Was macht Frauen satt und glücklich?
Eva Maria Zurhorst
Jenseits der Emanzipation
Vor einiger Zeit ist mir eine (Doppel-)DVD ins Haus geflattert mit dem Titel »Was macht Frauen satt & glücklich?« Der pinkfarbene Einband erinnert mich an Barbie und könnte mich fast abschrecken, aber der Titel macht mich neugierig.
Eva-Maria Zurhorst, Autorin und Coach für Frauen und Paare, wurde bekannt
durch ihr Buch »Liebe dich selbst«. Sie gibt auch Seminare, und
bei einem reinen Frauen-Workshop zum Thema Weiblichkeit kam ihr die Idee, einen
Film mit Frauen für Frauen zu machen. Heraus kam eine Doppel-DVD mit fast
fünf Stunden Material. Der »eigentliche« Film auf DVD 1 begleitet
drei Frauen auf ihrer Suche nach ihrem weiblichen Weg. Ulrike, Mutter von erwachsenen
Kindern beim Eintritt in eine neue Lebensphase, Kerstin, eine alleinerziehende,
berufstätige Mutter, und Meike, eine Managerin, die einen Burnout hatte.
Der Film hüpft hin und her zwischen den Frauen, ihren Erlebnisberichten
und Kommentaren zu Schönheitsidealen, Perfektionismus, Konkurrenzkampf
unter Frauen und Karrierestress.
Doch der Film ist nur ein kleiner Bestandteil der Doppel-DVD. Im Abschnitt »Geschichten für die Seele« erzählt Chameli Gad Ardagh, die mit Eva-Maria Zurhorst zusammen Frauenseminare gibt, Mythen wie »Durgas Geburt«, »Kalis Wut« und »Die Reise der Inanna«. Jede Geschichte thematisiert Aspekte des Weiblichen. In »Übungen für den Körper« führt Chameli einige Körperübungen vor, die man leicht nachmachen und in den Alltag einbauen kann – denn Weiblichkeit beginnt im Körper, nicht im Kopf.
Auf der zweiten DVD folgen ausführliche Interviews mit bekannten Autorinnen,
Therapeutinnen und einer Schauspielerin. Die Schauspielerin Natalia Wörner
erzählt von ihrer Zeit als Model und wie sie erst sehr viel später
zu ihrer Weiblichkeit fand. Diane Richardson, Buchautorin und Pionierin der
sexuellen Evolution, erklärt, wie Frauen wieder Zugang zu ihrem Körper
finden, von dem sie sich oft abgeschnitten fühlen. Stimmt das wirklich,
was sie da behauptet, dass 90 Prozent der Frauen Probleme mit dem Orgasmus haben,
frage ich mich, während ich ihr zuhöre. Die Psychotherapeutin Amanda
Trobe spricht über Liebe und Alltag, und die Körpertherapeutin Iris
Paul-Feißner erzählt von ihrem Leidensweg mit Adipositas. Mit 36
Jahren wog sie 170 Kilo, eine Operation rettete ihr Leben. Nur fühlte sie
sich dann als »eine Dicke im dünnen Körper« und lernte
erst durch Tantra, ihren Körper zu lieben.
Sabine Asgodom ist eine der bekanntesten Management-Trainerinnen Deutschlands.
Was hat ausgerechnet sie in einem Film zu suchen, der sich mit Weiblichkeit
befasst? Als Erfolgscoach und erfolgreiche Frau kennt sie den »Fluch der
starken Frauen« – »Ich musste selbst erst lernen, mir helfen
zu lassen« gesteht sie. Heute rät sie Frauen, auf ihr Inneres zu
hören – sei es, dass die innere Stimme rät, die gewünschte
Karriere anzustreben, oder auch die Karriere sausen zu lassen und sich um Heim
und Herd zu kümmern. Frauen stellen oft übermenschliche Ansprüche
an sich, sie wollen alles können, in allem vorne sein. »Wahre Emanzipation
heißt loslassen können, annehmen können, nicht alles allein
schaffen zu wollen. Wahre Emanzipation heißt, mich als ebenbürtigen
(nicht den Männern überlegenen) Menschen wahrzunehmen.«
Fazit: Dies ist eine interessante Doppel-DVD mit sehr viel Material, das viele
Fragen aufwirft und einige gute Antworten liefert. Empfehlenswert für alle
an Genderstudies interessierten Frauen und für alle, die sich Gedanken
über ihre Weiblichkeit machen.
Bewertung:
4 von 5 Sternen
— Christine Höfig












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