Welcome
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Kein Platz für Bilal
In dem Film »Welcome« des Franzosen Philippe Lioret kreuzen sich in Calais die Schicksale des 17jährigen kurdischen Flüchtlings Bilal (Firat Ayverdi) und des ehemaligen Schwimmchampions Simon (Vincent Lindon). Ebenso überschneidet sich die Quasi-Dokumentation über rechtlose Migranten, ihre Widersacher und Helfer mit den fiktiven Hintergründen ihrer ganz persönlichen Geschichte.
Der kurdische Teenager Bilal, von einem Laien überzeugend gespielt, ist aus dem Irak in monatelanger Irrfahrt, von Schleppern ausgeplündert, in Calais gestrandet, zusammen mit vielen anderen jungen Männern, die ein gemeinsames Ziel haben: die andere Seite des Kanals, Großbritannien, das gelobte Land, wo Verwandte oder die Verheißung eines sicheren Lebens mit Perspektiven auf sie warten. Doch der Ärmelkanal, untertunnelt und eine der meistbefahrenen Schifffahrtsstraßen der Welt, scheint unüberwindlich. Mit quälendem Realismus werden die trickreichen Versuche der Flüchtlinge gezeigt, als blinde Passagiere die französische Küste zu verlassen - und ihr Scheitern an der Wachsamkeit und den ausgeklügelten Spür-Methoden der Polizei. So sitzen sie im nasskalten winterlichen Calais fest, ausgegrenzt, schikaniert, in einer trostlosen Sackgasse. Die idealistischen Helfer, die sie notdürftig versorgen, werden ihrerseits von der Polizei misstrauisch überwacht und behindert. Das ist der reale Hintergrund dieser Geschichte.
Bilal, der davon träumt, in England Profi-Fußballer werden und seine angebetete Mina (Derya Ayverdi) heiraten zu können, die mit ihrer Familie bereits dort angekommen ist, verfällt auf die verzweifelte Idee, den Kanal schwimmend zu überqueren. Schließlich ist das seit 1875 immer wieder gelungen. Gut und ausdauernd zu kraulen muss er erst noch lernen. Und so gerät er im städtischen Hallenbad an den Schwimmlehrer Simon, der eine große Karriere hinter sich hat und in Scheidung von seiner Frau lebt, die er immer noch liebt. Die beiden ungleichen Männer nähern sich einander an, und Simon wird schließlich in Bilals Plan eingeweiht. Er trainiert ihn heimlich, jedoch nicht aus reiner Gutherzigkeit, sondern auch, um seine Noch-Ehefrau Marion (Audrey Dana) zu beeindrucken, die sich in einer Hilfsgruppe für Flüchtlinge engagiert und die bisher den mangelnden Gerechtigkeitssinn und die Gleichgültigkeit ihres Mannes in dieser Angelegenheit beklagte.
So kommt Hoffnung auf, dass alles für die beiden neuen Freunde gut werden kann. Bilal versucht immer wieder, Kontakt zu Mina in England aufzunehmen. Sie ist die Schwester seines besten Freundes. Doch die traditionellen patriarchalischen Verhältnisse in dieser Familie bauen weitere Hindernisse zwischen den Liebenden auf. Und auch in Calais kommt es zu Konflikten, die Bilal zu einem vorzeitigen buchstäblichen Sprung ins kalte Wasser veranlassen. Das wichtige Thema des Films, das Elend dieser Flüchtlinge, wird durch das banalere, Simons Eheprobleme, zeitweise relativiert. Doch die Verflechtung so verschiedener Dramen macht auch nachdenklich.
Bewertung:
4 von 5 Sternen
— Barbara Wollstein







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