der Perspektive ist. So wie die Relativitätstheorie feststellt, dass Geschwindigkeit, Energie und Masse nichts Absolutes sind, so ist auch Freiheit nichts Absolutes, sondern etwas, das nur relativ zum Standpunkt gilt. Der Entscheider an der Weiche zwischen zwei Handlungsoptionen ist frei, die eine oder andere zu wählen. Ein bestinformierter Betrachter von außen hingegen kann möglicherweise die Unfreiheit des Handelnden erkennen und das Ergebnis der Entscheidung voraussagen.
Diese Relativität der geistigen Freiheit, diese ihre Abhängigkeit vom Standpunkt des Betrachters nimmt der Quicklebendigkeit, Schnelligkeit und kreativen Macht des menschlichen Geistes nichts von ihrer Größe, sie schränkt sie nur ein  auf den Standpunkt. Bin ich schnell? Das hängt davon ab, wo du stehst. Bin ich frei? Auch das.

 Wolf Schneider

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Kommentare   

 
+1 # Eddy 2011-08-30 08:10
Sehr gut.... hahaha... lese ich mir gleich noch einmal durch...
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