Hier und Jetzt 07–08/10
Werbung für den Herrn

Photo: Yersins/flickr.com
Die Kampagne »Es gibt definitiv einen Gott« ist die am meisten beanstandete Werbeanzeige in Großbritannien. Das geht aus dem Jahresbericht des britischen Werberates für 2009 hervor. Demnach gab es 1204 Beschwerden von Personen, die den Slogan als Beleidigung für Atheisten und als irreführende Behauptung ansahen. Der Werberat lehnte eine Untersuchung ab, weil es sich mit Blick auf den Auftraggeber, die »Christliche Partei«, um eine politische Aussage handele.
Mit dem Slogan auf öffentlichen Autobussen hatte die »Christliche Partei« auf eine Kampagne der Britischen Humanistenvereinigung geantwortet, die in Großbritannien 800 Busse mit der Aufschrift »Wahrscheinlich gibt es keinen Gott. Nun hör auf, dich zu sorgen, und genieße dein Leben« fahren ließ. Gegen diese waren im vergangenen Jahr nur 392 Beschwerden beim Werberat eingegangen.
Quelle: Rp-online.de

Photo: Knipseline/pixelio
Sind deutsche Schüler Sex-Experten?
Mit dem Thema Sexualität und Sexualpraktiken kennt sich im internationalen Vergleich niemand besser aus als deutsche Schüler, so eine Studie des Kondomherstellers Durex. Doch über ihren Körper wissen die Jugendlichen weniger als je zuvor.
26.000 Jugendliche in 26 Ländern wurden über ihre Sex-Kenntnisse befragt. Am besten schnitten die Deutschen ab: Drei Viertel der Schüler wissen, wie sie sich vor Geschlechtskrankheiten schützen kann, zwei Drittel, wie man eine Schwangerschaft vermeidet. Ihre Kenntnisse hätten sie im Sexualkundeunterricht erworben, sagten sie.
Viel zu wissen ist ja schön und gut, doch die Ärztin Gisela Gille meint, das sei noch nicht genug. Seit vielen Jahren spricht sie mit Jugendlichen über erste Liebe, Pubertät und Geschlechtskrankheiten. Dabei beobachtet sie bei allem theoretischen Wissen erhebliche emotionale Schwächen – und eine erstaunliche Verklemmtheit.
»Die Aufklärung hat sich schon sehr verbessert«, gibt sie zu, »alle wissen offenbar alles.« Aber wie der eigene Körper funktioniere, sei dennoch unbekannt – und das in einem Umfeld, in dem auf dem Schulhof Pornovideos von Handy zu Handy wandern. Jedes dritte Kind hat mit elf oder zwölf Jahren schon pornografische Bilder oder Filme gesehen, stellte sich in einer »Dr.-Sommer-Studie« der »Bravo« heraus.
Dennoch schämen sie sich immer noch, wenn sie über sich selbst reden sollen. »Die Mädchen wissen, wie ein Dildo funktioniert, was Blasen ist, was Analsex. Aber sie kommen ins Stottern bei der Frage, wann genau sie zum ersten Mal die Pille nehmen sollten«, so Gille.
Für ungünstig hält die Ärztin auch den gemeinsamen Sexualkundeunterricht von Jungen und Mädchen. »Vor Jungs, die feixen und lachen, fragen Mädchen nichts – und umgekehrt«, so Gille.
Quelle: www.morgenpost.de
Ethik für die Grundschule
Anna Ignatius aus dem Freiburger Stadtteil Vauban will für ihre Söhne eine Alternative zum Religionsunterricht in der Grundschule erstreiten. Dafür zieht sie sogar vors Verwaltungsgericht.
Die Jungen sind zehn, neun und drei Jahre alt. Wenn die Klage Erfolg hat, werden die Älteren zwar nichts mehr davon haben, aber es geht der promovierten Philosophin auch ums Prinzip. »Es wird immer von Werten geredet, aber für viele ist die Kirche nicht mehr die Basis. … Kinder in dem Alter haben Fragen: Was ist gut, was ist böse, was ist gerecht?« Die Antworten der Kirche hält Ignatius für ungeeignet: »Sie sind nicht neutral.« Eine Alternative sieht das Kultusministerium aber erst ab der siebten Klasse vor.
Jetzt zieht Anna Ignatius vor Gericht, denn laut Grundgesetz darf niemand wegen seiner religiösen Anschauung benachteiligt werden. Der Staat muss eine umfassende Schulbildung anbieten – auch Ethik für Kinder. Er dränge die Ungetauften zur konfessionellen Orientierung, was gegen das Neutralitätsgebot verstoße. Bis zur Verhandlung können noch einige Monate vergehen. Zum laufenden Verfahren nimmt das Ministerium keine Stellung. Ethik früher einzuführen sei im Moment nicht geplant. »Grundsätzlich haben Schulen im Ergänzungsbereich Ressourcen an Lehrerstunden, die könnten sie dafür verwenden«, sagt Sprecher Thomas Hilsenbeck. Ethische Bildung sei themengebunden auch in Fächern wie Mensch, Natur, Kultur möglich. »Die Wertevermittlung fängt an, wenn die Schule aufmacht – und geht hoffentlich daheim weiter.«
Quelle: www.badische-zeitung.de

Zeichung: Gerhard Mester
Achtung, Anzeigen!

Der Gewinn für den erfolgreichen Detektiv
Wer irgendwo eine Anzeige sieht, sollte aufpassen, ob dort auch eine seriöse Absicht dahinter steht. Man bekommt ja alles Mögliche angeboten – nicht nur bei uns, nein: überall. Um die Wahrnehmung des Echten zu schärfen, haben wir auch in dieser Ausgabe von connection Spirit wieder drei Juxanzeigen versteckt. Wer sie findet und die Lösung bis zum 31. Juli an Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. einsendet (oder per Postkarte an die Verlagsadresse), nimmt Teil an der Verlosung der CD »Geführte Meditation: Liebe & Licht«.
In unserer Mai-Ausgabe (connection Spirit 5/10) waren die richtigen drei die »Mantramütze« (S. 4), die Anzeige »Ich bin dahin« vom Ego (S. 8) und das »SpiRekt« (S. 65). Gewonnen hat
Heike Mierzwa aus Nürnberg.
Die Redaktion
Nackter Papst soll Konstanz verlassen

Photo: wikipedia
Große Aufregung um einen nackten Papst: Die satirische Skulptur des Künstlers Peter Lenk muss aus der Touristen-Information des Konstanzer Bahnhof verschwinden. Das Streitobjekt ist eine Kopie der Papstfigur der meterhohen Statue »Imperia«, die seit 1993 die Konstanzer Hafeneinfahrt ziert. Sie soll an das Konstanzer Konzil (1414–1418) erinnern und zeigt eine Mätresse, die auf ihren Händen zwei nackte Figuren trägt. Eine ist mit kaiserlichen Insignien geschmückt, die andere mit einer päpstlichen Tiara. Lenk hat sich selber nie eindeutig geäußert, wen die beiden Figuren darstellen sollen. Es könnten Kaiser Sigismund und Papst Martin V. aus der Konzilszeit sein.
Als der Chef der Konstanzer Touristen-Information, Norbert Henneberger, Ende April die Aufstellung der Figur in seinen Räumen ankündigte, gab es Proteste. Zumal eine Zeitung irrtümlich geschrieben hatte, dass es sich bei dem nackten Papst um Benedikt XVI handle. Jetzt entschied Henneberger mit Billigung des Aufsichtsrats des Tourismus-Gremiums, dass der nackte Papst wieder gehen muss.
Quelle: DiePresse.com
Polizei wollte Nessie beschützen

Photo: wikipedia
Nur noch wenige Menschen glauben heutzutage an das Ungeheuer von Loch Ness. In den 1930er Jahren war das offenbar anders: Damals wollte sogar die Polizei »Nessie« vor Jägern schützen. Das geht aus historischen Dokumenten hervor, die das schottische Nationalarchiv nun veröffentlicht hat.
So schrieb der Polizeichef der Grafschaft Inverness-Shire, William Fraser, 1938 in einem Brief an das Schottland-Ministerium: »Es ist zweifelsfrei, dass es irgendeine seltsame Kreatur in Loch Ness gibt.« Weiter hieß es: »Aber, dass die Polizei die Macht hat, es zu schützen, ist fraglich.« Die Jäger seien mit Harpunen bewaffnet und entschlossen, »das Monster tot oder lebendig zu fangen«. Die Spekulationen überschlugen sich, nachdem undeutliche Fotos von dem angeblichen Ungeheuer aufgetaucht waren.
Es gab auch eine parlamentarische Anfrage, damit die Regierung Ermittlungen aufnehme, um die Frage nach der Existenz zu beantworten. Zwar wurde dies in der Presse nicht ernst genommen, es gab aber dennoch Überlegungen, wie man »Nessie« einfangen könnte. Auch sollten »vertrauenswürdige Beobachter« am Seeufer positioniert werden, um das Monster abzulichten.
Bis heute ist »Nessie« ein Touristenmagnet. Berichte, dass in dem See ein Monster lebt, gibt es übrigens seit dem 6. Jahrhundert.
Quelle: DiePresse.com
Brasiliens Gesundheitsminister empfiehlt: fünfmal die Woche Sex
Bewegung ist gesund – das gilt auch für Geschlechtsverkehr, rät der Gesundheitsminister José Gomes Temporao von Brasilien. Fünfmal pro Woche solle man aktiv werden, empfahl er bei der Präsentation seiner Kampagne gegen Übergewicht und Bluthochdruck. »Nein, ich scherze nicht. Im Ernst: Regelmäßige physische Aktivität heißt auch Sex, sicherer Sex, versteht sich«, wurde der Minister von mehreren örtlichen Medien zitiert. Fünfmal pro Tag sei möglich, wurde er weiter zitiert, ratsam sei aber mindestens fünfmal pro Woche.
Quelle: welt.de
Türkinnen begehen häufiger Selbstmord

Photo: Günter Havlena/pixelio
Junge Frauen aus türkischstämmigen Familien begehen in Deutschland etwa doppelt so oft einen Suizidversuch wie Gleichaltrige ohne Migrationshintergrund.
Ein Grund liegt vermutlich im Konflikt zwischen traditioneller Rollenerwartung und moderner Lebensform. Gerade für junge Frauen aus türkischstämmigen Familien stellt dies eine schwere Belastung dar, zum Beispiel, wenn Eltern und Familie die Partnerwahl der Mädchen nicht akzeptieren. Hinzu kommt häufig die Erfahrung von Stigmatisierung und Ausgrenzung durch die deutsche Gesellschaft, bei manchen auch von familiärer Gewalt.
Ferner sind die Einstellungen zu seelischen Erkrankungen und deren Behandlung zwischen den verschiedenen Gesellschaften oft sehr unterschiedlich. Womöglich ist dies – neben sprachlichen und sozialen Barrieren – eine Erklärung dafür, dass Menschen mit Migrationshintergrund die Angebote des Gesundheitssystems seltener nutzen. Ganz besonders in der Psychotherapie ist die Hemmschwelle hoch.
Quelle: Psychologie Heute Online
Lügen per E-mail

Photo: Rainer Sturm/pixelio
In E-Mails wird gelogen, dass sich die Balken biegen, so eine Studie aus den USA. Der zufolge sind Menschen ehrlicher, wenn sie auf altmodische Weise zu Papier und Stift greifen. E-Mails erschienen uns dagegen so kurzlebig und so wenig handfest, dass sie offenbar zum Lügen verführen.
Charles Naquin und Kollegen von der University of South Carolina haben in zwei Experimenten die Ehrlichkeit ihrer Probanden getestet. Im ersten Versuch bekamen 48 Studenten eine imaginäre Kasse mit dem Inhalt von 89 Dollar geschenkt. Sie sollten einem unbekannten Versuchspartner entweder per E-Mail oder per Brief mitteilen, wie viel Geld in der Kasse war und wie viel davon sie zu teilen bereit wären.
Von den Studenten, die per E-Mail kommuniziert hatten, logen 92 Prozent und frisierten den Wert der Kassenfüllung zu ihren eigenen Gunsten. Von den Briefschreibern logen dagegen nur 63 Prozent. Die E-Mailer fühlten sich auch stärker dazu berechtigt, die Unwahrheit zu sagen – und sie zeigten sich beim Verteilen des Geldes unfairer gegenüber ihren Partnern.
Im nächsten Experiment sollten 177 Manager in Dreiergruppen gegeneinander antreten; jeder von ihnen musste als Leiter einer Forschungsgruppe mit den anderen um Forschungsgelder wetteifern. Diesmal kannten sich die Teilnehmer untereinander – und jede Lüge werde am Schluss aufgedeckt werden, versicherten die Forscher ihren Probanden. Aber auch diesmal logen und betrogen wieder die öfter, die per E-Mail Informationen austauschten.
»Beim Verlagern von Aufgaben ins Internet, die normalerweise schriftlich erledigt werden, sollte man sehr vorsichtig vorgehen«, empfiehlt Naquin. »Steuererklärungen etwa, die online ausgefüllt werden, könnten deutlich mehr Betrügereien enthalten als solche, die auf Papier abgegeben werden.«
Quelle: Psychologie Heute Online
Online einsam

Photo: Krümel/pixelio
Wer viel Zeit im Internet verbringt, leidet schneller unter Einsamkeit als Online-Meider. Das besagt zumindest eine weitere Studie der University of South Carolina.
Über 13.000 Menschen hatten in den Jahren 2004 und 2005 Angaben dazu gemacht, wie häufig sie das Internet nutzten, wie einsam sie sich fühlten und wie zufrieden sie mit ihrem Leben waren. 754 der Probanden wurden in beiden Jahren befragt, so dass die Forscher eine Entwicklung über diesen Zeitraum nachvollziehen konnten.
Das Ergebnis: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die vergleichsweise viel Zeit im Internet verbrachten, fühlten sich im Schnitt einsamer und waren unzufriedener als die, die seltener online waren. Dagegen scheint es auch nichts zu bringen, sich online mit anderen Menschen auszutauschen. Bei den Probanden, die zu beiden Zeitpunkten 2004 und 2005 befragt wurden, zeigte sich ein eindeutiger Trend: Stieg ihre im Internet verbrachte Zeit an, so nahm ihre Einsamkeit zu und ihre Lebenszufriedenheit ab. Die gleiche Wirkung hatte eine verstärkte Kommunikation in Chatrooms und per Instant-Messenger-Programmen wie Skype.
Studienleiterin Irena Stepanikova und ihre Kollegen betonen jedoch, dass die Richtung des Einflusses nach wie vor unbekannt sei: Einsamkeitsgefühle könnten die Menschen dazu bringen, mehr Zeit im Netz zu verbringen – genauso gut könnte das viele Surfen aber auch erst zu Einsamkeit führen. Eventuell sei auch ein dritter Faktor für beides verantwortlich.
Quelle: Psychologie Heute Online
Surftipps des Monats
www.connection.de: Facelifting
Unsere Webseite hat ein Facelifting verpasst bekommen. Zur besseren Orientierung haben wir auf die Startseite eine Übersicht über unsere Themenfelder platziert und die Kategorien besser strukturiert. Neu: Wir sind jetzt nicht nur auf Facebook, Twitter und MySpace vertreten, sondern haben auch einen eigenen Kanal auf YouTube, wo u. a. das connection Esoterik-Kabarett zu bewundern ist.
Autorenverzeichnis
Unsere Praktikantin Sandra Ewaller hat die Kurzlebensläufe von 1200 Autoren zusammengetragen, die seit 1985 für connection geschrieben haben. Praktischer Nebeneffekt: Die Kurzvita erscheint als Infofenster, wenn man in den Artikeln mit der Maus über den Namen fährt.
Bernd Senf über die Destruktivität unseres Geldsystems
Schon lange vor Ausbruch der Weltfinanzkrise hat Bernd Senf, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin, die destruktiven Tendenzen des bestehenden Geldsystems aufgezeigt und grundlegende Veränderungen angemahnt: Interview mit Bernd Senf
Webredakteur
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Aus dem Heft connection spirit 07–08/10
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