Jochen Kirchhoff: Was die Erde will

Jochen Kirchhoff
Integrale Tiefenökologie
Ökologisches Bewusstsein, Umweltkrise, Umweltverschmutzung, ökologische Verantwortung – alles Begriffe, die aus den Medien bekannt sind. Aber wer von uns hat sich wirklich einmal vertieft und wahrhaftig mit seiner Umwelt, mit seinem Um-welt-bewusst-sein auseinander gesetzt?
Jochen Kirchhoff zeigt in seinem Buch »Was die Erde will – Mensch, Erde, Kosmos« wie der Mensch durch die Entfremdung von sich selbst die Welt verlor und damit ihre und seine Würde. Im Grundgesetz ist die These verankert »die Würde des Menschen ist unantastbar«, doch verursacht der Mensch jeden Tag neu durch die Trennung von sich selbst und seiner Natur seinen Würdeverlust. Diesen Verlust reicht er unbewusst weiter an die Erde und das Universum. Damit ermöglicht er Ausbeutung und Zerstörung der Erde in unvorstellbarem Ausmaß.
Daher plädiert Jochen Kirchhoff für den Wiedergewinn der Würde des Menschen, denn wenn er diese zurück erlangt, gewinnt er auch die Würde der Erde und des Kosmos zurück. Ist sie in den Köpfen, in den Herzen, im Geist der Menschen wieder verankert, wird es eine erneute Bindung an die Erde geben, eine Urbindung, die wieder gespürt und empfunden wird. Kirchhoff spricht von integraler Tiefenökologie. Sie umfasst eben nicht einzeln hervorstechende Maßnahmen zur Rettung der Umwelt, sondern erforscht die Tiefen der Umweltkrise selbst. Die dabei von ihm so deklarierte »kollektive Neurose« beinhaltet die Abspaltung vom Bewusstsein des eigenen Lebens, von seiner ureigenen Würde, vom Bewusstsein der Natur. Der Mensch ist nicht Teil der Natur, sondern die Natur ist Teil des Menschen. Allein dieser »kleine« Unterschied im Satzbau hat weitreichende Folgen, die Jochen Kirchhoff beeindruckend darstellt. Weil der Mensch seine Natur in sich verloren hat, sich davon abgespalten, getrennt hat, verlor er sein eigenes Selbst, das ihm den Kontakt mit der Erde und dem Kosmos als Ganzes erhielt. Dieser Verlust entseelte den Menschen, er machte ihn zu einer gefügigen Masse des großen Molochs, der großen Megamaschine, des großen Leviathan – des Kapital-Industrie-Technik-Wissenschaft Breis.
Für Kirchhoff gehören Kosmologie und Ökologie zusammen, weil
nur in der Anerkennung dieser Bewusstseinswelten der Mensch wahrnehmen kann,
dass er ein Teil des großen Wunders ist. Er ist keine Fehlentwicklung,
sondern soll dem Kosmos zu seiner reifen Weisheit verhelfen. »Der Mensch
»als solcher« oder der, der er »eigentlich« ist oder
sein soll im Angesicht von Atman, kann kein Feind der Erde sein. Dieser Mensch
ist der Freund der Erde, er erfüllt die Erde, er transformiert die Erde
zur ERDE, er »erlöst« die Erde.«
In dieser Neuauflage eines Buches, das 1998 erstmals erschien, wird in unserer
Zeit der Medien, di fast alles auf sichtbare Ergebnisse reduzieren, ein Netz
von unsichtbaren Dingen ins Bewusstsein gehoben. Bewusstsein ist nicht sichtbar,
und dennoch taucht es unerwartet immer wieder auf. Kirchhoff stellt dieses Bewusstsein
in den Vordergrund.
Mich reizte das gespannte Netz. Es griff die Fragen auf: Was ist Leben? Was
ist die Erde im Kosmos? Was ist Liebe? Warum ist das Geschlechterverhältnis
so, wie es ist? Was können wir von Pflanzen, Tieren, Steinen lernen? Was
ist in ihnen, was auch in uns ist? Wie können wir wahrnehmen ohne unsere
eigenen persönlichen Deutungen? Wie können wir Erfahrungen gewinnen,
die unser Bewusstsein für uns und damit für die Natur, für die
Erde, für die Welt, für den Kosmos entdeckt, anlegt, erweitert, ausbaut?
Selbst den Sinn der Technik in diesem Prozess lässt Kirchhoff nicht unbeachtet.
Es ist dies ein nachdenklich machendes Buch, das Tür öffnet, um sich
bewusster und ganzheitlicher im großen Universum zu begreifen.
Bewertung:
4 von 5 Sternen
Ellen Wilmes
Jochen Kirchhoff: Was die Erde will – Mensch, Erde, Kosmos. Drachen 2009, 296 S., SC, 19,50 €












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