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Editorial connection spirit 07-08/08

Magazintexte - Spirit

Photo
Wolf Schneider

Bei Licht besehen

Das menschliche Bewusstsein ist vor allem deshalb schwer zu definieren, weil man sich mit seinem Gegenteil, dem Unbewussten, nur beschäftigen kann, wenn man es ins Bewusstsein holt. Man ist sich also immer nur all der Sachen bewusst, derer man sich bewusst ist. Aha! – und Ende der Weisheit. Ausnahme: das Unbewusste bei einem anderen Menschen, dessen kann ich mir bewusst sein und dann darüber sprechen. Ist aber heikel, denn gerade, wenn es ums Bewusstsein geht, kehrt man doch besser vor der eigenen Tür.

Auch der Sprung auf die metaphorische Ebene ist problematisch. Bewusstsein ist wie Licht – gut, irgendwie stimmt das ein bisschen. Der Vergleich bietet sich ja an: Das Lenken der Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Objekt, wie es beim Fokussieren und Konzentrieren geschieht, ist vergleichbar mit dem Strahl einer Taschenlampe in der Nacht. Nur was sich in ihrem Lichtstrahl befindet, ist sichtbar. Damit aber hört die Vergleichbarkeit auch schon fast auf. Den Lichtstrahl kann man ganz einfach lenken und auf einem Objekt ruhen lassen, das Verweilen der Aufmerksamkeit auf einem Objekt ist deutlich schwieriger – Konzentrationsschwäche nennt man das dann, und gegen die hilft kein Auswechseln der Batterie. Außerdem ist das, was wir uns einmal »ins Bewusstsein geholt« haben, danach anders, im Idealfall bleibt es uns lange Zeit bewusst und fügt sich unserem Schatz an Wissen hinzu, während der Lichtstrahl der Taschenlampe die von ihm beleuchteten Objekte unverändert wieder verlässt.

Verführerische Metapher

Eine Metapher taugt eben nicht für alles. Die Hardcore-Esoterik jedoch bleibt nicht bei dem schönen Vergleich, sondern macht aus dem Licht einen Kult: Da gibt es dann Biophotonen, die geheimnisvoll in den Zellen arbeiten, Tachyonen, die schneller sind als das Licht und angeblich Gegenstände aufladen können, Lichtnahrung, die die physische Nahrung ersetzen könne und anderen Hokuspokus. Dabei ist die Grundfunktion unseres Geistes doch schon wunderbar genug: Wir können unsere Aufmerksamkeit lenken!

Wenn wir das zum Beispiel beim Hören üben, stellen wir fest, dass wir dort nicht so leicht unsere Sinnesorgane auf das Objekt fixieren, also einschränken können, wie das beim Sehen so gut geht und dort dann zum Tunnelblick führt, dem Ausblenden von allem, außer dem einen, auf das gerade fokussiert wird. Hasen können das mit ihren Ohren, aber bei uns Menschen bleibt beim Hören unsere Aufmerksamkeit sehr weit, auch wenn wir den Kopf drehen. So hören wir quasi im Weitwinkel verglichen mit dem Zoom des üblichen Sehens oder gar der engen Fokussierung eines Mikroskops gegenüber der weiten Schau auf den Sternenhimmel.

Achtung!

Auch in unseren Innenwelten können wir unsere Aufmerksamkeit wandern lassen, egal wie jung oder alt wir sind, wie reich oder arm, sozial verstrickt oder frei: Unser Geist kann sich frei bewegen! Er ist auch nicht an Worte gebunden und auch sonst nicht an unsere Kommunikationsfähigkeit, sondern noch bevor im Geist irgendwelche Worte entstehen, kann das Bewusstsein sich verblüffend leicht und schnell einem Objekt zuwenden. Oder einem Menschen, den wir achten wollen, indem wir ihm unsere Aufmerksamkeit schenken, so wie Eltern ihren Kindern Aufmerksamkeit geben, die sie so sehr brauchen: attention! Sie durch Beobachtung achten und dadurch erkennen und anerkennen.

Diese Wertschätzung sollten wir auch uns selbst geben – unserem Körper und Geist, unserer Gesundheit und Mitwelt.


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