Zen Mind, Beginner's Mind
Die ersten 25 Jahre …
Als Pioniere auf dem Weg zu einer transkulturellen Spiritualität hatten wir es schwer, bedauerten uns selbst, beklagten uns über die anderen und fanden doch immer zurück zu dem Schopf, aus dem wir uns dann selbst aus dem Sumpf zogen. Der Verlag hat überlebt, sich erneuert und ist eine heiße Stätte der Bildung geblieben, der Innovation und Provokation, des Aufbruchs und eines professionellen Anfängergeistes
Von
Wolf Schneider
25 Jahre sind eine lange Zeit. »Ohne dich wäre ich ein anderer«, habe ich eines meiner Bücher genannt (das über Liebe und Beziehung). Ja, das ist es: eine Liebesbeziehung, und zwar eine, die mich so geprägt hat wie sonst kaum etwas. Ohne sie, ohne dich, liebe connection, wäre ich ein anderer.

Connection 1991
Man kann nicht sagen, dass ich sie gegründet hätte, das klingt viel zu planvoll. Ich habe connection initiiert und mich dann ihr überlassen, ihr hingegeben, so wie ich es als spiritueller Schüler kannte: Hingabe ist das Entscheidende. Hingabe ist das Wesen der Liebe und der Erkenntnis; sie ist das, was einen transformiert.
Die Geliebte verlangte viel von mir, aber der Gewinn war, dass ich mit ihr 25 Jahre lang an einer heißen Schnittstelle so vieler spannender Bewegungen der mitteleuropäischen spirituellen Szene und des Human Potential Movement stehen durfte. Länger als jeder andere. Immer wieder verzweifelt und neu aufgebrochen, immer wieder am Anfang – Zen-Geist, der Geist des Anfängers. Und das alles geschah nicht nur am Schreibtisch, vor dem Bildschirm, natürlich nicht, es war das Ganze.
25.000 veröffentlichte Seiten
Zunächst ein paar Zahlen. Dieser Verlag hat in 25 Jahren 235 connection-Hefte veröffentlicht (seit 2005 heißen sie connection spirit). Außerdem 87 Sonderhefte (connection special, dann auch connection extra), 15 Bücher und 4 Jahreskalender. Mehr als anderthalb Millionen Hefte haben wir in diesen Jahren nicht nur gedruckt und verteilt, sondern verkauft. Die veröffentlichen Zeitschriften-Seiten (DIN A4) allein dürften mehr als 25.000 sein, das sind ungefähr drei pro Kalendertag. Die Seiten aufrecht nebeneinander gelegt ergäben eine Strecke von mehr als fünf Kilometern. Auf diesen Seiten haben mehr als 1200 Autoren für uns geschrieben – ihre Kurzdaten (möglichst mit Foto) wollen wir zu unserem Jubiläumsfest auf connection.de stellen. Publiziert haben wir aber nicht nur Gedrucktes, sondern seit Ende der 90er Jahre auch auf unseren Webseiten, auf connection.de seit ein paar Jahren täglich. Auch dort hat sich eine Menge »Content« angesammelt und bleibt zugänglich. Unsere beiden Praktikanten Sandra Ewaller und Christian Marx helfen uns zur Zeit, diese Schätze neu zu sichten und zu ordnen. Bald sollen die ersten Dossiers aus dieser Schatzkammer im connection-Shop à 2,50 € erhältlich sein – unser Start mit payed content im Internet, das große Thema aller großen Verlage heute.
Die Sangha
Ich hatte den Verlag 1985 in München mittellos begonnen. Wir alle arbeiteten unbezahlt, trotzdem entstand ein Minus. Das deckte ich anfangs mit Taxifahren, das mich schon die Jahre davor ernährt hatte. Dann verlegte ich mich ganz aufs Büro, das auch WG-Etage war, und deckte die Defizite mit Privatkrediten. 1991 zogen wir aufs Land, dort lebten wir Macher der connection als Gemeinschaft, als »Sangha«. Das Zusammenleben schlug sich sehr negativ in der Bilanz nieder, denn ich wollte, das »wir« die Zeitschrift machen und vertraute dem Chaos. Dabei schälte sich allmählich, schmerzhaft und unerbittlich, die Bedeutung des Personalen auch für dieses so radikal transpersonale Projekt heraus. Ich blieb beim spirituellen Anarchismus, fügte mich aber schließlich in die Rolle des sozialen Chefs, so konnte das Projekt überleben.
»Familiarity breeds contempt«, die Bedeutung dieses englischen Sprichworts war für uns vielleicht die größte Herausforderung und ist es noch. Das gurufreie Zusammenleben mit spirituellem Anspruch ernüchtert und fordert unausweichlich höchste (Selbst)Wertschätzung. Wer das nicht kann, scheitert. Wer es kann, liebt und findet sich. Menschen kamen mit Zweifeln an ihren Überzeugungen, ihrem Beruf, ihrem bisherigen Leben. Sie fanden hier – noch tiefere Zweifel. Dann aber neuen Lebensmut, eine Vision, einen Partner. Oder auch die Vision oder den Partner. Oder zeugten ein Kind, gründeten eine Familie. Kinder wuchsen hier auf, gingen zur Schule, und auch die Erwachsenen lernten, lernten, lernten. 19 Jahre Geschichte in einem Haus, das nun 146 Jahre alt ist und einst der soziale Mittelpunkt des Dorfs war.
Die Ökonomie
Das miteinander Leben und die engen wirtschaftlichen Grenzen forderten mich stärker als das Erstellen der Inhalte. Die Inhalte zu erstellen, das begeistert mich, es fällt mir glückbringend in den Schoß. Das Ökonomische jedoch fiel mir schwer. Für diese Aufgabe suchte ich zwanzig Jahre lang nach einem Menschen, das das ebenso leidenschaftlich machen würde wie ich die Inhalte. Ich fand keinen. Ein Freund, Verlagsleiter bei Gruner&Jahr, rechnete mir aus, ob das Projekt connection sich tragen könne. Seine Antwort war ein klares »Nein«. Und: »Es gibt sie! – Ökonomisch gesehen ein Wunder. Mach weiter, pflege das Wunder!«
Der Geist war stark, jedoch das Geld war knapp. So lebten wir immer hart an der Kante, wo es auf jede Kleinigkeit ankommt. Das schult das Bewusstsein
So pflegte ich das Wunder. Es überlebte »Das Hologramm«, »Dao«, »Mensch&Sein«, den Marktführer »Esotera« und viele andere spirituelle Zeitschriften und steht heute, zwei Jahre nach der AG-Gründung, besser da denn je. Mein Urmotiv war: Durch die Herausforderung, eine spirituelle Zeitschrift zu erstellen, mich weiterzuentwickeln. Das ist zweifellos geschehen. Ich wollte nicht mehr nur passiver Konsument spiritueller Lehren sein (das war ich in meiner Lernzeit als buddhistischer Mönch, dann Sannyasin), nicht mehr nur Mitmacher, sondern aktiver Weltverbesserer: Schöpfer und Mitschöpfer großer Ideen und Projekte. Was dann tatsächlich meine Tage dominierte war – jedenfalls vordergründig – nicht mehr das Spirituelle, sondern das Ökonomische und Soziale. Der Geist war stark, jedoch das Geld war knapp. So lebten wir immer hart an der Kante, wo es auf jede Kleinigkeit ankommt. Auch das schult das Bewusstsein.
Das echte Wissen
Als ich anfing, hatte ich nicht nur kein Geld und keine Qualifikation, sondern auch nur mäßig viel Wissen. Und wollte mehr: vor allem noch mehr erfahren und wissen, echtes Wissen erwerben! Das musste ich mir also erschleichen, oder sagen wir: eintauschen. Ich arbeitete bis zur Erschöpfung für meinen kleinen Verlag und kam so mit »den Großen« der spirituellen Szene auf Augenhöhe zusammen, als Partner, nicht mehr als Konsument ihrer Programme. Sie kamen zu mir oder luden mich zu sich, schickten mir ihre Bücher und Videos, ich interviewte sie, schrieb über sie, verhandelte mit ihnen – nicht mehr in meiner Freizeit, sondern nun on the job. Ich erlebte die spirituelle Szene mit ihren Koryphäen und Agenten dabei nicht mehr in erster Linie aus der Perspektive des Parketts, mit dem Blick von unten hoch zur Bühne, wo sie ihre Show abziehen (so muss es sein, der Unterricht braucht gute Inszenierungen), sondern im Alltag und von der wirtschaftlichen Seite her. Das war real und oft enthüllend, ernüchternd – im positiven Sinne.
Die technischen Revolutionen
Auch die technischen Revolutionen dieser Zeit haben uns geprägt und immer wieder durchgewirbelt. Anfangs tippten wir die Inhalte noch in eine Speicherschreibmaschine. Dann kamen die PCs, dann Desktop-Publishing. Die Druckvorstufe verschwand – heute geht's vom bei uns erstellen PDF direkt auf die Druckplatte. Das Internet kam, die Kommunikation per eMail. Heute müssen die Macher einer Zeitschrift nicht mehr in demselben Haus sitzen. Wir brauchen nun kaum noch ein Verlagshaus, unsere Schreibtische sind über das Internet verbunden.
connection – anfangs war das kaum mehr als ein schickes Wort der Sannyas- und Spiri-Szenen, aus denen diese Zeitschrift hervorgegangen ist. Es erwies sich jedoch immer mehr als idealer Begriff, der unsere Philosophie auf den Punkt brachte: Alles ist mit allem verbunden. Und er gilt auch in der Kommunikation und Kommunikationstechnik: connected sein ist (fast) alles. Wir waren Pioniere, thematisch, technisch und sozial, und wir sind es noch.
Das wollen wir feiern: auf unserem Fest zum 25jährigen, das zugleich unser Frühjahrsfest ist, im Connectionhaus Niedertaufkirchen, vom 29. April bis 2. Mai.
Wolf Schneider, Jg. 1952, Studium der Naturwissenschaften und der Philosophie (1971–75). Hrsg. der Zeitschrift connection seit 1985. 2005 Gründung der »Schule der Kommunikation«.
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