Edgar Hofer: Tantrische Erleuchtung

OWK Edgar Hofer
Sex & Drugs & Erleuchtung
Das Buch »Tantrische Erleuchtung – Sex, Drugs & Meditation« ist ein faszinierender Road-Trip durch Indien mit einem jähen Ende. Die Kundalini-Energie erwacht im Autor, der dann die Erfahrung seines Ego-Todes und seiner Erleuchtung macht. Elf Jahre später – Edgar Hofer ist mittlerweile Satsang- und Tantralehrer – erinnert er sich nochmal an die Stationen seines Indienaufenthalts.
Am Anfang ist er ein recht erfolgreicher Programmierer aus Wien, der aufgrund intensiver Erfahrungen mit Sex, Drogen und Meditation zu einer folgenreichen Entscheidung kommt. Er verschenkt und verkauft seine Sachen und begibt sich mit seiner neuen Partnerin auf einen längeren Indienaufenthalt, um dort nach den Wurzeln des wahren Yoga zu suchen und erleuchtet zu werden. Dabei kommt er durch verschiedene Städte und Orte Indiens, wird Schüler eines Nath-Yogi und lässt sich auf die fremde indische Geisteswelt ein. Aufgrund ständiger Streitereien mit der Freundin, die ihm auf dem Weg nach und nach immer mehr verlorengeht, stürzt Edgar sich in verzweifelte Alles-oder-Nichts-Experimente mit verschiedenen Drogen. Sie zeigen ihre Wirkung: Der Autor verliert mehr und mehr den Boden unter den Füßen, wird fast paranoid und erhält vom Leben einige harte Lektionen in Sachen Loslassen. Schließlich lässt er sogar die spirituelle Suche los, weil sie ihm fad und sinnentleert erscheint.
Im Osho-Ashram von Poona trifft er die Frau, die sich ihm mittlerweile ganz entzogen hatte, wieder. Er wird Sannyasin, und die Kundalini-Energie beginnt in ihm zu erwachen. Aber erst, nachdem er seine Abhängigkeit von der Frau ganz loslassen kann, wird er frei zur tiefen Erfahrung seines Ego, die ihm ausgerechnet in der German Bakery in Poona geschieht, die 2010 von islamistischen Terroristen zerstört wurde.
Ich empfinde das Buch als authentisch und zutiefst ehrlich. Nirgendwo versucht Edgar zu beschönigen oder sich selbst in einem tollen Licht darzustellen. Er beschreibt die extreme Suche eines Menschen, der dabei zwischendurch verzweifelt, den Boden unter den Füßen verliert und beinahe scheitert; und doch macht er schließlich eine Erfahrung, die ihm alles nimmt und auf neue Weise alles wieder schenkt. Es ist eines der ehrlichsten spirituellen Bücher, die ich kenne, gut lesbar und zudem unterhaltsam. Die vielen extremen Drogen-Szenen mögen manche Leute abschrecken und machen es eventuell auch für jugendliche Leser eher ungeeignet, da Nachahmungsgefahr droht. Hippie- und Traveller-Naturen hingegen werden sich darin wiederfinden und wohl fühlen.
Angenehm finde ich Edgars Kommentare aus heutiger Sicht. Sie gleichen aus und relativieren, ohne dem damaligen Erleben seine Berechtigung abzusprechen. Ich halte das Buch für eine der besten »Erleuchtungsgeschichten«, mit Zeug zum Kultbuch.
Bewertung:
hervorragend
OWK Edgar Hofer: Tantrische Erleuchtung – Sex, Drugs & Meditation. Books on Demand 2010, 152 S., SC, 14,90 €
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Silvio Wirth
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