Thomas Hübl: Sharing The Presence
Mit Herz und Verstand
Das erste Buch des spirituellen Lehrers Thomas Hübl
liegt vor mir und ich bin begeistert. Es hat mich zutiefst berührt, aufgewühlt,
inspiriert und beflügelt. Der Autor bringt die alten östlichen Weisheiten,
befreit von kulturellem Beiwerk, auf den Punkt. Seine Nähe zu
Ken Wilber
und dessen spiritueller Wissenschaft sowie der Lehre von Eckhard Tolle ist gut
spürbar. Aber der Autor hat viel mehr zu bieten, als diese nur in eigene
Worte zu kleiden.
Sein Hauptanliegen ist es, 24 Stunden am Tag präsent, liebevoll und transparent zu sein. Und eine transpersonale WIR-Kultur in unserer Welt zu etablieren. Und dafür geht er, kompromisslos und konsequent. Mutig räumt er auf mit vielen spirituellen Missverständnissen und schlachtet auch so manche heilige spirituelle Kuh dafür. Hübl geht für eine moderne, integrale Spiritualität, die sich nicht mehr in Himalaja Höhlen versteckt, sondern vielmehr in alle Bereiche des aktuell bestehenden Lebens hineingetragen und gelebt wird. Er geht für authentische Menschen, die Erwachsene sein wollen und sich nicht mehr hinter einem Guru verstecken. Und um damit besser klar zu kommen, bemüht er sich sehr, uns eine Landkarte an die Hand zu geben. Diese ist stark orientiert an dem integralen Konzept von Ken Wilber und dem Chakrakonzept des Yoga.
Die Sprache von Thomas Hübl ist für »Nicht-Hüblfans « zuerst einmal wirklich sehr schwer zu verstehen, spricht er doch ständig in der Wir-Form und benutzt einen krassen Kauderwelsch von eingedeutschtem Englisch und vielen Internetbegriffen. Das Internet ist wohl sein Lieblingsspielzeug und er hat Großes damit vor. Bitte lasse dich von seiner Sprache im ersten Teil des Buches nicht abschrecken, man gewöhnt sich recht schnell daran. Das Buch wird nach hinten hin immer verständlicher und der Autor schwingt sich auf zu Texten, die uns im Herzen und im Verstand zutiefst berühren können.
Spiritualität, menschliche Psyche, Liebe, Beziehung, Eros, Sexualität, Sucht, Politik, Erziehung und viele weitere Themen unserer modernen Gesellschaft werden von dem Autor kritisch und überzeugend beleuchtet. Oft sind seine Texte auch zutiefst tantrisch, ohne in den heutzutage so beliebten Tantrakitsch abzudriften.
Thomas Hübl ist für mich sowohl als Mensch als auch als Mann ein gutes
Vorbild. Wer seine Aktivitäten kennt, der weiß, dass er nicht nur
meditiert und redet, sondern auch als engagierter Mann mit Herz & Verstand
in unserer Welt handelt. »Walk your Talk«, heißt das dann
in seinem Jargon. Ich wünsche mir mehr von diesen Männern mit solch
tragenden, lebensbejahenden Visionen.
Das Buch wird vielleicht aufgrund seiner sehr eigentümlichen Sprache kein
Bestseller werden, für mich aber ist es schon jetzt eines meiner wichtigsten
Bücher.
Bewertung:
5 von 5 Sternen
-Arnold Neumann
Thomas Hübl: Sharing the Presence. Kamphausen 2009, 329 S., HC, 22,80 €
| < Zurück | Weiter > |
|---|







Facebook
MySpace
Twitter





















Kommentare
also ich neige ja auch bisweilen zur Polemik, aber du haust ja hier richtig rein. Hoffentlich reicht die Gruppenenergie von Hübls Gemeinschaft aus, ihn wieder aufzurichten ...
Aber Scherz beiseite. Was mich verwundert ist, dass du den Hübl so abstrafst, andererseits aber Eckhart Tolle, Ken Wilber und sogar Andrew Cohen ganz ok findest.
Bei den letzten beiden frage ich mich nämlich immerzu: worauf wollen sie wirklich hinaus? Um welche Veränderungen geht es konkret? Ich warte vergebens, dass von denen mal einer Klartext spricht. Für mich sind das Beschwörungsthe oretiker: sie denunzieren ständig Ego und Eigennutz, beschwören immerzu eine neue, höhere Entwicklung, lassen aber völlig offen, wie diese aussehen soll. Vor allem bei Cohen ist ja die endlose Aufbruchsstimmu ng typisch.
Der Thomas Hübl ist da auch nicht abstrakter, er kleidet nur dasselbe diffuse Pathos in einen zugegeben fahrigen, eben überschwänglich eren Jargon. Aber Wilber und Cohen mögen "gebildeter" sein, das scheint mir in diesem Falle aber kein Vorteil zu sein. Sie sind trotzdem - oder gerade deshalb - auf ihre Weise unklar.
Ich habe mit Unternehmensber atern zu tun gehabt, die auf Wilber standen, aber es taugte nicht zu mehr, als dass sie Teams in der Firma zu größerer Leistung anspornen wollten (wozu das "Wir" nicht alles gut ist!). Von Gegenleistung - heute gern Energieausgleic h genannt - war jedoch nicht die Rede. Also auf diese Art von Business-Spiritualität kann ich gerne verzichten, genauso auf den Manager, der beim Entlassen von Mitarbeitern rührend kundgibt, dass dies nicht persönlich gemeint sei und ja auch jede Veränderung im Leben große Chancen seien, sich zu entwickeln. Veräppeln kann ich mich auch selbst.
Alle Kommentare dieses Beitrages als RSS-Feed.