Polemik eines Religionssoziologen

Der »Teufel Scientology«
Man kann über Scientology berichten – das wird sehr oft getan. Man kann aber auch über die berichten, die über Scientology berichten. Das ist insofern bedeutsamer als diese Berichterstatter viel mächtiger sind als die Scientologen, und sie zeigen in hohem Maße Eigenschaften, die sie dem Objekt ihrer Wut und Besorgnis unterstellen. Wir haben zu diesem Thema einen der wenigen wissenschaftlich ausgewiesenen Kenner von Scientology in Deutschland befragt, den Religionssoziologen Gerald Wilms.
Obwohl neureligiöse Bewegungen, sogenannte »Sekten«, in Deutschland seit je mehr oder weniger umfassend stigmatisiert wurden, sind die gesellschaftliche Verhandlung und der Umgang mit Scientology doch ein Sonderfall: Keine andere neureligiöse Gruppe wurde bisher in vergleichbar dramatischer Weise in der Öffentlichkeit als gefährlich und böse dargestellt, keine andere neureligiöse Gruppe erfährt in Umfragen eine derart einmütige Ablehnung, und keine Gruppe sah sich bisher einer derart dauerhaften und alle gesellschaftlich-institutionellen Ebenen übergreifenden Stigmatisierung ausgesetzt – und nie zuvor haben staatliche Stellen gegenüber einer neureligiösen Gemeinschaft so umfassend und nachhaltig gehandelt wie gegenüber Scientology.
Deshalb möchte (muss?) ich als öffentlich tätiger Mensch in dieser gesellschaftlichen Situation mit den obligatorischen Gesinnungsausweisen anfangen: Ja, es gibt viele Gründe Scientology nicht zu mögen. Dass Scientology, wie jede Religion, ideelle Eigenschaften aufweist, die dem aufgeklärten Welt- und Menschenbild zuwiderlaufen ist unstreitig, und dass die internen scientologischen Praktiken nicht am Summerhill-Ideal ausgerichtet sind, ist zutreffend. Scientology ist auch definitiv keine fröhliche Hippiereligion, und sie gehört weder zu den esoterisch-harmonischen Kuschelreligionen noch zu den weltabgewandt vor sich hin frömmelnden Betgemeinschaften. Dass sich die straff organisierte amerikanische Scientology-Spitze als geheimer Elitebund zur Weltrettung versteht, wird man kaum bestreiten können, und es ist richtig, dass Scientology-Gründer L. Ron Hubbard das scientologische Programm nicht mit Rücksichtnahme auf das deutsche Grundgesetz formuliert hat. All das rechtfertigt Skepsis, ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit und, wo nötig und berechtigt, auch Kritik.
»Niacin-stinkende Sciento-Zombies«
Nun ist es freilich nicht so, dass in Deutschland diesbezüglich ein Mangel herrschen würde. Scientology genießt seit Anfang der 1990er Jahre ein solches Übermaß an öffentlicher Aufmerksamkeit, dass ein feinsinniger Beobachter der medialen Debatte schon 1996 urteilte, dass man den Eindruck gewinnen könne, »das ganze Abendland stünde kurz vor dem Untergang – und verantwortlich dafür seien die Machenschaften der Scientology-Organisation«. Tatsächlich wurde in der Bundesrepublik keine andere neureligiöse Gemeinschaft jemals in vergleichbar dramatischer Weise in der Öffentlichkeit als so gefährlich und böse dargestellt. Niemals zuvor wurde eine »Sekte« so dauerhaft und so offen polemisch über alle gesellschaftlichen Ebenen hinweg angefeindet. Dementsprechend erfährt auch keine andere neureligiöse Gruppe in Umfragen eine derart einmütige Ablehnung durch alle Teile der Bevölkerung. Wer sich das zweifelhafte Vergnügen gönnt, sich ein wenig durch den intellektuellen Bodensatz der »Anti-Szene« (Ursula Caberta) im Internet treiben zu lassen, wird gegenüber den »niacin-stinkenden Sciento-Zombies« auch einen beängstigend inquisitorischen Tonfall vernehmen können.
Das Weltbild der Scientology-Hasser
Mit der historischen Inquisition hat der gesellschaftliche Scientology-Diskurs gemein, dass er im Wortsinne ebenso »unsachlich« ist, weil auch er weitgehend von sachlichen Informationen befreit ist bzw. hier ein gegenständliches Wissen nur streng gefiltert und allenfalls in homöopathischen Dosen vermittelt wird. Diese Aussage mag nun, um im Bild zu bleiben, etwas ketzerisch erscheinen, weil die Wahrheit-über-Scientology-Lektüre der letzten zwanzig Jahre mittlerweile kleinere Bibliotheken füllt. In dieser seltsamen Mischung aus Betroffenheitslyrik und pseudo-investigativer Recherche kommt freilich eine sehr subjektive Wahrheit zum Ausdruck. Diese ist logischerweise gerade nicht repräsentativ für Scientology, sondern im Gegenteil für das, oft bestechend naive, Welt- und Scientologybild jener, die Scientology aus tiefstem Herzen hassen; ob mit Recht oder nicht ist dabei unerheblich, weil ohnehin nur diese Wahrheit medial von Interesse ist. Und so wird man auch in der Reportage- und Talkshowlandschaft nicht müde, die immergleichen Geschichten anhand der immergleichen Klischees zu erzählen – und die Hauptrollen mit den immergleichen Akteuren aus der Anti-Szene zu besetzen. Flankiert und machtpolitisch aufgepeppt wird der Diskurs von professionellen Demokraten, kirchlichen Weltanschauungsbeauftragen und sonstigen Freiheitsexperten mit unklarer Qualifikation, die ihre Inquisitionspolemik gegenüber Scientology für einen Freiheitskampf halten. Dass der Kampf gegen Scientology ein Kampf für die Freiheit sein soll, ist indes eine dieser widersinnigen rhetorischen Figuren aus der Anti-Szene, weil man einen Freiheitskampf ja gemeinhin aus der Position einer unterdrückten Minderheit und nicht als Schaum auf der Bugwelle der Herrschaftsmeinung führt.
Hubbards Schriften im »Giftschrank«
Die Anti-Szene hat exakt die Ziele erreicht, die sie beständig der Scientology-Organisation unterstellt
Die erste Wahrheit über Scientology ist deshalb
zunächst eine andere: Scientology ist eine so hoch
stigmatisierte soziale Minderheit, dass sie kaum in der Lage ist, ihre
eigene Sicht der Dinge außerhalb der eigenen Strukturen und
Anhängerschaft zu verbreiten. Öffentliche Werbe- und
Informationsveranstaltungen der Organisation werden fast
überall von kommunalen Behörden unterbunden oder
mindestens von medienwirksamen Protestveranstaltungen begleitet.
Buchhandlungen verkaufen seit 1996 auf Empfehlung des
Börsenvereins des Deutschen Buchhandels keine
Scientology-Bücher oder -filme, öffentliche
Bibliotheken stellen keine Scientology-Lektüre aus, und selbst
in manchen Universitätsbibliotheken stehen Hubbards Schriften
im »Giftschrank«. Am bedeutsamsten aber ist, dass
auch die Medien sich die weitgehend befolgte
Selbstbeschränkung auferlegt haben, den Scientologen kein
öffentliches Forum zu bieten bzw. dieses allein für
die Anti-Szene, also die »Scientology-Opfer« und
selbst ernannte »Sektenexperten« zu reservieren.

Stern-Titel 1995
Medienbürger in Dauerpanik
Otto-Normalbürger – hier wie auch an allen anderen männlichen Formen ist stets die weibliche Seite mitgemeint – hat also vielleicht eine Meinung über jenes von der CSU liebevoll »Krebsgeschwür« und »Seuche« genannte Etwas, was ihm medial unter dem Begriff Scientology vorgestellt wird. Faktisch kennt er aber weder »echte« Scientologen, noch ist er mit den Inhalten der scientologischen Lehren oder der Praxis der Organisation vertraut. Alles, was die unter Dauerpanik gehaltenen Medienbürger über Scientology an Informationen erhalten, entstammt dem streng nach Stigmatisierungsnutzen, Sensations- und Gefahrenpotenzial selektierten Wissensbestand der Anti-Szene. Und dort vergeht seit nunmehr zwei Jahrzehnten kaum ein Tag, in dem man nicht versuchen würde, auf die »verstärkten Aktivitäten«, den »neuen Zulauf«, die »starke Ausbreitung« und die nun fast vollzogene »Unterwanderung« von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft hinzuweisen. Dass Scientology allerdings »nach wie vor« keinen Erfolg hat – und auch »keinerlei Einfluss auf Bundes- oder Landespolitiker« – wie der Berliner Verfassungsschutz vor Kurzem bekannt gab, ist fraglos eine besorgniserregende Meldung – allerdings für die Anti-Szene.
Andererseits wissen die Medien selbst solche wenig verkaufsfördernden Meldungen klein zu halten. Deshalb konnte man auch die Feststellung der Bundesregierung aus dem Jahre 2000, dass »eine Einflussnahme der Scientology-Organisation in der Wirtschaft [...] bisher nicht festgestellt werden« konnte, dort nicht finden. Auch dass die diversen Verfassungsschutzämter seit nun fast fünfzehn Jahren außer den bekannten markigen Sprüchen keine konkreten Anhaltspunkte für tatsächlich stattfindende Aktivitäten Scientologys gegen die Freiheitlich Demokratische Grundordnung feststellen können, erscheint den Medien nur selten berichtenswert. Tatsächlich sind die der Scientology-Organisation von der Anti-Szene unterstellten und medial brav multiplizierten Kapitalverbrechen von globalem Ausmaß (Mord, Menschenraub, räuberische Erpressung, organisierte Wirtschaftskriminalität usw.) die fiktive Komplementärmenge zu jenen tatsächlichen Verbrechen, die auf der juristischen Agenda in Deutschland stehen: unerlaubte Straßenwerbung, widerrechtliches Verteilen von Handzetteln, Verstöße gegen das Heilpraktikergesetz, Klagen/Unterlassungsklagen in Bezug auf zulässige/nicht zulässige Behauptungen, Klagen wegen Beleidigungen und übler Nachrede usw.
Die Erfolge der Anti-Szene
Wer will schon wissen, dass die große Mehrheit jener, die einen Scientology-Kurs besuchen, nie wiederkommen
Dass die Konstruktion der Gefahren sowie die geforderten Maßnahmen immer abenteuerlicher werden, ergänzt sich zwar prächtig, verhält sich aber umgekehrt proportional zur Sachlage: In der deutschen Realität bekommt Scientology schon aufgrund des permanenten öffentlichen Drucks kein Bein auf den Boden. Die stetige »Ausbreitung« und die herbeifabulierten »Milliardengewinne« der Organisation entspringen den Interessen jener, die mit der Erzeugung dieser Informationen ihre eigene Existenzsicherung betreiben. Als Scientology Anfang der 1990er Jahre vollmundig auf 80.000 Mitglieder in Deutschland verwies, lancierte die Anti-Szene bereits Mitgliederzahlen von 500.000. Als Scientology seine weltweite Mitgliederzahl in schonungsloser Übertreibung mit 8 Millionen angab, zählten die selbsternannten »Aufklärer« bereits 25 Millionen. »Erfolgreich sein« ist seit jeher das Credo des scientologischen Selbstbildes, aber die lautesten Verkünder solcher bewusst Ängste schürenden Erfolge sind fraglos die Scientology-Gegner. Auch die »riesigen Gewinne« der Scientology-Organisation in Deutschland sind, falls sie denn überhaupt welche macht, letztlich nur ein Bruchteil dessen, was in der weit gestreuten »Anti-Szene« mit der literarisch-medialen Abschöpfung des scientologischen Sensationspotenzials verdient wird.
Während die Scientology-Organisation sichtlich Mühe hat, überhaupt noch Anhänger öffentlich vorweisen zu können – und für verschiedene Aktionen sogar Personal aus Übersee einfliegen lassen muss – expandiert faktisch nur die Anti-Szene, die sich schon Mitte der 1990er Jahre zu einer manifesten und politisch einflussreichen Lobby gemausert hat. Dafür spricht unter anderem eine sprunghaft gestiegene Zahl von kirchlichen, staatlichen und etlichen semi-privaten »Beratungsstellen«. Deren Existenzberechtigung ist wiederum der selbst erzeugte permanente mediale Alarmismus, der erst jene »besorgten Bürger« hervorbringt, die anschließend und fast immer völlig grundlos die Beratungsstellen überrennen. Im Gegensatz zur Scientology-Organisation also, die, wie die FAZ jüngst titelte, einen »schleichenden Niedergang« erlebt, füttert die Anti-Szene die willfährige Medienschar weiterhin mit neuen Mutmaßungen über den »Teufel Scientology« (Ursula Caberta), der sich bekanntlich in jedem Detail verbergen kann.
Debatte ohne Expertise
Faktisch bekleidet die Anti-Szene seit etwa Mitte der 1990er Jahre sehr erfolgreich die »Türsteher-Funktion« des gesellschaftlichen Diskurses. Mit diesem Fachbegriff aus der Soziologie bezeichnet man jene Institutionen oder Menschen, die nicht nur willens, sondern vor allem in der Lage sind zu kontrollieren, welche Informationen überhaupt in den Diskurs bzw. an die Öffentlichkeit gelangen – und welche nicht. Und die Erlangung und Aufrechterhaltung des Informationsmonopols beinhaltet hier mehr, als nur Informationen aus erster Hand, also von Scientology selbst, zu unterbinden. Dabei müsste es doch eigentlich auffallen, dass die gesellschaftliche Debatte fast gänzlich ohne wissenschaftliche Expertise, besonders aus den Sozial- und Religionswissenschaften stattfindet. Ebenso vermisst man im öffentlichen Diskurs weitgehend jenen kritischen Journalismus, der ansonsten so hellhörig ist, wenn kollektiv auf gesellschaftliche Randgruppen eingeprügelt wird. Und zuletzt fehlen auch die liberalen politischen Stimmen, die sonst stets auf demokratische Allgemeinplätze wie Selbstverantwortung, Rechtsstaatlichkeit und (Religions-)Freiheit hinweisen.
Informationsmonopol der Anti-Szene
Dass man diese zwar wenigen, aber dennoch real existierenden Stimmen kaum vernimmt, liegt an der sehr professionell arbeitenden und durch eine starke politische Lobby abgesicherten Anti-Szene, die ihr Informationsmonopol über Scientology mit allen Mitteln verteidigt. Die selbsternannten »Experten« der Anti-Szene haben nämlich längst realisiert, dass von Scientology selbst weit weniger Gefahr ausgeht, als von einer sachlich-nüchternen Auseinandersetzung mit dem Thema. Und da sind es im Besonderen die Ansichten und Ergebnisse aus der sozial- und religionswissenschaftlichen Forschung, die als Bedrohung angesehen werden. Denn: Wer will schon wissen, dass die große Mehrheit jener, die einen Scientology-Kurs besuchen, nie wiederkommen oder dass ein Prozentsatz nahe Hundert ihren Glauben nach spätestens zwei Jahren wieder aufgeben hat. Vor eben dieser Art von zwar wissenschaftlich abgesichertem, aber für die Anti-Szene existenziell bedrohlichem Wissen »beschützt« die Anti-Szene die Öffentlichkeit – und damit letztlich sich selbst.
Verdächtigungen
Letztlich wird aber auch jeder, der im Zusammenhang mit
Scientology
lediglich auf Religionsfreiheit, rechtsstaatliche Grundsätze
oder demokratische Grundwerte hinweist, bezichtigt, Politik im Sinne
der Sekte zu betreiben. Dies müssen nicht Wissenschaftler oder
die offiziellen Vertreter des Rechtsstaates, beispielsweise Politiker
oder Richter erfahren, sondern auch Journalisten. Dabei ist es
unerheblich, ob es sich um seriöse Journalisten handelt, die
sich an einer sachlichen Darstellung des Themas versuchten, oder um
ihre Kollegen vom Boulevard, wenn sie beispielsweise in Artikeln
über den Schauspieler Tom Cruise vergessen hatten, mit der
gebotenen Dringlichkeit darauf hinzuweisen, dass er der bösen
Scientology-Sekte angehört. Wenn man also als Politiker oder
Journalist darauf verzichten möchte, von der einflussreichen
Lobby der Anti-Szene medial hingerichtet zu werden, dann tut man gut
daran, entweder die Finger vom Thema zu lassen oder in den Kanon der
Anti-Szene einzustimmen. Die Seismographen der Anti-Szene registrieren
jede vermeintliche auch nur verbale Schwäche
gegenüber der Scientology-Organisation als
»Verharmlosung«.
Der öffentliche Umgang mit Scientology gleicht also dem
»Heiße-Kartoffel-Problem«: Wer zulange an
einer von der Anti-Szene nicht tolerierten Meinung über
Scientology festhält, verbrennt sich zwangsläufig die
Finger. Das prominenteste Beispiel war sicherlich der 2008 geschasste
Direktor des Hannah-Arendt-Institutes, Gerhard Besier. Nachdem dieser
selbst am öffentlichen Pranger der Anti-Szene noch obstinat
die Ansicht vertrat, dass auch Scientology das Recht auf
Religionsfreiheit in Anspruch nehmen dürfe, war er als Inhaber
eines quasi-politischen Amtes nicht mehr haltbar. Auch er musste
lernen: Wer im Zusammenhang mit Scientology auf rechtsstaatliche
Grundsätze oder demokratische Grundwerte hinweist, macht sich
im verdächtig, »Sektenpropaganda« zu
betreiben. Dass diese absurde Logik gesellschaftsfähig ist,
ist das zweifelhafteste Verdienst der Anti-Szene. Aber auch dieses
verdrehte Sprachspiel – L. Ron Hubbard hätte von
einer gelungenen »Redefiniton« von Wörtern
gesprochen – ist nur ein weiteres und ziemlich trauriges
Indiz dafür, dass die Anti-Szene exakt die Ziele erreicht hat,
die sie beständig der Scientology-Organisation unterstellt,
nämlich die Unterwanderung des politischen Systems und die
Gleichschaltung der Medien.
Ursula Caberta und Thomas Gandow
Abschließend und falls das eigentlich Selbstverständliche nicht selbstverständlich sein sollte: Natürlich gibt es mittlerweile einige wenige seriös arbeitende Scientology-Arbeitsgruppen, die im genannten Sinne auch nicht zur Anti-Szene gezählt werden können. Andererseits kann man die Ergebnisse ihrer Arbeit aber auch nur mit Mühe finden, weil sie keinen Widerhall in den Medien finden. Ganz im Gegensatz zu den beiden medial hofierten Flaggschiffen der Anti-Szene – Ursula Caberta von der Hamburger Arbeitsgruppe Scientology und Pfarrer Thomas Gandow vom fundamentalchristlichen Berliner Dialogzentrum. Dieses aufeinander eingeschworene säkular-christliche Doppel ist fraglos die meinungsmachende Speerspitze im Kampf gegen Scientology. Und leider liegen die Ziele dieser beiden seit jeher nicht in Information oder Aufklärung, sondern in der Verbreitung und Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Panik.
Dr. Gerald Wilms







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Kommentare
Wie in einem disfunktionalen Familiensystem immer ein Familienmitglie d der Sündenbock ist, auf den dann alle Schattenanteile der anderen projiziert werden, so scheint es auch gesellschaftlic h dieses Phänomen zu geben. Früher waren die Juden die Sündenböcke. Diese sind nun nicht mehr dafür verwendbar, also sucht sich der unterirdische Fluss eine andere Bahn. Mir scheint, Scientology hat nun den schwarzen Peter gezogen. Die Hysterie ist wirklich unvergleichlich und allein das sollte doch schon ein Hinweis sein, dass hier etwas nicht stimmen kann.
Das Problem ist halt, dass Scientology nicht als exotisch-weltfremdes Hippie-Getue abgetan werden kann. Diese Leute tragen Anzug und sind materiell erfolgreich. Das erweckt Misstrauen und Neid.
Ich las ihre Schriften und lernte die Menschen kennen (siehe das Interview von mir in Tattva Viveka 43). Zunächst zeigt sich mir hier ein spiritueller Weg, der viele praktische und anwendbare Techniken bereithält, um alte Schmerzmuster zu verarbeiten und die eigene spirituelle Kraft zu erweitern. Auch sind sie gottgläubig, und sehen ihre Aufgabe im Dienst am Menschen.
Natürlich wird jetzt die Gegnerschaft sagen, das sind nur die vorgetäuschten Fassaden. Dahinter sitzen die bösen Mächte. Bei der Prüfung der Anti-Scientology-Literatur von Ursuala Caberta bis hin zum Bayerischen Verfassungsschu tzbericht musste ich allerdings feststellen, dass es nirgendwo konsistente, ernstzunehmende Kritikpunkte gibt. Das dort Gesagte beruhte doch alles auf irrationaler Meinungsmache, die eher hysterische als vernünftige Züge aufweist, ausgehend von einer vorgefassten Ablehnung gegenüber allem, was nicht kirchlich-christlich bzw. agnostisch ist.
Ronald Engert
Chefredakteur Tattva Viveka
www.tattva-viveka.de
http://www.tattva-viveka.de/index.php?keywords=scientology&rubrik=13&loc=start
Wer sich Wissenschaftler nennt und so viel Wert auf Ausgewogenheit legt, der sollte immer alle Seiten der Medaille zeigen. Herr Willms erwähnt die von Scientology Geschädigten bzw. zu Tode gekommenen nicht bzw. macht sich indirekt lustig über sie. Ich finde das unverantwortlic h. Wer immer nur die Hochglanzprospe kte der Atomlobby anschaut, wird irgendwann auch für Atomkraft sein.
Ein kleiner Blick auf die Erfahrungen und Zeugnisse von Aussteigern sollte genügen um zu erkennen, dass es sich hier um keine Massenhysterie der Gesellschaft handelt, sondern um ganz handfeste Unmenschlichkei t und teilweise Kriminalität. Eine Liste von mehr als 1000 Personen findet sich hier, wenn Herr Willms damit durch ist, nehme ich ihn wieder ernst:
http://wiki.whyweprotest.net/Former_Church_of_Scientology_members_who_have_spoken_out
Wir haben immer wieder gesagt, dass die Scientology Diskussion in Deutschland unverhältnismäß ig ist.
Was wohl weniger bekannt ist ist, dass die Scientology Kirche in einer Vielzahl von Ländern bereits als Religionsgemein schaft anerkannt ist. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche gerichtliche Entscheidungen, die bestätigen, dass sich Scientologen oder die Scientology Kirche auf den Schutz des Artikel 4 GG ( Religionsfreihe it) berufen können.
Eine längst überfällige Entscheidung hat der Hamburger Senat vor kurzem verkündet. Die Arbeitsgruppe Scientology in Hamburg fällt den Sparzwängen zum Opfer. Die von Herrn Willms genannte Frau Ursula Caberta hat in den letzten Jahren das gebotene Maß an staatlicher Neutralität vermissen lassen. Cabertas rechtswidriges Agieren war wiederholt Anlass von Gerichtsprozess en gewesen. Die Scientology Kirche und ihre Mitglieder mussten diese anstrengen, um diskriminierend e Handlungen wie Cabertas verfassungswidr igen Sektenfilter oder polemische und unwahre Behauptungen über Scientology zu unterbinden und generell Cabertas Arbeitsgruppe in die Schranken des Rechts zu verweisen.
Bereits Ende der 90er Jahre hatte Caberta einen Prozess gegen die Scientology Kirche verloren, welche die folgenden Vorwürfe gegen sie erhoben hatte: „Missachtung des Grundgesetzes (Artikel 3,4 und 5), Verletzung der Menschenrechtsk onventionen der KSZE und der Vereinten Nationen, Verletzung des staatlichen Neutralitätsgeb otes, Amtsmissbrauch, Verletzung des Datenschutzgese tzes, widerrechtliche Boykottaufrufe“ .
Sowohl das LG und OLG Hamburg (Az. 7 U 128/97) gaben der Scientology Kirche Recht, aufgrund zahlreicher Anhaltspunkte diese Vorwürfe gegen Caberta erheben zu dürfen. Für diese Vorwürfe gibt es heute wesentlich mehr und massivere Anhaltspunkte als im Jahre 1997/98.
- Aufgrund der Annahme eines zinslosen und tilgungsfreien „Darlehens“ von 75.000 USD von einem mittlerweile verstorbenen US-Millionär hatte die Scientology Kirche im Jahre 2000 Anzeige wegen Vorteilsnahme und Bestechlichkeit bei der Hamburger Staatsanwaltsch aft erstattet. Das Strafverfahren endete jedoch mit einem Deal der beteiligten Parteien, wobei das Verfahren gegen Caberta wegen Vorteilsnahme unter Auflage einer Geldbusse von 7.500 Euro im Juni 2002 eingestellt wurde. Caberta hatte sich durch dieses Verhalten korrumpiert und gänzlich unglaubwürdig gemacht. Deshalb hatte die Scientology Kirche schon damals Cabertas fristlose Entlassung als einzig richtige Maßnahme gefordert.
- Ein Hamburger Gericht hat bereits im Jahre 2003 die verfassungsmäss ig geforderte Neutralität im Falle von Caberta als nicht erfüllt angesehen. Ein weiteres Hamburger Gericht kritisierte den Senat im Jahre 2008 für das Fehlen disziplinarrech tlicher Schritte wegen der wiederholten Missachtung von Gerichtsentsche idungen durch Cabertas Arbeitsgruppe und der damit verbundenen politischen „Ladehemmung“.
Im Jahre 2008 hat das VG Hamburg sogar ein Ordnungsgeld von 5.000 Euro (Az. 9 V 99/03) gegen die Arbeitsgruppe Scientology verhängt, weil gerichtliche Anweisungen bewusst missachtet worden sind.
- Noch im April 2010 hatten die Anwälte der Scientology Kirche der Stadt Hamburg mit einer Schadensersatzk lage gedroht, weil Caberta zum X-ten Male die erfundenen Stories vermeintlicher Aussteiger im Fernsehen mit dem Mantel der Glaubwürdigkeit versehen hatte. Der Senat hat offenbar auch hieraus die notwendigen Konsequenzen gezogen und Caberta generell die Zuständigkeit für solche Personen entzogen.
Frau Caberta hat das Thema Scientology in Deutschland im höchsten Maße emotionalisiert . Wenn es allerdings um die Fakten ging haben die Gerichte in den meisten Fällen zugunsten der Scientology Kirche entschieden.
Es ist zu hoffen, dass nun auch in Deutschland eine sachliche Auseinandersetz ung stattfinden kann. Die Scientology Kirchen in Deutschland sind 7 Tage die Woche geöffnet und jeder ist herzlich eingeladen sich eine eigene Meinung zu bilden.
Frank Busch
Scientology Kirche Hamburg e.V.
-Presseamt-
... um vielleicht ein paar eher allgemeinbilden de Sachen dazu zu sagen:
a) wer sagt, dass ich oder Wissenschaftler im Allgemeinen, \"Wert auf Ausgewogenheit\ " legen? Politiker legen (vielleicht) Wert auf (moralische?) \"Ausgewogenheit\ "; Wissenschaftler n geht es um \"Objektivität\" in Bezug auf ein bestimmten Gegenstand. b) Das Thema/der Gegenstand hier ist: \"Der Teufel Scientology\" und wer ihn an die sprichwörtliche Wand malt - und nicht das Nachsummen der schon tausendmal gehörten Opfermelodien. Das mag auch wichtig sein, und wird (im Übrigen ohne jeden Anflug von \"Ausgewogenheit\ ") ja auch andauernd, z.B. vom \"why-we-protest-net\" getan. c) Soweit hier am Rande das Weltbild von Scientology interessiert, muss man es so schildern, wie es Scientologen sehen und nicht wie es \"ehemalige\" oder \"keine\" Scientologen sehen. d) ... und natürlich handelt es sich objektiv(unbeno mmen nicht wegzudiskutiere nder Einzelschicksal e)um \"Massenhysterie\ ", die eben nicht jeder teilt - egal ob er \"ernst genommen\" wird oder nicht
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