Mission Statement Humor

Esoterik-Kabarett:
Wolf Schneider als Christel Oberhuber
Scheitern und Wiederaufstehen
Humor ist, wenn man trotzdem lacht, wie oft mag sich Wolf
Schneider das gesagt haben? Seit fünfundzwanzig Jahren verlegt er die Zeitschrift
»connection«. Bei durchschnittlich zehn Ausgaben im Jahr bedeutet
dies zweihundertfünfzig Mal (zusammen mit den Sonderheften sind es weit
über drei hundert Mal) sich vollkommen auf ein Thema einzulassen und loszulassen.
Das war nicht alles leichte Kost. Mit den Worten von
Konstantin Wecker: »Allein
schon wegen ihrer Unabhängigkeit ist die connection eine herausragende
Zeitung. Eine Blüte im neoliberalen Sumpf der Bertelsmänner und all
der Zeitungen, die bald nichts mehr anderes sind als Umfeldgestaltung für
Werbeanzeigen.«
Witz und Ernst
Diese Unabhängigkeit hat ihm mehr als einmal schier das Genick gebrochen. Was hat ihn nur immer wieder aufstehen lassen? Woher nahm er die Kraft, immer wieder von vorne anzufangen? Das frage ich mich spätestens seitdem ich im Frühjahr 2009 begann, ihn auch persönlich kennen zu lernen und mich dann in den folgenden Monaten entschloss, ins Connectionhaus einzuziehen und an dem Projekt mitzuarbeiten.
Dann las ich dazu Wolfs aktuellen Artikel (in connection 11/09) über die »Tabugrenzen des Lachens«. Dort schreibt er: »Der Clown darf nicht lachen, wenn er stolpert, allenfalls danach. Witz und Ernst sind Geschwister, sie brauchen einander und müssen einander respektieren. Nur beim Witzemachen witzig zu sein, in der erlaubten Zone, sonst aber bierernst, das ist der falsche Weg. Besser, man ist beim Witzemachen todernst und betreibt dafür alle die seriösen Tätigkeiten auf eine Art, dass man selbst und andere darüber lachen können.«
Die göttliche Komödie
Wolf schreibt auch, dass Humor ein spiritueller Weg sein kann und als solcher
ausreicht bis zur höchsten, menschenmöglichen Befreiung. Oder, wie
Christina Kessler es in ihrem Buch »Herzensqualitäten« beschreibt:
»Humor ist die königliche Eigenschaft, die Unvollkommenheiten der
Existenz mit einem wohlwollenden Lächeln zu umarmen und in den Schattenseiten
des Lebens den Glanz der Vollkommenheit zu entdecken«, und weiter: »Durch
diese Einstellung wird der ›Ernst des Lebens‹ gebrochen. Der Strom
der Freude kann sich nun in alle Richtungen ergießen. (...) Das Leben
verwandelt sich mit all seinen Höhenflügen und Talfahrten in eine
Bühne, auf der sich die göttliche Komödie abspielt. Ja, das Leben
selbst wird zum Spiel.«
Wer bestimmt überhaupt, was eine Bühne ist und wo sie ihren Rand hat,
fragt Wolf in seinem Artikel, während ich immer noch mitten in der Frage
stehe, wie er das nur ausgehalten hat, das Fallen und Wiederaufstehen, 25 Jahre
lang. Woher nahm er diese Ausdauer, woher die Kraft, die Liebe zum Menschen,
und was ist sein roter Faden? Was begleitet ihn schon sein Leben lang und worin
findet er seinen heiligen Raum, sein fragloses Ja?

Die Geburt des Clowns
Verbindungen schaffen
»connection« nennt er sein Projekt: Verbindungen schaffen, Herzensverbindungen. Mit Worten und Taten, Themen und Witz tut das auf seine Weise, mutig und unbeirrt. Was aber ist denn »seine Weise«? Neulich hatten wir ein Meeting darüber. Wie alle anderen auch, heutzutage mehr denn je, wollen wir – nein: müssen wir – herausfinden, was uns einzigartig macht und auszeichnet. Ich meine, für Wolf ist es das: sein Humor.
Die Geschwister Witz und Ernst sind sein Thema, soweit klar. Damit zusammenhängend
aber auch die Rollen, die spielen, auf der Bühne des Lebens, sind hier
das Thema. Unser Bewusstsein, wann wir in einer Rolle sind und in welcher, und
wie wir da wieder rauskommen, wenn es uns reicht: »In eine fremde Rolle
auf Zuruf reingehen zu können, ist eine große Kunst. Noch größer
ist die Kunst, aus einer eigenen Rolle, die das eigene Leben und die eigene
Identität prägt, auf Zuruf rausgehen zu können.« Mut gehört
dazu, sagt Johannes Galli
,
vor allem dann, wenn es darum geht, ein Scheitern zu riskieren. Und dann nochmal,
wenn es passiert ist (und wir alle scheitern ja oft genug). Dann geht es darum,
das einzugestehen – zunächst mal sich selbst und dann auch vor anderen.
Und dann, wenn man auf die Schnauze gefallen ist: darüber so lachen zu
können, wie Alexis Zorbas, als er seine geliebte Seilbahn abstürzen
sah.
Bereit sein zum Scheitern
Mut, das hat er. Wie er da mit seinem Esoterik-Kabarett, fast unvorbereitet, ohne Textvorlage, ohne Proben, aus dem Stegreif die Narrheit der Weisen mimt und durch den Kakao zieht – die Weisen, die er doch in seiner Zeitschrift 25 Jahre lang vertreten hat und auch heute noch vertritt, die seine Zeitschrift lesen und deren Anzeigen der Verlag braucht, um existieren zu können! Wie er sich vom Motivationstrainer, der wie ein wild gewordener Tiger auf der Bühne tobt, in einen kopfwackelnden indischen Heiligen verwandelt und dann im Dirndl zur von Satana besessenen Christel Oberhuber wird oder als Tantriker die Resi in Ekstase versetzt, dann aber bei ihr den Knopf zum Ausschalten des Orgasmus nicht mehr findet. Peinlich? Schon irgendwie, aber auch unendlich lustig. Man muss es riskieren zu scheitern, in der Hinsicht unterscheidet sich das Unternehmersein nicht von der Liebeswerbung und erst recht nicht vom Kabarett, zumal vom Esoterik-Kabarett, wo doch bekannt ist, dass die Esos ihre eigene Heiligkeit gar nicht komisch finden und zum Lachen in den Keller gehen.
»Atmosphäre erleuchteten Humors«
Wolf Schneider gelingt es irgendwie, seine Zuschauer aus dem Keller und aus
der Reserve zu locken, so dass sie nicht mehr nur verkniffen um sich schauen,
ob denn hier Lachen erlaubt ist, sondern sich gegenseitig mit offenem und herzlichem
Lachen anstecken. Eine wohltuende Atmosphäre! Vielleicht ist das die »Atmosphäre
erleuchteten Humors«, die Christina
Kessler
beschreibt, die übrigens gerne zu unseren Festen kommt und
genau wie ich ein Fan von Wolfs Humor ist: »In einer Atmosphäre erleuchteten
Humors, in der man Schwächen zwar genau erkennt, diese aber nicht mit übermäßiger
Beachtung nährt, treten plötzlich die Stärken aller Beteiligten
hervor. Kreativität breitet sich aus, den Blick wie von selbst auf neue,
ungeahnte Möglichkeiten lenkend. In allen Beteiligten wird das Beste motiviert.
Ideen erhellen die Gemüter, Leidenschaft erfüllt den Alltag mit seinen
verschiedenen Aufgaben, es entsteht Raum für herzhaftes Lachen.«
Aida Karnowski










MySpace
Twitter
Facebook











