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Tantra-Rundrief 05/10

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Verliebt sein, der Vorhof des Göttlichen

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Editorial

Wenn drei Buchstaben ein Wort verdrehen…

»ver…« wie:
verspielen, verlaufen, verrechnen, verirren, verreden, verbrauchen, versuchen, verhandeln, vergreifen, verspekulieren, versetzen, verwirken, versemmeln, verschissen, verwachsen, und – last but not least – verlieben.

Diese drei Buchstaben »ver«drehen die meisten Wörter in ihr Gegenteil. Und wie ist es beim Verlieben? Ist Verlieben das Gegenteil von Lieben??? Und was bedeutet es eigentlich, dieses Wort? Was bedeutet es für dich, für mich?

Also ich denke dabei an Schmetterlinge überall, an ein rosarotes Blütenmeer, Fliederduft und süße Karamellbonbons – und du?

Es heißt ja, dass Worte wie Gefäße sind, die man mit unterschiedlichem Inhalt füllen kann. Nun, ich persönlich kann das nur bestätigen und sogar noch erweitern: Sie füllen sich auch im Laufe eines Lebens mit ganz unterschiedlichen Inhalten, Erfahrungen und »Sinnen«. Für den einen ist Verliebtsein etwas Positives, jemand anderer, der schmerzhafte Erfahrungen damit gemacht hat, meidet dieses Gefühl vielleicht.

Als ich mich zum ersten Mal verliebt habe, war plötzlich alles anders als zuvor, so wunderbar und einfach, jeder Moment vibrierte von Musik und war von Duft erfüllt und meine strahlende Zukunft (mit dem Objekt meiner Verliebtheit) erschien in glitzernder, schillernder Plastizität vor meinem inneren Auge (mit rosarotem Monokel – versteht sich). *Seufz*

Ein äußerst genialer Rausch, muss ich sagen. Sogar die Erinnerung daran versetzt meinen Solarplexus in schwingende Aufregung. Mit der Zeit – und ein paar Wiederholungen dieses exklusiven Gefühls – veränderte sich jedoch die Empfindung. Irgendwie war ich alarmiert und begann zu begreifen, dass mir meine Wahrnehmung da einen Streich spielen mag … »Nein, aber diesmal ist’s wirklich echt!«

Nun ja, mit den Jahren kommt die Erfahrung, dass das Verliebtsein, wie alles andere auch, kommt und geht – und kommt und geht… wie Wellen im Meer. Und dass Gefühle, so wie Gedanken, Wolken am Himmel sind.

Und dennoch: Für mich persönlich ist das Verlieben nicht das Gegenteil von Lieben, auch wenn manche es so behaupten. Zugegeben, die Erfahrung des Verliebtseins sei eine sehr flüchtige. Experten meinen, sie bleibt nur sechs Monate, dann ist Schluss. Entweder es folgt darauf die Liebe, oder die Enttäuschung. Mag sein. Und trotzdem ist dieses rosarote Gefühl der unerlässliche Anfang einer jeden Liebe und daher nicht gering zu achten.

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Photo: sarah jung, pixelio.de

Auch wenn er dann wieder vorbei ist, dieser Rausch, bleibt doch die süße Erinnerung, der Nachgeschmack, ein Gefühl von Lebendigsein und das Potential zur Liebe, die das Rosarot langsam Rot werden lässt, in allen Schattierungen.

Leela Luna

Inhaltsverzeichnis

  1. Editorial, Leela Luna
  2. » … lass sein die tückische Vernunft …«, ein Gedicht von Dschalâl-ed-dîn Rumî
  3. Liebe in Prozenten, ein Briefdialog zwischen Ingo und Leela
  4. »Tantra ohne Verliebtheit ist wie …«, F.L.
  5. Verliebtheit als spirituelle Chance, Franz Lang
  6. Ein Ritual des Verliebens, Anleitung (F.L.), gelesen von Sibylle Schütz
  7. »Verliebt? Noch mal … und immer wieder …«, eine Radiosendung zum Downloaden
  8. BELTANE, die Tanzperformance im Connectionhaus, ein Bericht von Aida Karnowski
  9. Veranstaltungskalender
  10. Art-of-being-Connections
  11. Tantra- und Massageinstitute
  12. Tantra-Regionalgruppen
  13. Impressum

» … lass sein die tückische Vernunft …«

»Oh du Verliebter,
lass sein die tückische Vernunft
und werde verrückt, werde verrückt.

Werde zu einem Schmetterling
und tritt ein ins Herz des Feuers,
entfremde dich von deinem Selbst
und reiß ein den Bau deines eigenen ICH.
Dann zieh ein ins Haus der Verliebten,
zieh ein ins Haus der Verliebten.

Wasch deine Brust sieben Mal von den
Feindseligkeiten und werde zum Weinbecher der Liebe,
werde zum Weinbecher der Liebe.
Werde zur reinen Seele,
so dass du der Seelenseele ebenbürtig bist.
Willst du zur Seelenseele,
so berausch dich erst an der Liebe,
berausch dich erst an der Liebe.« Dschalâl-ed-dîn Rumî (1207–1260)

%%% Liebe in Prozenten %%%
Ein Briefdialog zwischen Ingo und Leela

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Photo: Claudia Hautumm, pixelio.de

Ingo

Namasté, Leela,

vor kurzem hatte ich im Zuge eines Gespräches folgende Überlegung (da kommt der Techniker durch, der die Gefühle messen will). Da du dich zur Polyamorie bekannt hast, wollte ich dich um deine Meinung bitten.

Sagen wir, es gäbe eine Skala für Liebe/Verliebtsein von 0 bis 100%.

Ich schätze, üblicherweise sind die Menschen mit einem Level von 85% bis 90% verliebt (100% gibt es bei Teenagern, die nicht mehr essen, denken und schlafen können). Der Liebeslevel in einer andauernden Beziehung liegt bei 85% (anfangs) bis im Mittel zwischen 75% und 70% bis hinunter zu 40%, im Extremfall auch noch tiefer.

Polyamorie = wenn ein Mensch mehrere Menschen liebt/verliebt ist und Sex mit ihnen hat. Ich schätze, dass bei Polyamorie der Level zu den verschiedenen Partnern zwischen 70% und 90% schwankt.

Bei Sex »im Freundeskreis« (evtl. Tantriker oder sonstige) liegt der Level bei ca 20% bis 35%. Bei einer tantrischen Begegnung sollte theoretisch auch ein hoher Level möglich sein. Wie hoch hattest du deinen höchsten Wert?

Sex im Bordell oder mit Callboy ist nur Sex und er würde 0% Liebe/Verliebtheit bedeuten.

Ich hoffe, die Fragen erscheinen dir nicht zu theoretisch. Falls du dich dieser Logik anschließen kannst, würde ich gerne deine Bewertung wissen.

Liebe Grüße,
Ingo

Lachendes Paar auf dem Rasen
Photo: Albi84, pixelio.de

Leela

Lieber Ingo,

da fragst du als Techniker also mich – wie soll ich mich jetzt bezeichnen ?– als Anti-Technikerin? Intuitive? Kreativ-Sinnliche?
Also bei mir gibt’s die 100% immer wieder mal im Frühling. Ok, vielleicht sind’s jenseits der Teenagerjahre nur mehr 99%, aber immerhin. Der Liebeslevel meiner Beziehungen deckt sich in etwa mit deinen Angaben.

Seit ich mich in meinem Leben für die Polyamorie geöffnet habe, stelle ich fest, dass ich mich insgesamt noch schneller verliebe, öfter und vielleicht auch ein wenig flüchtiger als zuvor, vor allem auch in mehrere Männschen gleichzeitig. Dabei halte ich es mit dem alten Sprichwort: Verliebe dich häufig, verlobe dich selten, heirate nie!

Ich kann also mitunter, während ich in meiner Hauptbeziehung immer noch, oder immer wieder, einen Verliebtheitsgrad von 77,7% halten kann, kurzzeitige Verliebtheiten bis zu 95,9% erleben. Wie ist das jetzt bei euch Technikern oder Mathematikern – sind das dann insgesamt 173,6% ?

Zum Sex im Freundeskreis: Ich hab da mal eine interessante Studie gelesen, darin wird erklärt, dass die Hormone, die beim Sex eine Rolle spielen (Adrenalin und Testosteron) die Ausschüttung von anderen Hormonen fördern, die wiederum einerseits emotionale Bindung (Oxytocin und Vasopressin) und andererseits die Verliebtheit (Dopamin und Serotonin) fördern. Ein vermehrtes Maß an Serotonin im Blut führt zu den üblichen Verliebtheitssymptomen, quasi kommt dieser Zustand chemisch betrachtet einer Neurose gleich. Das Absinken des Serotoninspiegels kommt einer Depression gleich (Entlieben oder Trennung von der geliebten Person)

Fazit: Das heißt für mich, auch wenn ich mal eben nur Sex im Freundeskreis habe, kann die hormonelle Ausschüttung dazu führen, dass ich mich verliebe. Wenn ich das weiß, kann ich besser umgehen mit all diesen Gefühlen, die letztendlich einfach dem Hormoncoctail in meinem Blut entsprechen. Mit diesem Wissen verliebt (und entliebt) sich’s irgendwie viel leichter finde ich.

Die tantrische Begegnung ist für mich ganz besonders. In Seminaren hatte ich innerhalb kürzester Zeit manchmal das Gefühl, in die ganze Gruppe verliebt zu sein! Einfach durch diese Herzöffnung konnte ich jeden Teilnehmer von seiner schönsten Seite betrachten, und in einer Begegnung konnte ich manchmal meinen Verliebtheitslevel (oder den Hormonspiegel?) raufsausen lassen – und mit einem Namasté am Ende breitete sich dieses Gefühl einfach als Verliebtheit ins ganze Leben aus. So eine Art »Allverliebtheit« . Vielleicht ist das die erste tantrische Ebene? Die Verliebtheit mit dem All, und dann irgendwann folgt Mahamudra, die orgastische Vereinigung mit dem All.

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Meinen persönlich höchsten tantrischen Verliebtheitslevel erreichte ich beim »Höhenflug« während meines Jahrestrainings. Er lag bei etwa 97,9% und kam dem Teenagerrausch schon sehr nahe (hungrig war ich trotzdem, aber schlafen musste ich damals wirklich nicht).

Und zum Sex mit Callboy: Da hab ich leider keine Erfahrungswerte – aber ich stell mir mal vor, wenn das mit den Hormonen stimmt und der Orgasmus intensiv war, vielleicht geht Mann oder Frau mit 0% in die Begegnung hinein und mit 20–50% (je nach Qualität) wieder heraus?
Mein momentaner Level liegt bei 75% – und es ist Mai! Irgendwie würde ich mich ziemlich gerne ein wenig neu verlieben. So ca. 88,8%, dann wäre ich bei 163,8% . Das wäre ein – würde ich sagen – der Jahreszeit angemessener Wert…

Herzliche Grüße und ein Namasté von
Leela

Literaturtipp: »Die Liebe und wie sich Leidenschaft erklärt«, von Bas Kast, Fischer Verlag

Tantra ohne Verliebtheit …

… ist wie

Segeln ohne Wind
Fußballspielen ohne Ball
Autofahren mit plattem Reifen
bestenfalls Radfahren im Fitnessstudio
ein Badeurlaub ohne Wasser
Frühling im Schnee
Plastikblumen
EX ohne S
einfach:
öde

Verliebtheit als spirituelle Chance

»Die Verliebtheit an sich ist göttlich. Sie ist der Vorhof des Göttlichen. Sie kann euch führen« — Aba Aziz Makaja

Bist du verliebt? Ja? Ich gratuliere dir von Herzen!

Denn du hast den besten und schnellsten Weg gewählt, deine spirituelle Entwicklung in Gang zu bringen, weiterzuentwickeln oder auf den Prüfstand zu stellen.

Warst du schon öfter verliebt?

Und ist dir entgangen, welche Chance du dabei hattest, dich deiner wahren Liebesnatur zu nähern, die gleichzeitig deine spirituelle Natur ist? Wie schade.

Du kannst dich wieder neu verlieben, du hast eine neue Chance. Du sagst, du hättest keinen Partner, in den du dich verlieben könntest? Du brauchst nicht einmal einen Partner dazu. Weiter unten kannst du über ein Ritual lesen, mit dessen Hilfe du das Gefühl des Verliebens in dir jederzeit aktivieren kannst.

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Photo: rainer sturm, pixelio.de

Entscheidend ist, dass du weißt, was mit dir geschieht, dass du in vollem Bewusstsein verfolgst, welche wunderbaren Qualitäten durch den Zauber der Verliebtheit in dir erstehen. Du siehst Schönheit, wo du nie Schönheit gesehen hast. Du liebst, wie du noch nie geliebt hast. Du fühlst dich bezaubert, wie du dich wahrscheinlich noch nie bezaubert gefühlt hast.

Wenn du verliebt bist, bist du offen und verletzlich. Das ist die Grundvoraussetzung für eine spirituelle Entwicklung: offen und verletzlich zu sein. Die meisten Menschen fürchten genau das am meisten. Sie verschließen ihr Herz, sobald sie spüren, dass es irgendwo anfängt, weh zu tun. Denn – und das ist die andere Seite der Medaille – wenn du verliebt bist wirst du leiden. Aber es ist ein Leiden, das dich voranbringen wird. Du musst es verstehen, du musst wirklich mit dem vollen Bewusstsein dabei bleiben, bei jedem Schritt, den dir das Verliebtsein beschert. Du darfst nicht davon laufen.

Und du wirst noch etwas anderes lernen. Du wirst lernen, wie Projektionen entstehen, wie irreale Lichtbilder den reinen Strom deines Herzens durchkreuzen, wie sie dich herausfordern, wie sie dich prüfen. Du wirst lernen, was Erwartungen anrichten können, wie sie dich vom reinen Liebesquell ablenken und verführen. Du wirst dich selbst kennenlernen wie selten durch ein anderes Ereignis. Je tiefer deine Verliebtheit, umso näher wirst du Liebe und Illusion beisammen spüren, umso größer ist die Chance für deine Erkenntnis, beide voneinander zu trennen, nicht nur mental im Kopf, sondern gefühlt durch den gesamten Körper. Du wirst wahrscheinlich auch Schmerzen haben, wie du sie in deiner Seele noch nicht gefühlt hast. Und das wird so gut sein, das wird so nötig sein. Es wird dich befreien von negativen Gefühlen, von Verhärtungen, sogar von Krankheit. Und es wird dich reinigen, reinigen von vielen, vielen Irrtümern. Über den Anderen, über dich selbst, über die Natur der Welt.

Ein Ritual des Verliebens

Suche dir eine Person, mit der du die Praxis des Verliebens üben möchtest. Sie sollte dir zumindest angenehm sein, auch wenn du noch nicht verliebt in sie bist. Sprich sie an, bitte sie darum, mit ihr diese Übung machen zu dürfen. Hab keine Scheu, dies zu tun. Es wird vielleicht etwas Mut erfordern, aber es kann nichts wirklich schief gehen und du kannst nichts verlieren dabei. Erkläre deinen Vorsatz mit schlichten Worten und vereinbart dann einen Zeitraum für diese Begegnung. Sie kann von fünf Minuten bis zu einer Stunde dauern.

Vielleicht habt ihr vorher einen Raum schön geschmückt dafür oder euch irgendwo eine Ecke gesucht, wo ihr dieses Ritual ungestört durchführen könnt. Ihr braucht euch nicht ausziehen dafür, noch braucht ihr eine Berührung oder einen sexuellen Kontakt. Wenn die Vertrautheit zwischen euch schon so weit fortgeschritten ist, sind diese Dinge allerdings auch nicht zwingend ausgeschlossen. Aber es ist gut, wenn ihr vorher die Regeln vereinbart. Seid klar darüber. Ihr braucht auch keine weitere Vorbereitung dazu. Ihr könnt das Ritual sogar ganz spontan vereinbaren, obwohl eine innere und manchmal auch eine äußere Vorbereitung von Nutzen sein kann.

Stellt euch oder setzt euch gegenüber. Der Abstand ist am besten eine Armlänge oder sogar etwas mehr. Es sollte kein Tisch oder ein anderer Gegenstand zwischen euch stehen.

Nun beginnt das Ritual, indem ihr Blickkontakt aufnehmt. Schaut euch in die Augen, lange und beständig. Lasst die Augen ineinander sinken. Öffne deine Seele, so dass dein Gegenüber durch deine Augen in sie sehen kann. Lass alles zu, was in dir kommt, von Unsicherheit, Schüchternheit, Angst, Trauer, Schmerz, Angst, Wut, Gier, Lust, Freude, Liebe. Tu nichts damit. Sei nur offen. Starre oder bohre nicht vorsätzlich in die Seele des Anderen. Versuche nicht, etwas zu finden. Lass sie sein, wie sie ist und lass dich sehen, wie du bist. Trinke, was du siehst. Lass dich trinken. Verschmelze.

Wenn dieser Kontakt sich vertieft hat, beginne über ein vorher vereinbartes Zeichen deine Augen weiter schweifen zu lassen. Aber bleibe immer ganz bei diesem Körper. Wandere langsam über das Gesicht deines Gegenübers. Beginne oben am Kopf, bei Stirn und Haaren, schau auf die Ohren und streichle sanft mit deinen Augen das Gesicht deines Partners, Nase, Wangen, Mund, Kinn. Verweile liebevoll an jeder Wölbung oder Vertiefung. Gehe weiter zum Hals.

Allmählich bedecken deine Blicke die gesamte Vorderansicht dieses Menschen. Sie wandern über Brust und Brüste, über Schultern und Arme, über den Bauch, das Becken, über die Geschlechtsorgane (ohne Vorstellung über ihr Aussehen), über die Ober- und Unterschenkel bis zu den Füßen (oder Schuhen). Bewerte nichts. Ja, untersage dir jeden Anflug von Bewertung und kehre wieder zur reinen, liebevollen Betrachtung zurück.

Verberge nichts, zeige dich. Und umgekehrt: Schau nicht gierig oder abfällig, sondern immer mit der größten Achtung und Liebe.

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Nun stehst oder sitzt du dem anderen Menschen so weit gegenüber, dass du einen gesamten Blick auf ihn hast, alles auf einmal. Dazu musst du den Blick aus seiner Starre lösen (wenn er das nicht ohnehin schon getan hat) und eher »aus dem Umfeld« schauen (»to glance«, wie man auf Englisch sagt). Lass alle Liebe fließen, die durch dich hindurch möchte, nimm alle Liebe auf, die in dich hinein möchte. Sei in einem Fluidum von Liebe. Sei nicht mehr getrennt, sei eins mit deinem Gegenüber.

Beende dieses Ritual mit einem Gruß der Blicke, der gefalteten Hände oder mit einem kurzen Dankeswort.

Stelle keine Ansprüche nach der Beendigung dieser Liebespraxis. Beobachte deine Erwartungen oder Befürchtungen, aber gib ihnen keine Macht. So kannst du den restlichen Tag in Liebe leben. Du wirst ein Strahlen spüren, vielleicht deine innere Schönheit wahrnehmen und die Welt mit anderen Augen sehen. Gehe so durch die Welt. Es wird sich anfühlen, wie es einst im Paradies gewesen sein könnte.

Solltest du wirklich keine Person gefunden haben, mit der du dieses Ritual durchführen konntest, stell dich vor den Spiegel und beginne.

Photo

Text von Franz Lang, www.atmelis.com

Und wenn du dieses Ritual nicht nur lesen, sondern auch hören willst:

»Ritual des Verliebens«, gelesen von Sibylle Schütz, MP3, 7MB

Sibylle Schütz ist Mitarbeiterin bei connection.

»Der Sex transformiert sich durch die Verliebtheit und wird glückseliger und ekstatischer. Auch macht euch die Verliebtheit an sich, sogar ohne Sex, unwahrscheinlich glücklich. Die einzig wichtige Kunst für das menschliche Wesen ist also – ein Künstler oder eine Künstlerin der Verliebtheit zu werden. Alles andere ist nebensächlich.« — Aba Aziz Makaja

Verliebt? Noch mal … und immer wieder …

Unsere Radiosendung im Mai, zum Downloaden oder Nachhören. Eine erfrischende Sendung für Frühlingsgefühle, nicht nur für Verliebte, mit schöner Musik, belebenden Texten …
Verliebt? Noch mal… und immer wieder… bei CBAVerliebt? Noch mal… und immer wieder… bei CBA

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Photo: multipla, pixelio.de

Tänzerin

beltane
eine tanzperformance des »amo te«-ensembles

freitag, 30. april 2010, 23 uhr connectionhaus niedertaufkirchen

Auf Deine Frage hin, Franz: Die Tanzperformance  des »AMO TE«-Ensembles hat mir gefallen. Es gibt einzelne Szenen, die nachwirken, die in der Tiefe wirken und aus denen sich die folgenden Worte formen werden. Als erstes sagte ich dir: »Franz, das Stück ist nicht  einfach und verstehen werden es diejenigen, die dich kennen, die deinen Antrieb verstehen.«

Und was ist der Antrieb? Die älteste Frage der Menschheit: Woher kommen wir und wo gehen wir hin? Wie ist die Dualität entstanden? Woraus wurde die Erde geboren und was ist das für ein magisches Spiel zwischen Mann und Frau?

In deiner Tanzperformance verwandelt sich der Lichtgott Lucifer in die Mondgöttin, in die Verführerin Lilith. Lilith, die Verursacherin der »Erbsünde«. 

Es verwandelt sich das Feinstoffliche ins Grobstoffliche, es verdichtet sich die Sehnsucht, ins Frausein hineinzuwachsen, in das Weibliche. Wenn ich die Tänzerin Zanubya – bereits in der nächsten Szene – erlebe und ihre Bewegungen auf der Bühne sehe, dann spüre ich sie und gleichzeitig mich:  Da will was hinaus, die Freiheit, die Wildheit, die Sanftmut und die Bewusstheit … Wie anziehend und verführerisch er ist, der Körper, das Fleisch und das Blut. Da hat sie wahrlich, wie die Bayern sagen, den »Deifi« im Leib! Das Übersinnliche, das Körpersinnliche, das Wissen der hingegebenen Frau an den Mann.

Es ist die Erfahrung im Spiel der Energien. Das Ur-Männliche und das Ur-Weibliche. Die Frau ist der Weg und der Mann ist die Kraft. Er potenziert. Sie ist die Landkarte und er das Gefährt auf dem Nachhauseweg ins Licht hinein. 

In diesem Satz sind sämtliche Abgründe und Abhängigkeiten der heutigen Beziehungen enthalten. Weil wir sie in uns haben, die Sehnsucht nach Hause, die Sehnsucht nach Frieden und die Sehnsucht nach Liebe. Gleichwohl fürchten wir uns vor nichts mehr als der Göttlichkeit in uns, die nichts anderes ist als das soeben Beschriebene und die uns herausfordert, das Vertrauen in uns zu wecken.

Von außen betrachtet sind da zwei ineinander verschlungene, bewegungslose Körper. Die Bewegungslosigkeit in der Berührung, in der kristallklaren Weite und Berührung der Liebe in dem geborgenen Angenommensein dessen, was ist. Das Wellenspiel. Ein stilles gemeinsames Atmen. Ein stilles In-den-Anderen-Hineinspüren, den Geschmack der Männlichkeit auf der Zunge schmecken. Die Schlangenkraft aus dem Bauch heraus in die sich küssenden Münder hinein saugen.

Er fühlt ihr Beben in seinem Schoß, wie brodelnde Lava, wie losgelöste Tränen, die anklopfen, heiß und weich zugleich fordern sie ihn auf, es einfach geschehen zu lassen  Sich dem Fluss des Lebens und der Liebe hingeben, sich aufzugeben in das (All)-Umfassende hinein.

Sie pflückt die Sterne, den Mond und die Sonne vom Himmel. Die Saat.  Er bereitet den fruchtbaren Acker für den heiligen Samen vor, der Rosen erblühen lässt in ihrer schönsten Schönheit, und sich tausend Blüten öffnen und einen nie gekannten Duft verströmen und beide sich daran laben und berauschen, bis der Nektar – das Fluidum – aus allen Poren perlt.

Es reiht sich eine Perle an die nächste und ein glitzerndes Staunen breitet sich aus. Ehrfurcht und Dankbarkeit erfüllt den Raum und dann die Loslösung, der Tod, das Schreien der Gebärenden, der Lebensfluss, der sich aus ihr heraus verströmt. Die Geburt. Die Verwandlung. Die Einladung an ihn, ihr zu folgen in die Weite, in die Hitze, in die Höhle, in den Abgrund, in das Nichtwissen um die Neugeburt. Wie kleine Babys erblicken sie das Licht der Welt in kindlicher Unschuld. Das ist unser aller Begehren, in diese Freiheit hinein geboren zu werden. In eine Welt des Friedens. In den Augen der Kinder erkenne ich diese Welt und in den Augen der Liebenden, wenn sie um dieses Glück wissen.

Es ist das Aufbegehren der Frauen gegenüber der Männer, wenn diese dieses Geschenk verschmähen oder besser, wenn diese um dieses Geschenk nicht wissen.

Auf der Bühne erzürnt und tötet Lilith. In der Ankündigung der Performance steht:

»adam kann ein von sich getrenntes bewusstsein nicht erkennen. lilith fühlt sich abgewiesen und verfällt in rasenden zorn. adam aber ist vor ihrer rage geschützt. So tötet lilith hunderte ungeborene wesen und bringt blut und leid über sich und die menschheit.«

Ich möchte sagen, sie tötet die Frucht des Leibes. Ein Abbruch in der Geschichte zwischen Mann und Frau. Sie wollte ihn verführen und er hat sich nicht verführen lassen. Er ist ihrem Fluidum nicht erlegen. Das ist die Wut der Frauen und die Hilflosigkeit der Männer. Die Angst vor dem nährendem Nektar und die Sehnsucht gleichwohl.

In der ersten Sicht ist sie die verschmähte Frau. Das Herz des Mannes hat sie nicht erhört. Er wollte keine Vereinigung. In der zweiten Sicht:  Sie wollten nicht gemeinsam sterben. Für mich haben Auflösung, Angst, Wunsch nach Hingabe, Widerstand, Todesangst etwas mit der Liebe und Angst vor der Liebe zu tun. Mit der Angst, sich in einer intensiven Beziehung »zu sehr zu verlieren«. Angst vor Tod und Angst vor der Liebe scheinen mir letztlich dasselbe zu sein.

Die Knechtschaft hält uns gefangen. Was würde passieren, wenn diese Urkraft in uns zum Leben erweckt würde? Die Frau im Mann und der Mann in der Frau, wenn der Kreis sich rundet, in ein Ganzes, immerfort …

So in der Kraft und im Vertrauen, im Fluss des Lebens schwimmen, weit weg von Angst, gibt es keine Manipulation, keine Machtabgabe, keine Ohnmacht. Dort in der Kraft ist der Himmel auf Erden.

Franz, wolltest du das in deinem Stück erzählen? Spürst du den Puls der Zeit? Spürst du es.

Photo

Aida Karnowski, schreibende Muse, Lebenskünstlerin und Organisatorin »Der großen Zusammenkunft«.  Nachzulesen in Aidas BlogAidas Blog

beltane

tänzerinnen – tänzer
  • violet – lucifer/lilith
  • neil bordol – adam
  • leela – prinzessin
  • arpad – prinz
  • zanubya – bauernmädchen
  • franz lang – pan
  • judy fish – frau
  • lusty – mann
live music
  • briggedy
  • woll’a
choreografie/regie
franz lang

1. bild

adam, aus erde geformt, belebt, beseelt, ist eines wesens mit der ihn umgebenden natur. nichts trübt sein dasein, seine schönheit, seine würde.

lucifer, lichtgott, herrlich, voll des bewusstseins seiner selbst, unverkörpert und erhaben, sehnt sich nach irdischer erfahrung. sein begehren erkennt in adam jenes wesen, das ihm diese möglichkeit schenken kann. lucifer steigt herab, nimmt weibliche form an und nähert sich als lilith adam, verführerisch, ihn zum mannsein drängend.

adam kann ein von sich getrenntes bewusstsein nicht erkennen. lilith fühlt sich abgewiesen und verfällt in rasenden zorn. adam aber ist vor ihrer rage geschützt. So tötet lilith hunderte ungeborene wesen und bringt blut und leid über sich und die menschheit.

2. bild

gefangen in ihren körpern, von der wunde liliths und dem unvermögen adams gezeichnet, suchen die menschen durch ihre leidenschaften – verzweiflung, hochmut, lüsternheit, gewalttätigkeit, trägheit, nervöse unruhe – befreiung aus der enge des leibes.

lilith und adam haben erbarmen und bringen durch eine paradiesische frucht den menschen ihre unschuld wieder. sie werden nackt und erkennen ihre wahre göttliche natur, jeder auf seine weise.

3.bild

pan und das bauernmädchen geben sich ungeniert ihrer sexuellen kraft und natürlichkeit hin. so reift in ihnen über ihre instinktive sinnlichkeit ein sich seiner selbst bewusster mann, eine selbstbewusste frau heran.

ein mann und eine frau, ungenannt, wie millionen von uns heutigen menschen, tragen in sich ihren uralten schmerzkörper, ihre stets neu genährten verletzungen. mann und frau sind zwei getrennte wesen und verstehen sich nicht mehr. wenn keine heilung in sicht ist, wenn der ausgang ungewiss ist, darf jeder mann, jede frau, zuerst sich selbst vergeben.

der prinzessin wird das liebeslager bereitet. ihr himmlischer prinz wird absteigen wie einst lilith aus den geistigen welten. sie werden sich vereinigen, vorbereitet durch das reinigende blut liliths und durch die von liebesschmerz geläuterten unzähligen männer und frauen unserer welt.

das große beltane-fest beginnt.

Info zu den Tanzprojekten des AMO TE - Ensembles: www.atmelis.comwww.atmelis.com

Veranstaltungshinweise

  1. FreYraum, A-4240 Freistadt, Pfarrgasse 16

    • am 28. Mai 2010 um 18:30 (bis ca. 20:30) und am 11. Juni 2010 (same time) gibt es wieder die Gelegenheit, die »fünf Rhythmen« zu tanzen. Unkostenbeitrag: 7€, Anmeldung @ oder Leela: 0650/5037711
    • am 29. Mai 2010 um 18 Uhr kannst du ein »Klangbad« nehmen, lass dich umspülen von den Schallwellen des Monochords, der Klangschalen, des Didgeridoos, der Maultrommeln, der Stimme… Martin und Leela freuen sich auf dein Kommen. Unkostenbeitrag: 12 €, Anmeldung und Info: @ oder Martin: 0650/3007982
    • Jeden Mittwoch um 18 Uhr treffen wir uns zum gemeinsamen »Aktiven Meditieren« und Krafttanken … wir probieren verschiedenste Meditationstechniken, wie Oshos aktive Meditationen, Sufimeditationen und viele andere.
    • am 20. Juni 2010 laden Dorli und Rebekka zu einem ganz besonderen Frauentag ein: Wir werden gemeinsam frühstücken, meditieren, tanzen, lachen, und ganz ganz feine, leckere Sachen zum Verwöhnen der Sinne machen. Neugierig? Infos anfordern! freYraum@live.de
  2. Tantra in Stuttgart

    Die fünf Gewänder des Tantra
    Ein Tantra-Abend am 20. 05. 2010

      Die Buddha-Natur des Tantra

    1. Eisenhemd Kung Fu
    2. Das Öffnen der Schleier – Die Tore des Windes
    3. Ananda Wave – Die Hülle des Liebesfluidums
    4. Das Kleid des Feuers
    5. Logos Vision – Schöpfung

    Das sind die ersten fünf »Gewänder des Tantra«, die wir an diesem Abend kennenlernen und anfänglich praktizieren werden.

     

    Das »Große Ritual«, durchgeführt von einem uns besuchenden »Liebespaar des Himmels«, krönt unseren Abend.

    Termin:
    Donnerstag, 20. 05. 2010, 19:30 h (Ende: 23:00 h, pünktlicher Beginn, kein späterer Einlass)
    Ort:
    Stuttgart (wird bei verbindlicher Anmeldung bekannt gegeben) 
    Leitung:
    Franz Lang
    Gebühr:
    € 15,–
    Anmeldung:
    07164–13634, 0176–52160883, oder: tnlconnection@aol.com

Art-of-Being-connections

Unsere langjährige Verbundenheit mit der Tantraschule »Art of Being« und ihrem Lehrer Saleem Matthias Riek macht uns immer wieder neugierig, was es dort an Entwicklung gibt und an neuen Angeboten. Aus diesem Grund empfehlen wir euch, einen Blick auf die Webseite www.art-of-being.de zu werfen oder auch in den Newsletter, den Saleem verschickt. Wer ihn einmal probelesen oder kostenlos abonnieren will, schreibt eine E-Mail an Art of Being. Infos: www.art-of-being.dewww.art-of-being.de, 0761–453690

Tantraschulen

Eine regelmäßig aktualisierte Übersicht findest du auf unserer Seite Tantraschulen und Tantramassage-Institute

Tantra-Regionalgruppen

Tantragruppen in Deutschland

Impressum

Copyright Webmagazin und Newsletter: 2010 by Connection AG, D-84494 Niedertaufkirchen. Alle Rechte vorbehalten. V.i.S.d.P.: Wolf Schneider. Redaktion dieser Ausgabe: Wolf Schneider, Leela Luna und Franz Lang. Wir freuen uns über die Einsendung von Texten und Bildern, können diese aber leider nicht honorieren.

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