Editorial spirit 10/09

Photo: Aniela Adams
Wer's glaubt, wird selig
Ob Glaube selig macht, das wird seit Jahrtausenden diskutiert. Von den buddhistischen Kulturen mal abgesehen, hat erst die europäische Aufklärung in einigen Ländern deutliche Mehrheiten dafür geschaffen, dass Glaube nicht nötig ist für Glückseligkeit, vielleicht ist er nicht einmal eine gute Voraussetzung dafür.
connection-Leser sind keine Gläubigen, jedenfalls nicht im üblichen Sinn. Sie glauben an Homöopathie oder Reiki oder die Wirkung von Naturheilweisen oder stiller Meditation oder an sonst eine heilerische Methode oder einen spirituellen Weg, aber sie sind nicht gläubig in dem Sinne, wie die normalen Anhänger einer Religion oder eines politischen Glaubens es sind.
Nachdem ich viel in asiatischen Ländern gereist bin, habe ich mich oft gefragt, ob es Religionen gibt, die Menschen glücklicher machen als andere. Ob etwa der Islam die Menschen glücklicher macht als das Christentum, oder umgekehrt. Oder ob es besser ist, an gar nichts zu glauben, oder einfach nur eine spirituelle Praxis zu haben, ohne »gläubig« zu sein, wie es etwa der Buddhismus empfiehlt – die mir sympathischste Variante.
Die Wirkung des Glaubens
Viele Menschen sagen allerdings: »Ich wäre gerne gläubig, weil es das Herz beruhigt oder gut ist für die Gesundheit, aber mein Verstand lässt das nicht zu.« Das fordert doch einen Placebotest geradezu heraus! Wie aber wäre der zu gestalten? Gar nicht so leicht. Als guter Moslem betest du fünf mal am Tag, was auch von der Gymnastik her eine gute Wirkung hat. Man müsste also ungläubig islamisch Betende mit gläubig Betenden vergleichen, und zwar massenweise, dann erst hätte man die Wirkung des Glaubens getestet. Und was die Wirkung des Glaubens an die Homöopathie anbelangt, da müsste man eine Gruppe normaler Homöopathiegläubiger, die ungeschüttelte Kügelchen (also Placebos) bekommen, aber glauben, dass es echte Homöopathica sind, vergleichen mit einer Kontrollgruppe von Patienten, die denselben individuellen Beratungsprozess erleben, dieselbe Zuwendung des Therapeuten und die dann auch tatsächlich für sie speziell herausgefundene (Placebo)Kügelchen zu sich nehmen, von denen dann gesagt wird, dass es ein neues, zu testendes Medikament ist, dessen Wirkung man noch nicht gut genug kennt.
Glaube gibt es aber nicht nur im Bereich von Heilung und Religion. Auch Politik und Wirtschaft sind massiv bestimmt vom Glauben. Sind wir schon auf der Talsohle der Rezession angekommen? Ob wir Deutschen oder Weltbürger das mehrheitlich glauben oder nicht, hat eine starke Wirkung darauf, ob es sich als wahr erweisen wird.
Glaubst du an die Connection-Aktien?
Oder auch, mal herangezoomt auf diesen Verlag: Wie wird er sich entwickeln? Wer glaubt an seine Zukunft? Kürzlich schrieb mir eine Frau aus München, sie wolle bei uns 10.000 € investieren. Daraufhin fragte ich Udo Pochert, einen unserer Aktionäre, der bei uns außerdem im Aufsichtsrat der AG sitzt, wer von unseren gut 80 Aktionären Aktien verkaufen will. 10 wollten verkaufen. Zwei von ihnen boten sie zu demselben niedrigsten Preis an: 30 € pro Aktie. Also gab er diesen beiden die Zusage. Jeder von beiden verkaufte dann 166 Aktien zu einem Stückpreis von 30,12 €, was circa 40 % unter dem Ausgabepreis liegt.
Wer nun »glaubt«, dass die in dieser Zeitschrift behandelten Themen Zukunft haben und der Verlag mit ihnen im Trend liegt, kann an diesem Punkt der Wertentwicklung einsteigen und versuchen, zu diesem Preis weitere Aktien zu bekommen (Kontakt über Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ). Mein »Glaube« ist, dass der Wert der Aktien steigen wird, dass ein starker Anstieg des Wertes aber erst in 2–3 Jahren zu verzeichnen sein wird.
Vertrauen
Oder aber, du »glaubst«, dass dieses Unternehmen, die Connection AG, einen wesentlichen Beitrag zu einer besseren Welt leistet, egal, ob ihre Aktien gerade steigen oder nicht. Das wäre die weniger spekulative, die nachhaltigere Variante des Glaubens. Man könnte das auch Vertrauen nennen – ein Vertrauen, für das Skepsis kein Widersacher ist, sondern integraler Bestandteil. Die Rückwirkung dieses Glaubens oder Vertrauens auf den Aktienkurs ist dann nur noch ein willkommener Nebeneffekt.
Wie wär's damit, auch mit den großen Unternehmen unserer Wirtschaft so umzugehen und nur noch die zu unterstützen, die uns und der Natur gut tun? Soweit wir als Investoren oder Konsumenten dazu jeweils die finanziellen, zeitlichen und informativen Ressourcen haben.
Der Glaube, dass das möglich ist, und dass auch ich mit meinem kleinen Verlag eine Wirkung erzielen kann, ist die Grundlage meiner Arbeit. Sie gibt meinem Leben Sinn.
Mit herzlichem Gruß





Wolf Schneider

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