Tantra-Rundbrief Okt. 09 Orgasmus: Lust und Frust
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- Kategorie: Tantra-Newsletter
- Veröffentlicht am Freitag, 16. Oktober 2009 16:33
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Orgasmus – Lust und Frust
Editorial
Liebe und Orgasmus sind zwei getrennte Erfahrungen. Die meisten Orgasmen, ehrlich, haben wenig mit Liebe zu tun. Und die Liebenden? Brauchen sie unbedingt Orgasmen, um lieben zu können? Wie viel Ausdauer, Geduld und mühsame, trockene Zeiten hat eine Liebe nicht schon ertragen, ohne je ein Lustgefühl dabei zu empfinden!?
Und dennoch kann man spüren, dass Liebe und Orgasmus ursprünglich zusammen gehören, dass sie zur inneren Erfüllung nicht wirklich zu trennen sind. Wir könnten auch sagen: Liebe und ein orgastisches Lebensgefühl.
Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sogar meine Freunde reden höre, wie sie diese Trennung zwischen Liebe und Orgasmus, zwischen sexuellen Freuden einerseits und Liebe andererseits aufrecht erhalten. Die Einen sagen: »Sex und Orgasmen, die werden doch maßlos überbewertet! Es kommt auf die Liebe an. Da spielt der Sex nicht so eine große Rolle.« Sie schildern gern Erlebnisse, »die weit über die Sexualität hinaus gehen«. Dabei meinen sie oft die Tugenden einer verbindlichen Liebesbeziehung, wie Verlässlichkeit, Treue, Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Familiensinn. Ich frage mich dennoch: Habt ihr denn schon das Potenzial eurer sexuell-orgastischen Möglichkeiten ausgeschöpft, die unbegrenzten Weiten, in die euch ein Orgasmus führen kann? Kennt ihr denn die kosmische Dimension der Sexualität?
Gehirnforscher weisen uns schon seit langem darauf hin, wie wenig wir das volle Potenzial unseres Gehirns nutzen, wie viele Areale wir einfach ignorieren. Das selbe könnten wir über unsere Herzensqualitäten sagen: Wie viel Potenzial an Tiefe, Liebe, Courage, Mitgefühl und Verschmelzung liegt da noch brach? Und wen kümmert's? Und schon gar kümmert es die Wenigsten, dass unsere körperlichen Potenziale an Lust, an Ekstase, an Orgasmen, ungenutzt dahin gammeln.
Und dann gibt es die Anderen. Sie schildern mir, wie großartig ihre sexuellen und orgastischen Erfahrungen sind, aber Liebe finden sie dabei nicht. Zu unbedeutend, zu vergänglich, zu flüchtig im Lebensganzen erscheinen diese Gipfelerlebnisse des Daseins. Es wird kein erfülltes Leben daraus. Wir können auch Alkohol zur Enthemmung trinken oder andere, »bessere« Drogen nehmen, wir können uns mit Musik volldröhnen, können mal richtig abtanzen. Aber der unglückliche Lebensalltag holt uns wieder ein.
Sollen wir denn überhaupt nach Orgasmen streben? Oder sollen wir sie einfach kommen lassen, wenn sie wollen, oder nicht kommen lassen, wenn sie nicht wollen? Sollen wir etwas dafür tun?
Für Männer wird sich die Frage eher so stellen: Was kann ich dafür tun, damit ich nicht so schnell komme? Natürlich sind wir Männer in der Regel sehr orgasmusfixiert, sehr auf ein Streben, Ankommen und Beenden ausgerichtet. Ist das nicht unsere Natur? Wir sind schnell frustriert, wenn wir nicht zum Abschluss kommen dürfen, oder überhaupt zum anfänglichen Eindringen.
Auch Frauen sind häufig frustriert, wenn sie keinen Orgasmus bekommen. Vielleicht gerade mit ihrem Herzenspartner erleben sie das nicht, was sie früher mit anderen Männern mühelos erreichen konnten, ein mega-geiles, super-orgastisches Abheben? Und setzen den Partner dann unbewusst unter Druck?
Ich will nicht um den heißen Brei herum reden. Es gibt natürlich Begegnungen, wo sofort die Funken sprühen, wo die Körper ineinander schmelzen, wo der Lingam genau die Yoni trifft, die für ihn wohl schon immer bestimmt gewesen schien. Die Größe und Form des Penis begegnet genau der Vagina, die ihm die ideale »Passform« bietet. Das betrifft nicht nur die äußere Form, sondern den energetischen Schlüssel, der für beide Körper passt.
Für eine wachsende Beziehung braucht es in der Regel aber Zeit, bis die verschiedenen Ebenen, die Chakren, miteinander in Resonanz kommen. Herzensliebe bedeutet nicht gleichzeitig, dass auch die »unteren« Energien zusammen schwingen oder die Organe perfekt aufeinander abgestimmt sind. Und umgekehrt ist es auch so: Wenn es »unten« stimmt, muss es »in der Mitte« oder »oben« noch lange nicht passen.
Ich glaube, wir brauchen das richtige Maß zwischen freiem Experimentieren mit der sexuellen Energie, mit dem Kommen-Lassen und auch mit dem Nicht-Kommen-Lassen des Orgasmus, mit entsprechenden Übungen, Stellungen, Atemregulierungen einerseits und einem Strömen des Herzens ohne jegliche Anstrengung und Übung, einem kindlichen Spiel der Unschuld andererseits. Manche natürlich-orgastische Veranlagung bringen wir ohnehin mit, aber auch so manche traumatischen Prägungen, die nicht selten mühsamer therapeutischer Aufarbeitung bedürfen und vor allem spirituellen Mutes.
Gibt es ein Mittel, das ganz verlässlich wirkt und mit dessen Hilfe wir sehr bald eine möglichst ganzheitliche Verbindung erleben können? Ja, das gibt es. Es heißt Vertrauen. Nur: Du kannst nichts machen, um Vertrauen zu erringen! Du weißt nie, wann Vertrauen kommt. Du magst als Mann alle Beweise bringen, wie vertrauenswürdig du bist, und die Frau wird dir dennoch nicht vertrauen. Vertrauen kommt von innen, vom Selbst. Es ist das »Selbstvertrauen«, das schließlich Vertrauen in einen anderen Menschen haben kann, ohne enttäuscht zu werden. Und Selbstvertrauen ist ansteckend. Vielleicht geschieht es also über das Ansteckungsprinzip, dass wir Vertrauen lernen.
Durch Vertrauen und ein Gefühl von Geborgenheit lösen sich nicht wenige Blockaden, sexuelle und ganz allgemein körperliche Verpanzerungen. Frauen schildern oft, wie sie erst in einer vertrauensvollen Stimmung zur Hingabe fähig werden. Eine Hingabe, die sowohl Liebe bedeutet wie auch eine Öffnung des Körpers. Dann wird alles möglich. Dann wird alles gut. Ich kenne kein besseres Mittel. Vielleicht nicht doch lieber eine Droge? Oder eine supergute Energieübung? Ach was …
Das Ganze hat auch einen weiblich-praktischen Aspekt. Meine liebe Freundin Pamela würde auf gut Bayerisch sagen: Wir müssen das orgastische Leben »auf die Fiaß« stellen, sonst bringt es nichts. Ins Alltagsleben muss es integriert werden können. Und es darf nicht dem Bedürfnis nach Sicherheit, Versorgung und Verbindlichkeit krass entgegen laufen.
In diesem Newsletter spreche ich mit der bekannten Tantra-Lehrerin Advaita Maria Bach über die möglichen Wirkungen eines Orgasmus, über ihre eigenen Erfahrungen mit der körperlichen Lust und welche Rolle der Mann dabei spielt.
Eine ähnliche Frage stellt auch Pamela Behnke: Brauche ich den perfekten Liebhaber, um orgastisch zu sein? Und führt uns damit gleichzeitig durch eine tantrische Übung mit eben genau diesem perfekten Liebhaber.
Wer sich etwas Zeit nehmen will für einen akustischen Genuss besonderer Art, dem empfehlen wir, eine ungewöhnliche Radiosendung anzuhören. Der österreichische Regionalsender »Freies Radio Freistadt«, www.frf.at, bringt einmal monatlich die Serie Love Talks, deren letzte Ausgabe »Komm, nimm mich!« manche erotische Inspiration enthält. Außerdem geht es in einer anderen Sendung um »Liebe, Lust und Orgasmen«, für jene, die ein bisschen mit dem österreichischen Dialekt zurecht kommen. Als Motto über allen Sendungen steht: »Die Wiedergewinnung des Paradieses«.
Tomas Langhorst und Didi Liebold beschäftigen sich in zwei weiteren Artikeln unseres Newsletters aus ihrer männlichen Sicht mit der weiblichen Lust und mit einer Technik, die männliche Ekstasefähigkeit zu erweitern.
Wenn ihr Anregungen, Kritik oder Lob habt, lasst es uns wissen: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Viel Freude am Lesen, Schauen und Hören mit unserer diesmaligen Ausgabe!
— Franz Lang, www.atmelis.com
Inhaltsverzeichnis
- Editorial, Franz Lang
- »… als würde sich eine Mauer aus Angst, Scham und Ekel verflüssigen …«
Ein Interview mit Advaita Maria Bach - »Braucht es den perfekten Liebhaber, damit ich orgastisch sein kann?«
Eine Übungsanleitung von Pamela Behnke - Love Talks, ein Hinweis auf eine Radiosendung
- Der weibliche Orgasmus aus männlicher Perspektive
Tomas Langhorst - Orgasmus – Lust oder Frust?
Didi Liebold - Art of being-Connections
- Veranstaltungen
- Regionalgruppen
- Tantraschulen, Massageinstitute
- Impressum
1. »… als würde eine Mauer aus Angst, Scham und Ekel sich verflüssigen …«
Ein Gespräch von Franz Lang mit Advaita Maria Bach
Advaita, was hat Liebe mit Orgasmus zu tun?
Vom Begriff her erst einmal gar nichts: »Liebe« ist ein abstrakter Begriff, wie »Freiheit«. »Orgasmus« meint den sexuellen Höhepunkt als körperlichen Vorgang. Hingabe passt besser – einen Orgasmus bekommt man, wenn Hingabe an die körperlichen Vorgänge möglich ist, wenn die Angst vor Kontrollverlust aufgegeben werden kann. Natürlich ist Hingabe ein wichtiger Bestandteil von Liebe – sonst ist es keine…
Aber noch in einem anderen Bezug gehören Liebe und Orgasmus zusammen: Da die meisten Blockaden aus der Kindheit kommen, hat ein nicht geschlagenes, vor Missbrauch behütetes, eben ein geliebtes Kind mehr Chancen, orgasmisch und orgastisch zu sein als Erwachsener, aber es gibt eben auch die dominanten Körpertypen, die sind auch genital voll entwickelt und hatten dennoch eine schwierige Kindheit. Das lässt sich nicht in zwei oder drei Sätzen ausführen.
Bild: fresh freddy/pixelio.de
Hast du nicht den Wert der Liebe unterschätzt, wenn du über den Orgasmus so professionell sprichst?
Ich habe den Eindruck, dass du es gerne hättest, dass die Liebe eine in meinen Augen größere Rolle spielt beim Orgasmus. Aber leider muss ich dir sowohl aus persönlicher als auch professioneller Erfahrung sagen: Das ist nicht so. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass jeder Mann eine sehr große, sagen wir, die entscheidende Rolle spielen möchte beim Orgasmus der Frau. Aber es hängt nun mal mehr an ihrer Blockadefreiheit, ja, oder auch Geilheit.
Vielleicht sind deine Erfahrungen ja anders, aber ich kann dir von vielen Klientinnen berichten, die wirklich liebende Partner haben – und dennoch kann all seine Liebe nicht gerade rücken, was in der Kindheit verdorben wurde.
Wie du bereits öfters (auch kürzlich in dem Connection-Artikel) betont hast, irrte sich Wilhelm Reich, als er meinte, mit der Befreiung der orgastischen Energie aus dem Körperpanzer würden auch tiefere seelische Blockaden aufgelöst. Was ist für dich in diesem Zusammenhang die Bedeutung des Orgasmus? Was befreit ein guter Orgasmus?
Noch ein Mal ganz genau: es werden durchaus tiefere seelische Blockaden aufgelöst, aber nicht alle neurotischen, selbstzerstörerischen Verhaltensmuster. Das allerdings erhoffte Reich! Ich nehme an, dass Neurosen eben auch noch anders verdrahtet sind als muskulär, wahrscheinlich auch neuronal – das konnte er noch nicht wissen.
Orgasmusfähigkeit befreit Spontaneität, Orgasmus bedeutet: erfüllt sein, befriedigt sein, wenn auch nur momentan. Orgasmus befähigt zur Lebenslust. Und natürlich befreit ein guter Orgasmus von Kopflastigkeit – das Leben erscheint auch mal ein wenig einfacher, nicht immer so kompliziert… es ist so, als würde eine Mauer, bestehend aus Angst, Scham und Ekel, sich verflüssigen und auflösen.
Wie erlebst du die männliche Fähigkeit zur Lust?
Das lässt sich wirklich schwer verallgemeinern. Je weniger unterdrückt oder traumatisiert, um so besser ist sie – aber das stimmt für Frauen genau so. Die besten Liebhaber sind aber auch die dominanten Typen, die Rigiden und die manipulativen Psychopathen – hier strikt als Körpertypen gemeint, nicht im umgangssprachlichen Sinne.
Welche Rolle für deine Lust als Frau spielt die Fähigkeit des Mannes, Orgasmen ohne Ejakulation oder multiple Orgasmen zu haben?
Ein Orgasmus ohne Ejakulation spielt nur dann eine Rolle für mich, wenn der Mann nach einem Orgasmus mit Ejakulation nicht wieder erigieren kann oder erst nach sehr langer Zeit. Genau genommen spielt es nur für meine eigene Lust eine Rolle. Die Hauptsache ist, dass er die Energie, die Erektion halten kann, auch wenn er einfach nur seinen eigenen Drang kontrollieren kann, bis ich einen oder mehrere Orgasmen hatte.
Bild: Kühnle/pixelio.de
Ist die Ausdauer eines Mannes Bedingung für einen tief erfüllenden Zustand deiner Seele oder deines Körpers?
Körperlich auf jeden Fall, seelisch erreicht er mich nur, wenn ich ihn liebe. Es gibt aber noch die rein energetische Ebene – die ist nicht körperlich allein, aber muss nicht mit Herz-Seele verbunden sein – da sind Ausdauer und Intensität essenziell für mich.
Oder kommt es auf das Miteinander an, auf einen Gleichklang der beiden Energien, der männlichen und der weiblichen?
Ich selbst bin sowieso auch ausdauernd und energetisch, insofern kommt für mich ohne Gleichklang gar nichts richtig in Gang! Zumindest im jeweiligen Moment: Ist der Mann zu passiv, dann unternehme ich nichts, fühle ich mich tatsächlich zu müde, dann fange ich nichts an, weil man Energie braucht für guten Sex!
Es gibt zwei grundsätzliche Irrtümer. Frauen denken oft, es sei die Kunst des Liebhabers, ob sie in Fahrt kommen. Männer denken, es sei – grob gesagt – von ihrem Beutemuster abhängig, ob sie begehren oder nicht, potent sind oder weniger.
Beides stimmt, allerdings nur eingeschränkt. Die grundsätzliche Kondition zur Orgasmusfähigkeit bringt jeder mit ein in das Geschehen. Jeder ist selbst verantwortlich für den eigenen Orgasmus.
Wann führst du, wann führt der Mann in die Bereiche befreiter Lust?
Je nachdem, wer gerade mehr Energie hat, momentan mehr im Feuer ist.
Du hast 30 Jahre lang tantrisch geforscht und gelehrt. Du warst oder bist selbst Liebende, Hure und Mutter. Du kennst die Zeiten ohne Mann und ohne Sex. Was ist für dich heute der Sinn eines erfüllten Lebens?
Kreative Verwirklichung.
Advaita Maria Bach, www.advaita-tantra.de
2. »Braucht es den perfekten Liebhaber, damit ich orgastisch sein kann?«
Eine Übungsanleitung für den Tanz des Lebens
Bild: peter nimsch/pixelio.de
Zu dem Thema, über welches wir, der Franz und ich, uns lange vor dem Erscheinen eines anstehenden Connection-Tantra-Newsletters Gedanken machen, befrage ich meistens auch meine Bekannten und Freunde, oder auch ganz fremde Menschen. Beim aktuellen Thema »Orgasmus« wurde mir dadurch einmal mehr deutlich, dass die Fülle an Empfindungs- und Wahrnehmungsfähigkeit bei den mir bekannten Menschen, welche sich auf den tantrischen Weg gemacht haben, maßgeblich ausgedehnter ist. Das ist nicht die Norm der breiten Masse, nicht das Normalmaß, mit welchem die Menschen sich »durchs Leben fühlen.« Ich habe es bei meiner Tätigkeit als Psychotherapeutin mit dem Schwerpunkt Sexualberatung/Therapie ausgiebig mit den Themen Lust und Liebe, und deshalb besonders mit Orgasmusschwierigkeiten zu tun. Selbst im Bekanntenkreis hab ich als eine der ersten Aussagen zum Thema Orgasmus gehört: »Na, Hauptsache ich habe bald wieder einen!«
Die Aufgabe, über Orgasmus zu schreiben, war meine Idee. Sie setzt mich aber nun doch unter Druck. Hoffentlich fällt mir was richtig Gutes dazu ein, hechel, hechel! Im Grunde nichts anderes als Orgasmusstress!
Bild: Rainer Sturm/pixelio.de
Immer gut, die Dinge auszusprechen oder auszuschreiben, damit sie Raum haben, damit sein kann, was ist, und es sich dadurch auch verändern kann. Es macht Spaß zu schreiben, die Finger laufen zu lassen und neugierig darauf zu sein, was dabei entsteht. Schleicht sich da doch die Frage ein: »Und, interessiert das wohl irgend jemanden?« Das will ich hier erwähnen, da ich die Newsletter, welche ich bekomme, so gut wie nie lese, meistens langweilig finde und jetzt schreibe ich selbst einen solchen.
Bild: Rainer Sturm/pixelio.de
Liebe Leser und Leserinnen, wenn ihr bis hierhin gelesen habt, teilt uns doch mit, welche Themen euch interessieren. Wir schreiben und recherchieren gern und nehmen eure Anregungen gerne auf: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! . Schließlich ist ein Newsletter in erster Linie zum Lesen gedacht und nicht zum sofortigen »Löschen«, so wie das bei mir selbst passieren kann.
Bild: Multipla/pixelio.de
Orgasmus hin oder her, er ist doch ein tolles Gefühl … Ob der Eine nun danach strebt oder der Andere sich davon nicht mehr so sehr in den Strudel des Machens und Tun ziehen lässt. Wenn wir ihn nicht kennen würden, könnten wir ihn vielleicht gar nicht »sein lassen«, um ihn dann wiederum im Augenblick des Da-Seins neu zu erfahren. Dieses süße Strömen durch den Körper, welches sich im Augenblick des Loslassens – von was auch immer – durch den Körper bemerkbar machen kann … Orgastisch sein, nenne ich es, Loslassen und sich dabei gewahr sein, dass ich mich öffne … Dabei kann ich mir nicht nur die Rosinen herauspicken. Wenn Loslassen gemeint ist, wird alles, was da ist, lebendig: die Tränen, die Lust, die Wut, die Trauer. Dann, wenn das Vertrauen in mir da ist, dass ich all diesen Erfahrungen Raum geben kann, erweitert sich das Potential meiner Empfindungsfähigkeit.
Braucht es denn den perfekten Liebhaber, damit ich orgastisch sein kann? Na??
Die Übung
Nimm dir eine dreiviertel Stunde Zeit, ungestörte Zeit, für eine sexuelle Liebesbegegnung mit deinem perfekten Liebhaber!
Bild: Rainer Sturm/pixelio.de
Nimm dir deine Bettdecke mit auf einen schön gestalteten Platz, Musik, welche du magst, dein Liebeslager. In geraumem Abstand platziere zwei Kissen für deine Eltern. (Diese brauchst du dir nicht als Zuschauer vorstellen, aber du kannst es gerne probieren, wer weiß, vielleicht könnten sie noch etwas von dir lernen).
Bild: Luce/pixelio.de
Deine Bettdecke ist Stellvertreter deines perfekten Liebhabers. Geh in Kontakt mit deiner Bettdecke. Beweg dich gerade so wie du dir vorstellst, dass die exzellenteste sexuelle Liebesbegegnung mit deinem perfekten Liebhaber sein könnte. Lass dir alle Freiheit, dich so zu bewegen wie du möchtest. Knuddel, raufe, balg dich und liebe inbrünstig, laut und/oder leise. Lass dich von dir selbst überraschen, dich, mit deiner Decke – deinem Liebhaber. (Vielleicht tauchen aggressive Impulse auf. Du willst zuschlagen. Lass das jetzt zu, damit du weitergehen kannst.)
Lass dich lebendig werden, deinen gesamten Körper, dein gesamtes Wesen. Lass dir Zeit…
Und dann, nimm die Essenz deines Liebhabers/der Decke! Was ist es, was ihn ausmacht?? Was ist es also, was dich ganz und gar lebendig werden lässt? Wonach sehnst du dich? Das kann bei verschiedenen Menschen/Partnern ganz unterschiedlich ausfallen…
Nun sei dir gewahr: Dein Gegenüber ist nicht verantwortlich dafür, dass du vollständig lebendig bist. Diese Freiheit ist deine! Mit dieser Fülle deiner Lebendigkeit bringe dich ein in die Begegnung. »Was habe ich zu geben«, nicht: »Was hab ich da zu bekommen!?«
Bild: Hanspeter Bolliger/pixelio.de
Nimm die Essenz dieses Liebhabers. Was macht es aus, dass du so lebendig werden konntest? Und bringe diese Essenz (vielleicht trägst du sie in deinen Händen) zu deinen Eltern und nähre sie damit. Vielleicht magst du dir vorstellen, du bereitest mit dieser Essenz den Boden, auf dem sie dann sitzen. Fühle das. Lass dir Zeit…
Und von dort aus dringt die Essenz von deinen Eltern zu dir, sie nähren dich damit, dadurch, dass sie diese Qualität erfahren dürfen.
Somit kommt die Sehnsucht dahin, wo sie hingehört, um ganz und gar lebendig zu sein. Um damit nun zu begegnen, einem Partner.
Und ein andermal kannst du erkennen, dass auch du der perfekte Liebhaber bist, oder die Luft beim Alleine-Tanzen der perfekte Liebhaber ist, und auch das Leben selbst. Bring dich ein in all deiner Lebendigkeit zum orgastischen Tanz im Leben, mit dem Leben.
Namaste,
— Pamela Behnke, www.taste-of-tantra.de
3. Love Talks
Der Sender »Freies Radio Freistadt« bringt jeden ersten Montag im Monat, 22:00 Uhr, die Serie Love Talks, gestaltet von Franz Lang und Manuela Haunschmidt. Wiederholt wird sie am darauf folgenden Mittwoch ab Mitternacht und am darauf folgenden Sonntag um 22:00 Uhr.
Bisher gab es drei Ausgaben. Du findest sie hier zum Nachhören/Stream oder Herunterladen
- »Die Wiedergewinnung des Paradieses«
Die Pilotsendung zur neuen Sendereihe im Freien Radio Freistadt. Poesie, Gespräche, Musik und Texte zum Thema Liebe und Erotik. Wohlige Gänsehaut garantiert… - »Liebe, Lust und Orgasmen«
Zwei Frauen und ein Mann unterhalten sich über das, was in der Liebe Lust bereitet und Vertrauen schafft, sowie über die Vielfalt von Orgasmen. - »Komm, nimm mich!«
Die 3. Ausgabe von Love Talks ist eine akustische Reise in archaische Bilder des Männlichen, des Weiblichen und deren immerwährende gegenseitige Anziehung. »Der Jäger« ist beispielsweise ein solches Bild, oder »Lilith«, mythologisch die erste Frau Adams.
4. Der weibliche Orgasmus aus männlicher Perspektive
Bild: Boscolo/pixelio.de
»Warum wollen Männer immer, dass die Frauen einen Orgasmus haben?« fragte mich kürzlich eine Freundin. Vielleicht lautet die einzige Antwort darauf ja nur: Weil er dann in seinem Kopf die Stimmen von zwei Milliarden Frauen tirillieren hört: »Gut gemacht, Junge!« Aber eben nur vielleicht.
Bestätigung
Klar, das ist wohl das Naheliegendste: Der Orgasmus der Frau beim Sex mit ihm bedeutet eine feine Bestätigung für ihn. Sie bestätigt ihm damit – und dies bitte wohlverstanden aus einer ganz bestimmten männlichen Sicht: »Bist`n guter Liebhaber oder zumindest ein so fähiger, dass du (Mann) mit mir (Frau) da gemeinsam hinreisen kannst«, oder anders gesagt: »Ich bin so gut, dass es ihr bei mir kommt.« Der Mann wird ihren Orgasmus sicher nicht nur als Absolution für seine »Liebestechnik« verstehen, falls er eine solche überhaupt eingesetzt haben sollte, sondern er wird sich auch in seinem Mannsein bestätigt fühlen. Die Frau bestätigt ihm aus seiner Sicht mit ihrem Orgasmus auch: »Du bist Mann! Denn du, Mann, kannst eine Frau soweit bringen.«
Das war jetzt möglicherweise etwas funktional, vielleicht mechanistisch, vielleicht oberflächlich, vielleicht plump, aber ich glaube sehr wohl, dass es auch eine Rolle spielt. Wie groß diese ist, mag jeder für sich selbst beantworten.
Bild: Albrecht E. Arnold/pixelio.de
Glück, Freude und Expansion ins Drüben
Jetzt zum Wesentlichen:
Liebe Frauen, liebe Männer, es ist einfach gigantisch, sie dabei zu erleben! Sie macht auf, sie lässt los, sie lässt sich gehen, du erlebst sie so, wie du sie sonst nicht erlebst, außer du bist gerade dabei, wenn sie tieftraurig oder unglaublich wütend ist oder der Ekstase nahe auf der Tanzfläche oder in Meditation weilt. Der Orgasmus der Frau ist auch für den Mann eines der vielen Tore in eine andere Welt. Von diesen Toren gibt es viele. Sie werden selten erkannt und noch seltener durchschritten, meistens überrannt. Welches Glück, wenn dir die Frau, mit der du im Bett bist, durch sie selbst, durch ihren Körper und ihre Hingabe dir dies Tor zu Füßen legt. Du musst »nichts weiter« tun, als vor Demut im Boden zu versinken, schon bist du »drüben«. Dann gibt es natürlich noch die ehrliche, aufrichtige Freude darüber, dass es ihr gerade so gut geht :-) und du dazu zumindest beigetragen hast, manche sagen auch: ihr dabei nicht im Weg gestanden bist. Das ist, glaube ich, die Hauptmotivation: die Freude, mit meiner Männlichkeit, Energie, Lust, Freude und Phantasie, meinem Spiel mich ihr zum Geschenk zu machen. Ihr Orgasmus kann dann auch heißen: Dein Geschenk, Mann, ist angekommen und ich löse jetzt gerade das letzte Band von dem meinen !
Intensität
Zum Ausklang, als »Nachspiel« noch:
Ich hab's erst kürzlich erlebt, dass die Frage Orgasmus oder nicht Orgasmus oder wann Orgasmus oder wie Orgasmus, überhaupt keine Rolle gespielt hat. Was war passiert ? Unser Zusammensein war einfach so dicht, so intensiv, so voller Lust und Hingabe, dass diese Atmosphäre gegenseitiger Hingabe, Sensibilität, Wildheit und Wollust allein schon so überwältigend und nährend war, dass der Gedanke an Orgasmen nicht aufkam. Ich muss zugeben, dass es für solch 'ne Stimmung einer ziemlichen Präsenz beider bedarf. Möglich aber ist es und damit erzähl' ich euch sicher auch nichts Neues. So kann sich, im Umkehrschluss formuliert, der Mann auch deshalb den Orgasmus der Frau wünschen oder gar »darauf hinarbeiten«, weil er sich nach einer Intensität mit ihr sehnt, die er sich mit ihr vor ihrem oder außerhalb ihres Orgasmus herzustellen oder zu erleben nicht im Stande sieht. Allerdings gibt's ja wunderbare Methoden, Mittel, Wege und Übungen, um orgastische Intensität auch ohne Orgasmen oder eben auch schon davor oder danach gemeinsam zu erleben.
Das waren drei Antworten auf die oben zitierte Frage einer Freundin. Habt ihr noch welche?
— Tomas Langhorst, www.taste-of-tantra.de
5. Orgasmus – Lust oder Frust?
Bild: elFausto/pixelio.de
»Der Orgasmus ist nicht mehr länger eine rein biologische Funktion, noch ist er der Nebeneffekt von zwanglosem Vergnügen… Er ist das Zentrum der menschlichen Erfahrung und entscheidet letztendlich über das Glück der menschlichen Rasse.« — Wilhelm Reich
Obwohl wir im 21. Jahrhundert leben und Wissenschaft und Technik rasante Fortschritte machen, ist der Orgasmus immer noch ein ziemlich unerforschtes Gebiet. Natürlich hat die Sexualwissenschaft in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht. Aber schlussendlich gibt es noch viele offene Fragen. Lohnt es sich wirklich, diese auch zu beantworten? Wäre es nicht besser, sie einfach zu erfahren?
In erster Linie ist es etwas sehr Lustvolles, einen Orgasmus zu erleben. Nur führt der Orgasmus selber nicht selten zu Frust in der Sexualität. Vor allem heutzutage, wo wir klare Bilder haben, wie ein Orgasmus aussehen sollte – »When Harry met Sally« lässt grüßen. Oder wenn der Orgasmus nicht oder nur schwer erreicht wird. Oder wenn er zu früh kommt. Oder nicht stark genug, nur einmal, etc. Der Frust rund um das Thema ist sehr vielfältig. Aus meiner Erfahrung aus Kursen und Einzelarbeiten würde ich dies auf zwei Dinge zurückführen.
- Auch in der Sexualität steigt der Leistungsdruck. Die Medien vermitteln, wie Sexualität aussehen sollte. Sexuelle Probleme sind selten das Thema in Filmen. Die Sexualität funktioniert immer reibungslos, ohne dass man groß darüber sprechen muss. Die Realität sieht oft anders aus.
- Für die meisten Menschen ist Sexualität immer noch sehr zielgerichtet. Der Orgasmus ist das Ziel. Ein großer Teil der Aufmerksamkeit fließt in den Orgasmus oder wie ich ihn erreiche. Alles was man tut, dient eigentlich nur diesem einen Ziel.
Bild: Dido-ob/pixelio.de
Statistiken zeigen, dass die durchschnittliche Dauer des Geschlechtsverkehrs immer noch in einem Bereich von 3–5 Minuten liegt. Zum einen wage ich zu bezweifeln, dass dies ein sehr bewusster Weg ist, zum anderen ist klar, dass da zwischen Anfang und Ende nur ein kurze Zeitspanne für Empfindungen zur Verfügung steht. Sexualität kann aus meiner Sicht auf verschiedenen Ebenen stattfinden. Die 3–5 Minuten- Geschichte fällt für mich eher unter Triebabfuhr. Das ist absolut okay und macht auch zwischendurch Spaß. Aber Sexualität kann doch einiges mehr bieten.
Wenn ich mich sehr bewusst mit meinem Körper verbinde, allen Empfindungen Raum gebe, wenn ich beginne, die Wellen der Ekstase zu spüren ohne mir Gedanken zu machen, wohin sie führen; wenn ich mich eben auf den Weg konzentriere, ganz im Hier und Jetzt bin, dann öffnen sich neue Ebenen der Lust und Ekstase.
Aber meist ist es nicht ganz einfach, diese Ziellosigkeit zu erreichen. Der Körper ist konditioniert auf diesen Ablauf hin zum Ziel. Eine Aufgabe, welche ich in meiner Bodywork-Einzelarbeit oft mit nach Hause gebe, ist die, in der Selbstliebe 3–4 Mal in eine hohe Erregung zu gehen und kurz vor dem Orgasmus aufzuhören. Als Steigerung vielleicht mal ganz auf den Orgasmus zu verzichten. Für die meisten Menschen ist das Erste schon eine riesen Herausforderung, das Zweite fast ein Ding der Unmöglichkeit.
Bild: marco barnebeck/pixelio.de
Was soll auch der Nutzen einer solchen Übung sein? Hier geht es um Bewusstheit. Ich kann mich bewusst entscheiden, in welche Richtung ich gehen möchte. Dies ist schlussendlich eine Frage der Vielfalt in der Sexualität. Und es bringt sehr viel Entspannung, wenn man sich nicht um jeden Preis abrackern muss, um irgend wohin zu kommen, sondern es einfach geschehen lassen kann.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Veränderung des Energiepotentials. Mit einer solchen Übung kann man lernen, eine viel höhere sexuelle Energie aufzubauen. Es ist klar, dass in fünf Minuten die Möglichkeiten hierzu beschränkt sind. Aber wenn ich diese Energie über zwei Stunden aufbaue, ist das Erleben am Ende – ob mit oder ohne Orgasmus – ein ganz anderes.
Diese ekstatischen Zustände sind nicht nur sehr lustvoll. Denn für mich ist sexuelle Energie auch Lebensenergie. Dies hat schlussendlich nicht nur Auswirkungen auf die Sexualität, sondern auf sehr viele Lebensbereiche.
Im »Sexological Bodywork« arbeiten wir mit einer Methode, welche sich »Orgasmic Yoga« nennt. Dies ist eine Form der Selbstliebe. Yoga steht dabei für die Praxis, daher das möglichst regelmäßige Ausüben. Wie dies genau aussieht, ist nicht so wichtig. Der Punkt ist einfach, dass man möglichst oft in diese sexuelle Energie hineingeht, sich mit seinem Körper verbindet, sich bewusst berührt.
Bild: michael hohmann/pixelio.de
30 Tage jeweils 30 Minuten können das Leben ziemlich verändern. Aber sich diese Zeit für sich selber zu nehmen, fällt oft schwer. Eigentlich sind 30 Minuten pro Tag nicht viel. Und die meisten Menschen sehen den Sinn durchaus. Aber dies in die Praxis umzusetzen, fällt sehr schwer. Aus meiner Sicht lohnt es sich aber auf jeden Fall, mit solchen Formen der Selbstliebe zu experimentieren.
Zum Schluss noch ein Gedanke zum Zitat von Wilhelm Reich am Beginn des Textes. Ich weiß nicht, ob der Orgasmus über das Glück der Menschheit entscheidet. Aber ich gehe mit ihm einig, dass wir in einer anderen Welt leben würden, wenn wir mehr Raum schaffen für mehr Lust und Liebe.
Be orgasmic!
Didi Liebold, www.sexologicalbodywork.ch
Certified Sexological Bodyworker und Sexualpädagoge. Er arbeitet mit Erwachsenen und Jugendlichen rund um das Thema Sexualität. Leitet Kurse und Ausbildungen im Bereich Tantramassage und sexologischer Körperarbeit.
6. Art of being-Connections
Unsere langjährige Verbundenheit mit der Tantraschule »Art of being« und ihrem Lehrer Saleem Matthias Rieck macht uns immer wieder neugierig, was es dort an Entwicklung gibt und an neuen Angeboten. Aus diesem Grund empfehlen wir euch, einen Blick auf die Webseite www.art-of-being.de zu werfen oder auch in den Newsletter, den Saleem verschickt. Wer ihn einmal probelesen oder kostenlos abonnieren will, schreibt eine Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .
Infos: www.art-of-being.de, 0761 453690
7. Veranstaltungen
Aktuelle Veranstaltungen findest du im connection-Veranstaltungskalender.
8. Regionalgruppen
9. Tantra-Schulen, Massageinstitute
Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht findest du auf unserer Seite Tantraschulen und Tantramassage-Institute
10. Impressum
Copyright Webmagazin und Newsletter: 2009 by Connection AG, D-84494 Niedertaufkirchen. Alle Rechte vorbehalten. V.i.S.d.P.: Wolf Schneider. Redaktion dieser Ausgabe: Wolf Schneider, Pamela Behnke und Franz Lang. Wir freuen uns über die Einsendung von Texten und Bildern, können diese aber leider nicht honorieren.
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